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Märkte | 04.10.2019

Aus IZ40/2019, S. 2

Von Gernot Archner

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Bundesverband der Immobilien-Investment Sachverständigen
  • Personen:
    Gernot Archner, Walter Eucken
  • Immobilienart:
    Wohnen

Der fatale Staatsglaube der Branche

Auf dem Immobilienmarkt geraten marktwirtschaftliche Grundregeln zunehmend ins Hintertreffen, kritisiert BIIS-Geschäftsführer Gernot Archner. Selbst die Immobilienbranche zeige zunehmende Staatsgläubigkeit.

Quelle: BIIS
Gernot Archner.

Quelle: BIIS

Politisch gewollte Niedrigzinsen, Nullzinsen und nun Negativzinsen haben zu einem bislang nicht gekannten Preisboom an den Immobilienmärkten geführt. Der Zins - das Entgelt des Schuldners für die Überlassung von Kapital durch den Gläubiger - steht Kopf. Auf dem Kopf steht mittlerweile aber auch das wirtschaftspolitische Ordnungsdenken. Staatliche Verbote ersetzen marktwirtschaftliche Ideen. Durch Mietendeckel, Mietenbremsen, eingeschränkte Umlagefähigkeit demnächst höhere Grundsteuern, Maklerprovisionsverbote etc. wird keine einzige "bezahlbare" Wohnung zusätzlich gebaut. Der Rückgang der Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser in Ballungsräumen ist Menetekel und politischer Skandal zugleich.

Ich vermisse neue marktwirtschaftliche Ideen, z.B. für mehr staatliche Neubautätigkeit mit innovativer Partizipation an steigenden Mieten. Warum wird die Höhe von Erbbaurechtszinsen durch die öffentliche Hand immer noch stur an festen Zinssätzen auf der Basis von (anteiligen) Bodenwerten bemessen und nicht längst prozentual an die Mieterträge gekoppelt? Die lokalen Mehrerlöse durch steigende Mieten könnten in bedarfsgerechte lokale Investitionen und Subjektförderung fließen, statt wie nun in Berlin Gutverdienern den schicken Altbau in Toplage zu subventionieren, aus denen sie nie mehr ausziehen werden. Jeder weiß auch, dass eine städtebaulich hohe Bauqualität in guten wie selbst mittleren Lagen bei steigenden Herstellungskosten und Bodenpreisen hohe Mieten erfordert. Was ist der menschliche wie städtebauliche Preis für den Qualitätsverzicht infolge gedeckelter Mieten? Kaum jemand spricht über die volkswirtschaftlichen Opportunitätskosten durch diesen zunehmend unflexiblen Immobilienmarkt.

Stattdessen beginnen jetzt, wo die Politik sich immer unverhohlener anschickt, die Marktgesetze Stück für Stück weiter zu schleifen, laut dem aktuellen Expo-Stimmungsbarometer immer mehr Akteure mit einer stärkeren staatlichen Regulierung zu liebäugeln. Trauen diese Profis staatlichen Stellen wirklich eine größere Problemlösungskompetenz zu als sich selbst? Wenn man sich das wenig innovative Konferenzprogramm der Expo Real zu dem Themenkomplex Wohnen ansieht, könnte man zu diesem Schluss kommen. Bei alledem gehen gerade Grundfesten unserer Wirtschaftsordnung zu Bruch und keinen scheint es zu stören. Der Ökonom Walter Eucken sagte einmal, dass die Menschen nur in bestimmten Ordnungen leben können, aber als Masse dazu tendieren, gerade die funktionsfähigen Ordnungen zu zerstören.

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