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Politik | 26.09.2019

Aus IZ39/2019, S. 25

Von Alexander Heintze

In diesem Artikel:
  • Städte:
    München
  • Organisationen:
    Land Bayern, Bau- und Verkehrsministerium Bayern
  • Personen:
    Elisabeth Merk, Stephanie Jacobs, Alfons Lenz
  • Immobilienart:
    Wohnen, Gewerbe allgemein

Münchner Immobilien sollen das Klima retten

Urheber: Alexander Heintze
Beim Bau ökologischer und energiesparender Immobilien soll es in München künftig nicht bei Pilotprojekten wie hier im Prinz-Eugen-Park bleiben. Vor allem soll flächendeckend saniert werden.

Urheber: Alexander Heintze

München. Vergangenes Wochenende hat die Bundesregierung das Klimapaket vorgestellt. Bis 2030 soll Deutschland 300 Mio. t CO2 einsparen. Auch die Stadt München hat sich ein ehrgeiziges Klimaziel gesteckt. Bis 2050 will die Stadt klimaneutral sein. Auf Immobilienbesitzer könnten zusätzliche Auflagen zukommen.

Das Klimapaket der Bundesregierung steht: Der Einbau neuer Ölheizungen wird ab 2026 verboten; ab 2021 soll für den CO2-Ausstoß bei Gebäuden über die Heizkosten kassiert werden. Dafür gibt es für energetische Sanierungsmaßnahmen Steuervorteile. Mit hohen Auflagen für den Verkehr und Immobilien soll die Klimawende geschafft werden.

Schon vor der Bekanntgabe des Klimapakets hatte die Stadt München in der vergangenen Woche zu einem sogenannten Hearing geladen. Im Gespräch mit Experten wollten die Stadträte ausloten, wie die Klimawende im Gebäudebestand erreicht werden kann. Denn die Landeshauptstadt hat ehrgeizige Ziele. Alle fünf Jahre soll der CO2-Ausstoß um 10% reduziert werden. Bis 2030 sollen die Pro-Kopf-Emissionen nur noch die Hälfte dessen betragen, was für das Jahr 1990 ermittelt wurde. Bis 2050 will die Stadt sogar ganz klimaneutral sein. Dass Immobilien dabei eine entscheidende Rolle spielen, ist keine Frage. Immerhin kursiert seit Jahren die Zahl, dass Gebäude in Deutschland etwa 35% des Endenergieverbrauchs und etwa 30% der CO2-Emissionen erzeugen.

"Die Sanierung des Bestands ist ein wesentlicher Faktor auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die energieeffiziente Gebäudesanierung steht dabei insbesondere im Fokus, da das Potenzial CO2 zu reduzieren hier am größten ist", bestätigte auch die Münchner Umweltreferentin Stephanie Jacobs bei der Expertenanhörung.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk kündigte an, dass die Stadt ihre eigenen Bauvorhaben noch einmal überprüfen werde. "Bei städtischen Gebäuden geht kein Weg mehr am Passivhausstandard vorbei", ergänzte Jacobs.

Dabei will sich die Stadt am Freistaat Bayern orientieren, der seit 2011 alle seine Verwaltungsgebäude im Passivhausstandard errichtet. Vorzeigeprojekte sind dabei das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg mit 15.000 m² Nutzfläche und der Neubau des Strafjustizzentrums in München, das mit rund 36.000 m² Nutzfläche das größte Passivhausprojekt des Freistaats sein wird. Derzeit umfasse der Passivhausbestand des Freistaats 17 Gebäude, erklärte Alfons Lenz, Baudirektor im bayerischen Bau- und Verkehrsministerium. Einen Bericht mit den Erfahrungen will der Freistaat im kommenden Jahr vorlegen.

Die Münchner Stadtbaurätin beabsichtigt darüber hinaus, dass private Eigentümer und Immobilienentwickler ihren Beitrag leisten. Denn gerade mal etwas über 10% der Wohngebäude in München sind im Besitz der Stadt oder der städtischen Genossenschaften.

So will die Stadt etwa beim Neubau strenger werden. Bei den städtischen Flächen, die in Form einer Konzeptvergabe ausgeschrieben werden, dürften energetische Standards in Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Merk wird überprüfen, wie die Ausschreibungen entsprechend angepasst werden können.

Ins Boot holen will Merk auch gewerblich genutzte Immobilien. "Gewerbeimmobilien bieten enorme Ressourcen und sind bautechnisch leichter zu bewältigen", sagte sie. So will die Stadt zum einen bei Gewerbeflächen, die sie selbst vergibt, als auch bei den anstehenden großen Bestandssanierungen genauer hinschauen. Dabei solle auch die sogenannte graue Energie, also die Energie, die beim Bau einer Immobilie für die Herstellung und Beschaffung der verwendeten Materialien notwendig ist, stärker in Rechnung gestellt werden. Bei Wettbewerben dürften die Vertreter der Stadt in der Jury daher noch kritischer auf den Energieverbrauch und eine ökologische und ressourcenschonende Bauweise achten. Man wolle weiter über die gesetzlichen Anforderungen an Gebäude hinausgehen, so Merk. "Wenn man hier nicht ehrgeizig genug ist, produziert man die Bestandssanierung von morgen", deutete Jacobs die künftige Ausrichtung der Stadt an.

Die Energieleitpläne und Energienutzungspläne, die die Stadt bisher für Sanierungsgebiete wie Neuperlach oder in dem Smart-City-Modellgebiet Neuaubing-Westkreuz vorsieht, müssten stadtweit gelten, so Merk. Diese Energiepläne sollen die Energieversorgung in Quartieren sichern sowie Energieverbrauch und CO₂-Ausstoß reduzieren.

"Wir brauchen in Zukunft ganz andere Konzepte, um die private Bestandssanierung besser zu steuern", sagte Merk. Das Ziel der Stadt sei es, die energetische Sanierungsquote von derzeit ca. 1% auf mindestens 2% zu verdoppeln. Mit der Städtebauförderung oder der Ausweisung von Sanierungsgebieten allein könne das nicht erreicht werden.

Umgesetzt werden könnte das recht schnell. Zuletzt forderten die Münchner Grünen in einem Antrag an den Stadtrat ähnliche Auflagen. Unter anderem sollen bei der Vergabe städtischer Grundstücke höhere Energiestandards gefordert werden. Die Nutzung von Solarenergie wird verpflichtend in B-Pläne sowie in den ökologischen Kriterienkatalog aufgenommen. Außerdem soll beim Neubau der Plusenergiestandard oder mindestens der KfW-40-Standard umgesetzt werden.

Weitere Instrumente dürften zusätzliche Förderprogramme der Stadt sein. Bereits jetzt fördert die Landeshauptstadt mit jährlich 14,7 Mio. Euro unter anderem die energetische Sanierung von Bestandsbauten und andere Maßnahmen wie Fotovoltaikanlagen und Batteriespeicher, den Neuanschluss an ein Wärmenetz, den Fensteraustausch oder Beratungsleistungen. Die Förderung gilt nicht nur für Wohn-, sondern auch für Gewerbeimmobilien.

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