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Märkte | 17.10.2019

Aus IZ42/2019, S. 2

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Berliner Volksbank
  • Organisationen:
    Bund Deutscher Architekten, BFW Landesverband Berlin/Brandenburg, Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg
  • Immobilienart:
    Wohnen

Jubelperser auf der Messe

Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus, so steht es im Kommunistischen Manifest. Heute heißt das Gespenst für die Immobilienleute Mietendeckel. Und wird mit allen Mitteln bekämpft. Auch für unehrlichen Klamauk sind sich Branchenvertreter nicht zu schade, findet IZ-Redakteurin Gerda Gericke.

Quelle: Immobilen Zeitung, Urheber: Frank Boxler
Gerda Gericke.

Quelle: Immobilen Zeitung, Urheber: Frank Boxler

Was war passiert? Auf der Expo Real am Stand von Berlin und Brandenburg, raunte es am vergangenen Dienstag durch die Münchner Messehallen, werde bald demonstriert. Es ginge um den Mietendeckel. Bis in die Höhle des Klassenfeinds hatten es die Gegner ehrbarer Hausbesitzer also geschafft? Wie sind die denn hier reingekommen, fragte eine kluge junge Frau, der Eintritt sei hier doch furchtbar teuer. Die Aufregung währte eine knappe Stunde, bis die Kunde in die gläserne Redaktion der Immobilien Zeitung drang: "Die Demonstranten ziehen sich beim BFW um."

Ach so! Protestiert wurde nicht für eine Verschnaufpause für Mieter, sondern dagegen, nicht für, sondern gegen einen Deckel. Hinter der Demo mit bunten Plakaten und großen Mülleimerdeckeln steckte der BFW-Landesverband Berlin. Und die Berliner Volksbank. Und der Bund Deutscher Architekten, Landesgruppe Berlin, und die Fachgemeinschaft Bau.

Vielleicht, weil es ihnen selbst ein bisschen unangenehm war, und damit es nicht so auffällt, wurde dafür eine eigene Protestinitiative ins Leben gerufen. Mut-stadt-wut, heißt der Verein, hinter dem sich wiederum ein Zusammenschluss versteckt, der sich Berlin.Kann.Mehr nennt. Doch die bestellten Demonstranten hatten Pech. Die große Politik war zu Hause geblieben, der Staatssekretär schon abgereist. Die Schilder schwenken ließen die Besteller und Finanziers des Protests trotzdem. Denn die Angst ist groß. Die Party am Berliner Mietwohnungsmarkt ist wohl vorbei. Die Angebotsmieten sind im dritten Quartal gesunken. Schuld sei die populistische Politik mit ihrer Regulierungswut, sagt das Bauchgefühl der Branche. Falsch, kontert empirica. Der Zyklus ist einfach zu Ende.

Ein Gespenst geht um in Europa. Doch das ist nicht der Deckel oder die Beruhigung eines überhitzten Marktes. Das Gespenst ist die Angst vieler Menschen, sich ihre Wohnung nicht mehr leisten zu können. Dafür gehen sie auf die Straße. Sich diesen echten Demonstranten offen zu stellen, zu reden, Frieden zu schaffen und auch zu erklären, warum ein Mietenstopp nicht die Lösung aller Probleme ist, sondern auch neue schafft, wäre hilfreicher, anstatt Klamauk zu veranstalten, der ins Leere läuft. Für das Geld, das man mit dem Verzicht auf die Kampagne gespart hätte, gäbe es andere Verwendung. Der Winter naht. Heerscharen von Wohnungslosen brauchen in Berlin ein Dach über dem Kopf. Hier zu helfen würde mehr überzeugen, als Claqueure anzuheuern. Jubelperser hießen solche Leute im alten Westberlin.

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