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Märkte | 26.09.2019

Aus IZ39/2019, S. 2

Von Peyvand Jafari

In diesem Artikel:
  • Personen:
    Peyvand Jafari
  • Immobilienart:
    Wohnen

Anachronismus Mietspiegel

Deutsche Metropolen müssen mit den Maßstäben gemessen werden, die für ihre Pendants aus anderen Ländern gelten, meint Plutos-Chef Peyvand Jafari. Er schlägt einen Mietspiegel für europäische Hauptstädte vor.

Peyvand Jafari.

Mietspiegel sind anachronistisch. Die Idee, Mieten über einen längeren Zeitraum und abgegrenzt für eine bestimmte Kommune zu betrachten, um daraus sämtliche Ableitungen für Mietsteigerungen und Mietobergrenzen zu bestimmen, entspricht nicht der Lebenswirklichkeit des 21. Jahrhunderts. Denn sowohl auf deutscher als auch auf europäischer Ebene rücken die Metropolen - also eben jene Standorte mit angespannten Wohnungsmärkten - immer näher aneinander. Wer in Frankfurt lebt, kann sich vielleicht auch München oder Berlin als Heimat vorstellen, aber wohl kaum Niederbayern oder den Spreewald. Das gilt auch international: Berlin muss zunehmend dem Vergleich mit Städten wie Barcelona, Stockholm und Wien standhalten, München wird längst in einem Satz mit Zürich genannt.

Diese Entwicklung spiegelt sich unmittelbar in den Philosophien vieler Unternehmen wider. Sie stellen ihren Mitarbeitern schon heute frei, an welchem Standort sie montags und freitags arbeiten, von mehrmonatigen bis mehrjährigen Austauschprogrammen innerhalb des Firmenverbunds ganz abgesehen. Ich kenne eine wachsende Zahl an Unternehmen, deren Niederlassungen den Lebensmittelpunkten ihrer Mitarbeiter folgen - und nicht umgekehrt.

Im Vergleich dazu wirken Mietbegrenzungen auf Grundlage lokaler Mietspiegel wie aus der Zeit gefallen. Wenn man schon auf Vergleichsmieten setzen will, dann sollten diese auch die Größe und Attraktivität der Städte berücksichtigen. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Mietspiegel für die deutschen Top Seven? Oder ein Mietspiegel der europäischen Hauptstädte? Dann würde rasch deutlich, dass Berlin bei weitem keine überhöhten Mieten hat. Die meisten Menschen, die eine Wohnung suchen, scheitern nicht an den Preisen, sondern am mangelnden Angebot.

Auch müssen die mittelbaren Schäden, die ein Klammern an Mietspiegeln verursacht, benannt werden. Jeder Cent Mieterhöhung, der mit Verweis auf einen Mietspiegel verhindert wird, fehlt der Wohnungswirtschaft an anderer Stelle. Investitionen in Instandhaltung und Sanierung fallen ebenso weg wie Aufstockungen, Nachverdichtungen und der allgemeine Wohnungsneubau. Zum Teil liegt das dann an mangelnden Einnahmeüberschüssen, mehr aber noch an den Unsicherheiten, die jede neue Regulierung mit sich bringt. Solange nicht glaubhaft versichert wird, dass der Betrachtungszeitraum der Mietspiegel nicht immer wieder erweitert wird, haben wir es hier mit einem wahlkampftaktischen Fass ohne Boden zu tun.

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