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Unternehmen | 17.10.2019

Aus IZ42/2019, S. 10

Von Dagmar Lange

In diesem Artikel:

Schlafen wie in einer Weltraumkapsel

Quelle: Space Development GmbH, Urheber: Claudiu Mizleanu
Japan-Feeling: Wie Bienenwaben sind die Schlafkapseln angeordnet.

Quelle: Space Development GmbH, Urheber: Claudiu Mizleanu

Das Konzept gibt es seit vielen Jahren in Japan, langsam schwappt es nach Europa über: Schlafkapseln als Alternative zum Hotel oder Hostel. Ein futuristisches Übernachtungsangebot für die Generation Y und Z, die in zentralen Lagen einen günstigen, aber komfortablen Schlafplatz suchen, samt kostenlosem WLAN und Kaffee. Das erste Kapselhotel Deutschlands hat diesen Sommer in Karlsruhe eröffnet, in Göttingen startete die Konkurrenz.

In Asien sind Schlafkapseln der Renner, denn sie bieten in zentralen Lagen ungestörten Schlafgenuss zu einem niedrigen Preis. Das erste Kapselhotel wurde 1979 im japanischen Osaka eröffnet. Mittlerweile sind sie in Japan in allen größeren Städten zu finden. Langsam gewinnt diese Form zu übernachten auch in Europa immer mehr Freunde. Denn die platzsparenden Kapselhotels geben eine Antwort auf den Platzmangel und den teuren Wohnraum in Großstädten, ermöglichen Privatheit und zugleich Kontakt zu anderen Nomaden.

Mit diesem Konzept hat der aus Israel stammende Unternehmer Taimuraz Chanansvi, dessen Firma Space Development im baden-württembergischen Heidenheim angesiedelt ist, deutschlandweit Großes vor. In der Karlsruher City hat er das "in dieser Art in Deutschland einzigartige Konzept" unter dem Namen Area 24/7 diesen Juni eröffnet. In der Kaiserstraße 168-170 sind in einem Bestandsgebäude 16 Schlafkabinen entstanden, weitere 30 sollen ab Ende November verfügbar sein. Dann auch für zwei Personen, die sich fühlen wollen wie ein Astronaut im Raumschiff, ohne die Bodenhaftung zu verlieren.

Seinen Gästen verspricht Chanansvi, alle positiven Aspekte eines Hostels mit denen eines Hotels zu vereinen: Günstige Übernachtungspreise, gemeinschaftliches Feeling und dennoch der eigene Schlafplatz als Rückzugsort. Die derzeitigen Schlafkapseln in Karlsruhe sind für eine Person ausgelegt, 2,20 m lang, einen Meter breit und mit einer Höhe von 1,30 m nur zum Sitzen geeignet. Also nichts für Menschen mit Klaustrophobie. Doch wer ausblendet, dass sein Schlafraum kein Fenster hat, kann dank der guten Schallisolierung und der Klimaanlage eine entspannte Nacht verbringen. "Man hört keine Geräusche der anderen, hat keine fremden Gerüche in der Nase, sondern in der Kapsel seine Ruhe", so Chanansvi.

Die Schlafkojen punkten durch technischen Komfort. Dazu gehören moderne HD-Androidfernseher, die mit sämtlichen Apps ausgestattet werden können und damit Streaming ermöglichen. Zur obligatorischen Ausstattung kommt ein USB-Anschluss, ein ausklappbarer Tisch, ein Safe, ein Spiegel und ein Kopfhörer - eben alles, was ein moderner Mensch nicht mehr missen möchte. Warme Getränke aus dem Automaten sind kostenlos. Der Zutritt zum Kapselhotel erfolgt über eine vorherige Onlinebuchung. Statt an einer klassischen Rezeption verschafft man sich über eine App Zutritt zum Gebäude und zu seiner Schlafkapsel.

Um die Wohnkabinen herum sind Aufenthaltsräume, eine Küche, in deren Kühlschränken die Gäste auch eigenen Platz nutzen können, und die Einzelduschen angeordnet. Eine Übernachtung in Karlsruhe im Area 24/7 kostet im Durchschnitt 45 Euro. Damit will sich das Konzept zwischen den Angeboten von Hostels mit 30 Euro für ein Mehrbettzimmer und einem Hotelzimmer für rund 70 Euro ansiedeln.

Seine Zielgruppen sind Städteurlauber, die mehr für das Erlebnis als für die Übernachtung ausgeben wollen, Freiberufler, die ein paar Nächte in einer Stadt verbringen, und auch Studenten. Die bezahlen pro Monat im Semester zwischen 650 und 800 Euro.

Die weiteren Expansionspläne laufen. Neben dem Ausbau in Karlsruhe zu einem Kapselhotel mit Frühstücksservice und Schlafplätzen für zwei Personen sind in Heidenheim am Sitz der Firma 40 Schlafkapseln in einer ersten Phase in einem Gebäude nahe der Hochschule geplant, ein Ausbau bis zu 120 Schlafkapseln ist möglich. Der Bau soll im März 2020 beginnen, die Fertigstellung im Juni 2020 erfolgen. In Frankfurt sind für Ende 2020/Anfang 2021 sogar 180 Kapseln auf insgesamt 2.000 m² vorgesehen. Dort sei man in der Endverhandlung über ein Gebäude. Und Chanansvi betont, dass die weißen Schlafkapseln in Heidenheim fertiggestellt und von dort auch nach Polen oder Slowenien exportiert werden.

Chanansvis Space Development Group sucht nach Mitinvestoren, um weitere Projekte gemeinsam zu verwirklichen. Als Einstiegsinvestition gibt er 20.000 Euro für eine Kapsel an. Sein Crowdfunding trifft laut eigener Aussage auf rege Resonanz. Weil es keine Konkurrenz auf dem deutschen Markt gebe. Doch damit liegt er nicht ganz richtig.

Quelle: Space Development GmbH, Urheber: Claudiu Mizileanu
Die moderne Form des Zellen-Wohnens bietet auf kleinstem Raum den Komfort eines Mittelklassehotels.

Quelle: Space Development GmbH, Urheber: Claudiu Mizileanu

Boxhotel aus Hannover verspricht eine "weltweit einmalige" Schlafbox. Das Konzept bewirbt ebenfalls eine effiziente Raumnutzung und ein komfortables Raumgefühl mit Privatsphäre. Auch Boxhotel-Geschäftsführer Oliver Blume spricht von dem "weltweit ersten vollständig app-basierten Hotel". Bislang existiert ein Boxhotel in Göttingen, weitere sind demnächst in Hannover und Leipzig geplant. Man legt Wert auf eine gute Ausstattung auf kleinstem Raum.

Das Boxhotel in der Göttinger Weender Landstraße liegt nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof und dem historischen Stadtkern entfernt und bietet Besuchern dazu die Nähe zu vielen Clubs. Es wirbt mit einer der "besten jemals von Stiftung Warentest getesteten Matratze". Die Übernachtung kann auf der Website bereits ab 24,99 Euro pro Nacht gebucht werden.

Anders als beim Kapselhotel hat die Single-Box neben einem Bett auch ein Waschbecken. Die Standard-Box ab 29,99 Euro bietet neben einer Schlafcouch und einem Waschbecken im Erdgeschoss ein weiteres Bett und eine Dusche im Obergeschoss, die über eine Treppe im Zimmer erreichbar ist. Die Box ist 3,60 m hoch und kann von bis zu zwei Personen genutzt werden. Bei einer Doppelbelegung zahlt die zweite Person einen Aufpreis von 7,99 Euro für die Nacht.

Für knapp 35 Euro steht in Göttingen auch eine Comfort-Box bei Einzelbelegung zur Verfügung. Sie zeichnet sich neben den Bestandteilen der Standard-Box durch ein 40 cm breiteres Bett in der ersten Etage aus. Auch für diese Box zahlt die zweite Person einen Aufpreis von 7,99 Euro.

Die Anbieter der platzsparenden Hotelkonzepte brauchen citynahe Standorte, um erfolgreich und damit nachhaltig zu sein. Bei der Suche nach Bestandsimmobilien konkurrieren sie mit anderen Investoren für diese begehrten Lagen.

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