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Märkte | 26.09.2019

Aus IZ39/2019, S. 23

Von Dagmar Lange

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Bündnis 90 / Die Grünen, CDU, Bauwirtschaft Baden-Württemberg
  • Personen:
    Boris Palmer, Peter Hauk, Thomas Möller, Franz Untersteller, Mathias Waggershauser, Markus Böll
  • Immobilienart:
    Wohnen

Die Bauwirtschaft fordert den Einsatz von Recyclingstoffen

Quelle: Bauwirtschaft Baden-Württemberg
Gute Aussichten für die Baubranche, sofern die öffentliche Hand weiter viel investiert.

Quelle: Bauwirtschaft Baden-Württemberg

Baden-Württemberg. Die Baubranche im Südwesten geht für die nächsten Jahre von einem anhaltenden Wachstum aus. Grund sei der hohe Bedarf an Investitionen durch die öffentliche Hand und im Wohnungsbau, wo mehr Recyclingmaterial eingesetzt werden sollte.

Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg stellt sich auf starke Veränderungen durch den Klimawandel ein und fordert ein generelles Umdenken. Die Folgen seien heute schon spürbar, wie überhitzte Innenstädte, überflutete Straßen und überlastete Abwassersysteme. Daher seien neue Bauverfahren, neue Baustoffe und verbesserte Leitungsnetzwerke "das Gebot der Stunde", wie Mathias Waggershauser betont, Vizepräsident des Verbands der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

Zu den innovativen Baumaterialien zählt Waggershauser Textil-, Gradienten- und recycelten Porenbeton. Textilbeton erlaube schlankere Bauteile mit geringem Eigengewicht bei hoher Tragfähigkeit und langer Lebensdauer. Beim Einsatz von Gradientenbeton könne 40% Material eingespart werden, was die Baukosten senke und die Ressourcen schone. Zudem kritisiert Waggershauser, dass die Ressourcen- und CO2-Einsparung durch Recyclingbaustoffe bislang viel zu wenig genutzt werde. Die neuen Baumaterialien in Massivbauweise seien kaum teurer als herkömmliche. Zudem würden die moderne Bausteine eine weitere Dämmung obsolet machen. Was hingegen das Bauen verteuere, seien die gesetzlichen Baustandards wie die EnEV, Brand- und Schallschutz oder die Barrierefreiheit. Zudem weist die Bauwirtschaft seit Jahren auf das Deponieproblem hin. Die Entsorgung des Erdaushubs koste für ein Einfamilienhaus mittlerweile etwa 35.000 Euro. Statt dieses Erdmaterial auf die zu wenigen Deponien im Land zu verbringen, sollte lieber vorausschauend geplant und überlegt werden, wo im direkten Umfeld der Baustelle beispielsweise eine Lärmschutzwand erstellt wird, für die das Aushubmaterial gebraucht werden könnte.

Während im Straßenbau nahezu alle Materialien wiederverwendet würden, stecke der Hochbau hier noch in den Kinderschuhen. Markus Böll, Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, verweist auf einen neuartigen Kalksandstein, der zu 10% aus recyceltem Porenbeton besteht. Dadurch könne viel Sand bei der Produktion eingespart werden. Böll sieht in der Schweiz ein Vorbild, weil dort bereits heute häufig Recyclingbeton für Neubauten verwendet wird. Laut Böll ist ein "klimaneutraler Neubau heute schon möglich".

"Auch die öffentliche Hand in Baden-Württemberg sollte hier beispielhaft vorangehen und für ihre Baumaßnahmen verstärkt den Einsatz von Recyclingbaustoffen vorschreiben", fordert der Verbandspräsident. Doch da gibt es seitens der Landesregierung keine eindeutige Präferenz. Während Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen) sich seit langem für Recyclingbeton beim Bau von Gebäuden der öffentlichen Hand stark macht, will Agrarminister Peter Hauk (CDU) Holz als nachwachsenden Baustoff für Gebäude stärker fördern. Damit ist er auf einer Linie mit Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, der die Holzbauweise in der Universitätsstadt sogar zur Pflicht machen will. Böll meint jedoch: Durch eine einseitige Bevorzugung der Holzbauweise werde man "nicht in der Lage sein, das Klima zu retten". Zudem plädiert der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Thomas Möller, zwar für eine steuerliche Abschreibung von energetischen Sanierungen, aber der Aufwand müsse genau geprüft werden. Manchmal sei ein Neubau die bessere Wahl, statt alte Bausubstanz zu sanieren.

Auch die flächendeckende Versorgung der Häuser mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge nimmt die Bauwirtschaft als "enorme Herausforderung" für ihre Bauunternehmen wahr. Nicht nur beim Verlegen schneller Datenleitungen, sondern auch bei der Sanierung von Strom- und Wasserleitungen gehe es zu langsam voran. Baden-Württemberg gerate beim Breitbandausbau ins Hintertreffen, weil es unklare Zuständigkeiten gebe, kritisiert Waggershauser. Laut Böll sind mehr als 50% der 78.000 km Abwasserkanäle im Land marode. Die Kosten für die Sanierung werden auf über 3 Mrd. Euro geschätzt. Teurer werde auch ein weiteres Großprojekt, nämlich die geplante Leitungstrasse Suedlink, die von den Offshore-Anlagen im Norden umweltfreundlichen Windstrom in den Süden bringen soll. Von der 680 km langen Gesamtstrecke verlaufen 97 km in Baden-Württemberg. Da es wegen vieler Bürgerproteste kaum Freileitungen geben werde, würde das Vorhaben statt der veranschlagten 10 Mrd. Euro "gut dreimal so teuer".

"Landespolitik, Städte- und Landkreistage müssen einen umfassenden Masterplan für die wichtigsten Leitungsnetzwerke im Land liefern", fordert daher Waggershauser.

Angesichts der gut gefüllten Auftragsbücher bis Jahresende erwartet der Landesverband der Bauwirtschaft mit seinen rund 1.700 Mitgliedern für dieses Jahr ein Umsatzplus von 8% auf rund 19 Mrd. Euro. Die Auftragseingänge von Januar bis Juli stiegen im Vergleich zu 2018 um 19%. Hauptsächlich dafür verantwortlich waren Bauvorhaben von Unternehmen und der öffentlichen Hand, während im Wohnungsbau die Baugenehmigungen im Vergleich zum Vorjahr um 6% auf 25.574 Wohneinheiten sanken. "Insgesamt schaut unsere Branche zuversichtlich auf die kommenden Monate", so Böll.

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