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Politik | 19.09.2019

Aus IZ38/2019, S. 2

Von Jürgen Kelber

In diesem Artikel:

Zu viele Deutsche verdienen zu wenig Geld

Mehr Wohnungsneubau allein wird das Problem der hohen Wohnkosten nicht lösen, meint Jürgen Kelber, Managing Partner Dr. Lübke & Kelber. Es brauche auch höhere Löhne. Er fordert ein "Konjunkturpaket Wohnen".

Urheber: Berthold Steinhilber
Jürgen Kelber.

Urheber: Berthold Steinhilber

Entweder wir lamentieren weiter über die steigenden Wohnkosten. Oder wir sprechen endlich über das Einkommensgefälle in Deutschland. Wenn nämlich heute ein monatliches Nettoeinkommen von 3.440 Euro bereits ausreicht, um zu den einkommensstärksten 10% der Gesellschaft zu gehören, dann werden sich in Zukunft noch weniger Menschen eine eigene Wohnung leisten können.

Die Einkommen der Menschen in Deutschland entsprechen bei weitem nicht mehr dem Lebensstandard und der Erwartungshaltung, an die wir uns gewöhnt haben und die uns als wohlverdient angepriesen werden. Dass das in den vergangenen Jahren insbesondere den Kostenblock Wohnen betroffen hat, ist letztlich chronologischer Zufall. Als Nächstes werden - auch dank der Debatte um den Klimawandel - Mobilität und Nahrungsmittel Kostenzuwächse erfahren. Auf Biegen und Brechen versuchen wir derweil, unseren Exportweltmeistertitel zu verteidigen, und nehmen dafür horrende Abgaben und niedrige Löhne in Kauf - das wird auf Dauer nicht gut gehen.

Wenn die Konjunktur, wie jetzt abzusehen ist, nachlässt und der größte Industriesektor unseres Landes - die Automobilwirtschaft - vor einem Richtungswechsel steht, der auch zum Überlebenskampf werden kann, dann gilt es, das Potenzial der Wohnungswirtschaft als befriedendes und verbindendes Element zu nutzen. Derzeit werden zum größten Teil Wohnungen gebaut, die sich nur besagte 10% der Spitzenverdiener leisten können. Dabei sind es die Gering- und Mittelverdiener, die dringend Wohnungen brauchen. Um sie zu unterstützen, müssen Politik, Öffentlichkeit und Wohnungswirtschaft gemeinsam für mehr Neubau und höhere Löhne kämpfen.

Altbekannte Schuldzuweisungen von allen Beteiligten helfen da nicht weiter. Stattdessen brauchen wir ein gemeinsames Konjunkturpaket Wohnen mit einem deutschlandweiten Bau- und Finanzierungsmodell für bezahlbaren Wohnraum in den Ballungsgebieten, gepaart mit einem Maßnahmenpaket für höhere Löhne in den mittleren Einkommensklassen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Politik akzeptiert und danach handelt, dass sie die Wirtschaft, die sie heute verteufelt, als Partner braucht, um den benötigten Neubau zu errichten. Dazu gehört aber auch, dass der Staat als einer der wichtigsten Arbeitgeber seine Politik hinterfragt - sowohl bei der Höhe der Löhne als auch bei den gängigen Befristungen von Arbeitsverträgen in der öffentlichen Verwaltung, an den Universitäten und an den Schulen ebenso wie in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

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