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Marketing | 04.10.2019

Aus IZ40/2019, S. 29

Von Alexander Heintze

In diesem Artikel:

Mit VR-Einsatz schneller zum Kaufvertrag

Quelle: Rohrer Immobilien GmbH
Das virtuelle Maklerbüro bei Rohrer in München.

Quelle: Rohrer Immobilien GmbH

Immer mehr Makler setzen virtuelle Techniken für Haus- und Wohnungsbesichtigungen ein. In München hat Rohrer Immobilien jetzt ein eigenes Studio eingerichtet, um Kunden Immobilien mittels Virtual Reality (VR) möglichst lebensnah zu präsentieren.

Das Haus im noblen Münchner Stadtteil Solln ist noch nicht gebaut. Doch die Wohnungen können Interessenten schon jetzt betreten. Immer mehr Makler bieten virtuelle Rundgänge in Immobilien an. Das Münchner Unternehmen Rohrer Immobilien hat für den Vertrieb von Wohnungen ein eigenes Virtual Reality (VR)-Studio eingerichtet. Er wolle Investoren und Selbstnutzern eine einzigartige Beratungsperspektive bieten, erklärt Sven Keussen, geschäftsführender Gesellschafter von Rohrer Immobilien, den Schritt.

In dem karg ausgestatteten Raum steht ein Fernseher in der Ecke. Auf dem Boden ist eine Markierung, auf die sich der Interessent stellen soll. Eine Datenbrille, die an einen Helm mit eingebauter Skibrille erinnert, ermöglicht den virtuellen Rundgang durch die Wohnung. Von einem festen Standpunkt kann sich der Interessent in dem virtuellen Raum umschauen. Er sieht dabei eine Aneinanderreihung von sehr detailreichen Computerentwürfen der Wohnung. Mit einem Klick bewegt er sich sprunghaft von einem festgelegten Punkt zum anderen. An jedem Standort kann er einen Rundumblick starten. Der fotorealistische 360-Grad-Blick biete den Vorteil, dass die Ausstattung detailreich dargestellt wird, sagt Keussen. Das sei gerade bei hochwertigen Wohnungen ein Vorteil.

"Es gibt Menschen, die mehr sehen wollen als nur Pläne", weiß der Makler. Nach seinen Erfahrungen wird die Dachgeschosswohnung bei solchen Objekten meist ohne weiteres gekauft, die nachfolgenden Interessenten warten lieber ab, bis der Rohbau fertig ist und der Innenausbau beginnt. Diesen Interessenten will er durch die Technik eine Hilfestellung geben, sich schneller zu entscheiden. In Solln sind über 30% der Wohnungen bereits vor Baubeginn reserviert. "Die neue Technik hat wesentlich zu dieser Entscheidung beigetragen", vermutet Keussen.

Bis die Technik in der Vermarktung zum Standard wird, ist es aber noch ein langer Weg. Viele Bauträger und Architekten müssten erst noch überzeugt werden, die Daten herauszugeben, um die virtuellen Räume zu generieren. "Außerdem müssen sich Bauträger, Architekten und Innenarchitekten frühzeitig auf die Ausstattungsdetails festlegen", erläutert Keussen. Die Kosten sind dabei nicht das größte Hindernis. Die Umrechnung der Daten ist mit wenigen hundert Euro pro Raum vergleichsweise günstig.

Rohrer setzt die Technik nicht nur in der Vermarktung seiner Kaufimmobilien ein, sondern auch in der Vermietung. In Berlin und München verwaltet die Gruppe rund 8.500 Wohn- und Gewerbeeinheiten. Wenn eine Wohnung leer wird, stellt die Hausverwaltung mittlerweile routinemäßig eine Kamera auf, um einen 360-Grad-Rundgang aufzunehmen.

Der nächste Schritt ist Virtual Reality. Mit Hilfe von VR-Brillen können sich die Nutzer in einer computergenerierten Umgebung frei bewegen. Wie bei einem Computerspiel geht man bei Wohnungen oder Gewerbeeinheiten von Raum zu Raum. Die Möglichkeiten sind hier schier unendlich. So kann der Betrachter das Gebäude verlassen und sich die Umgebung anschauen oder in der Wohnung die Farbe der Fliesen oder die Beschaffenheit des Fußbodens verändern. Die Kehrseite ist, dass diese virtuelle Realität enorme Rechnerkapazitäten benötigt, wenn sie ruckelfrei funktionieren soll. Das zeigt sich im Preis der Highend-Rechner, die mit einigen Tausend Euro zu Buche schlagen.

Zudem ist die virtuelle Realität nicht für jeden etwas. Ein flaues Gefühl im Magen bis hin zu Übelkeit kann sich beim ungeübten Betrachter schnell einstellen. Und dass sich die Interessenten schlecht fühlen, wollen Makler tunlichst vermeiden.

Daher biete Rohrer Interessenten in dem VR-Raum die Brille lediglich an, sagt Keussen. Wer sie nicht aufsetzen wolle, könne den Rundgang auch ganz normal am Bildschirm machen, dann halt ohne das Gefühl, mittendrin zu sein. Hier haben die 360-Grad-Rundblicke einen großen Vorteil. Um einen Eindruck von der Wohnung zu bekommen, ist keine Brille nötig. Die Bilder lassen sich genauso am Rechner oder am Mobiltelefon betrachten. Mit der entsprechenden Software sind am Smartphone ebenfalls Schwenks, also quasi das Umherschauen wie mit der Brille möglich. Allerdings fehlt das Empfinden, selbst im Raum zu stehen.

Urheber: Smabu GmbH
Hochwertige Animationen reichen künftig wohl nicht mehr aus, um Interessenten eine Wohnung näher zu bringen. Viele wollen schon vor Baustart mitten drin stehen.

Urheber: Smabu GmbH

Keussen denkt weiter. "Wir überlegen, ob man das auch als holografisches Modell darstellen kann, um das man dann herumgehen und das man drehen kann." Die entsprechende Software gebe es bereits am Markt. "Wir experimentieren uns da jetzt rein", sagt Keussen. Derzeit lernten sie, welche Anforderungen die Kunden hätten, und passten die Software und die Ausstattung entsprechend an.

Bisher hat Rohrer etwa 20.000 Euro bis 25.000 Euro investiert. Ein Engagement, das sich nach der Keussens Überzeugung lohnt. "Wir machen das bei Immobilien, die nicht leicht zu vermarkten sind", fährt der Rohrer-Chef fort. Das gelte vor allem für ältere Bestandsimmobilien. "Meist sind die Gegebenheiten und die Einrichtung nicht zeitgemäß und die Grundrisse optimierbar. Um die Vorstellungskraft der Interessenten anzuregen und die Immobilie entsprechend positiv zu präsentieren, bietet die 3D-Technik ein optimales Einsatzgebiet", erklärt Keussen. Danke virtueller Realität könne man bei Renovierungen Vorher-Nachher-Szenarien darstellen. Das erleichtere es potenziellen Käufern sich vorzustellen, was sie mit einem veralteten Bad aus den 70er Jahren machen können.

Ein Hindernis sind teilweise noch die Bauträger, die nicht an die Vorteile der neuen Technik glauben. Oder sie derzeit wegen des schnellen Absatzes nicht nötig haben. Doch Keussen weiß: "Es wird wieder die Zeit geben, wo der Verkauf Mühe macht. Dann werden solche Tools im Vertrieb helfen."

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