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Unternehmen | 17.10.2019

Aus IZ42/2019, S. 5

Von Robin Göckes

In diesem Artikel:

WeWork lächelt sich durch die Expo Real

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Robin Göckes
WeWork stand auf der Expo Real im Zentrum vieler Gespräche.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Robin Göckes

Kaum ein Unternehmen stand vor der diesjährigen Expo Real so in der Kritik wie WeWork. Die schlechten Nachrichten rund um den US-amerikanischen Coworkinganbieter schienen gar kein Ende mehr zu nehmen. Die Messe war die erste Gelegenheit für WeWork, hierzulande Schadensbegrenzung zu betreiben.

Heiko Himme lächelt. Das ist bemerkenswert, liegen hinter ihm doch Wochen und Tage voller Negativschlagzeilen über seinen Arbeitgeber WeWork. Die Expo Real in München war für Himme als Head of Real Estate Nord-, Zentral- und Osteuropa des Coworkinganbieters die erste Chance, gegenzusteuern. Zuvor war er an die sogenannte Quiet Period gebunden, die im Zuge des angestrebten Börsengangs von WeWork ausgerufen worden war. "Für uns kam die Messe genau zum richtigen Zeitpunkt und wir konnten unheimlich viele konstruktive Gespräche führen. Alleine an den ersten beiden Messetagen habe ich rund 30 Termine gehabt", berichtet Himme.

Vor der Messe und auch in den Messehallen selbst war viel über die Zukunft des Unternehmens, global immerhin Branchenprimus im wachsenden Flex-Office- und Coworkingsegment, diskutiert worden. Angefangen mit den für den Börsengang offengelegten Geschäftszahlen und der Kritik zahlreicher Analysten an diesen, über die Demission des Gründers und bisherigen CEO Adam Neumann bis hin zur Abstufung des Ratings für WeWork durch Fitch auf die Note CCC+, gab es ja auch genug Stoff für Debatten. Während der Expo wurde meist hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen, dass bei Finanzierern Mietverträge mit dem Coworkingriesen nicht mehr so gerne gesehen seien wie noch vor einigen Monaten, oder dass Projektentwickler sich doch eher noch einmal einen anderen potenziellen Flex-Office-Mieter ins Haus holen wollten.

So viel zur Gerüchteküche auf den Messegängen, erhärten lässt sich die Nachrichtenlage kaum. Aber sie zeigt, wie stark die Zweifel an einer langfristigen Zukunft von WeWork inzwischen zum Tagesgeschäft des Unternehmens gehören müssen. Da werden auch jüngst verkündete vermeintliche Erfolgsmeldungen plötzlich kritisch gesehen. Ende August wurde etwa bekannt, dass WeWork den ersten Standort in Düsseldorf eröffnen wird. Satte 22.000 m² Bürofläche in den Herzogterrassen wurden dafür gemietet - so viel wie sonst nirgendwo in Deutschland. "Wen die dort reinsetzen wollen, weiß ich nicht. Da fehlt mir die Fantasie", bekennt Sebastian Renke, Associate Director und Teamleader Office Agency bei Savills in Düsseldorf, der ohnehin kritisch auf die Entwicklung des Unternehmens blickt. "Für diesen Mieter steht keiner mehr Schlange", glaubt er. In guten Lagen werde das Geschäft sicherlich funktionieren, für viele weniger gute sehe er dagegen keine langfristige Perspektive. "Dass WeWork komplett den Bach runter geht, glaube ich nicht. Aber für einige Fonds wird ein Mietvertrag mit ihnen zum faulen Ei im Nest", lautet seine Prognose.

Deutlich wird auch, wie stark die Konkurrenz angesichts der momentanen Unsicherheit rund um WeWork versucht, sich selbst in Stellung zu bringen. Ganz besonders Knotel-Gründer Amol Sarva geht in die Offensive. Auf der Messe trug er, schon mal den Abgesang auf den großen internationalen Konkurrenten anstimmend, einen Pullover mit der Aufschrift "Grave Dancer". Dass WeWork aufgrund des aggressiven Wachstumskurses Schwierigkeiten bekommen werde, habe Knotel antizipiert. "Manche werden Geld verlieren, manche ihre Jobs - und das ist schrecklich", sagt Sarva, um sogleich die Marschrichtung für sein eigenes Unternehmen auszugeben: "In 18 Monaten wollen wir größer sein als WeWork."

WeWork selbst gibt sich hinsichtlich der anstehenden Maßnahmen, die Ruhe bringen und die Geschäfte beruhigen sollen, öffentlich noch immer recht wortkarg. Das ist allerdings auch nicht verwunderlich, schließlich ist das neue Führungsduo des Unternehmens, Artie Minson und Sebastian Gunningham, erst seit Ende September installiert. Dass WeWork kosten sparen will und muss, ist klar. Dass das Unternehmen den bisherigen Wachstumskurs dennoch nicht komplett wird auf Eis legen können, ebenso. Schließlich gehört die Eroberung und Verteidigung der Marktführerposition zum Geschäftsmodell und Markenkern. Was bleibt, wird ein schwieriger Spagat.

Heiko Himmes Messefazit fällt angesichts der Ausgangslage allerdings positiv aus. "Die Gespräche insbesondere mit den großen institutionellen Investoren lassen mich absolut positiv auf die Expo zurückblicken. Diejenigen, die mit unserem Kerngeschäft vertraut sind, sind nach wie vor von WeWork überzeugt und haben bestätigt, auch weiterhin Geschäfte mit uns machen zu wollen", berichtet er. Und dann gibt er noch so etwas wie eine Versicherung ab, so vorsichtig sie auch formuliert sein mag. "Unseren aktuellen und zukünftigen Vermietern konnten wir versichern, dass wir auch weiterhin zu unseren europäischen Mitgliedern und Partnern stehen."

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