Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Märkte | 12.09.2019

Aus IZ37/2019, S. 24

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

Büros sind in Jena Mangelware

Quelle: Stadt Jena, Urheber: Kristian Philler
Läden, Wohnungen und Büros statt einer Blechlawine. Der Eichplatz soll sich in einigen Jahren zu einem lebendigen, autofreien Quartier gemausert haben. Derzeit spricht die Stadt mit Investoren.

Quelle: Stadt Jena, Urheber: Kristian Philler

Jena. Das Angebot am Büromarkt in der thüringischen Schwarmstadt kann mit der Nachfrage nicht Schritt halten. Die Leerstände sinken und sind bei 1,8% angelangt. Das ist angesichts einer nötigen Fluktuationsreserve quasi nichts. Die Mieten steigen und haben in der Spitze 18 Euro/m² erreicht. Und auch wenn die Pipeline gefüllt ist - Mietinteressenten hilft das nicht viel. Der Löwenanteil wird für Eigennutzer errichtet.

Und immer noch parken hier die Autos. Fein säuberlich in Reih und Glied. Die Rede ist vom 12.250 m² großen Eichplatz im Herzen der mitteldeutschen Universitätsstadt, der kein gewöhnlicher Parkplatz ist, sondern ein Zankapfel erster Güte. 2014 fielen Pläne des Frankfurter Entwicklers OFB und der kommunalen Jenawohnen bei einer Bürgerbefragung krachend durch. Viel zu bombastisch. 2015 rollte die Stadtverwaltung das Projekt neu auf. Vorgesehen auf dem Filetstück ist jetzt ein 30.000 m² großes, gemischt genutztes, autofreies Quartier - nicht nur mit Wohnungen, Läden und vielleicht einem Hotel. Sondern auch mit Büros. Denn die kann die Stadt gut gebrauchen. Die Hightech-Metropole mit derzeit gut 111.000 Einwohnern wächst und ansässige internationale Technologieunternehmen, wie Zeiss, Jenoptik, Schott, Intershop, zwei Hochschulen und zwölf wissenschaftliche Forschungseinrichtungen und deren "Tross" melden zunehmend Platzbedarf an. Doch damit sieht es mau aus.

Im vergangenen Jahr wurden bei 703.000 m² Bestandsfläche 12.870 m² Büro neu fertiggestellt. Das sind 8.560 m² weniger als im Jahr 2017. "Überschaubar", heißt es denn auch nüchtern im jüngsten Büromarktbericht, den die Stadt im Saaletal zum vierten Mal in Folge herausgibt. Hinzu kommt: Nicht einmal ein Fünftel dieser Fläche steht dem Markt zur Verfügung. Anders ausgedrückt: 81% dieser paar Quadratmeter dienen der Eigennutzung.

Dabei sind Investoren in der Stadt keinesfalls faul. 2018 befanden sich 13 Bürogebäude mit einer Gesamtfläche von 24.030 m² im Bau. Das ist viermal so viel wie 2017. Und weitaus mehr, als 2018 an Bürofläche umgesetzt wurde, als die Makler 18.150 m² über den Tresen schoben. Auch die Projektpipeline hat sich rasch gefüllt. 74.170 m² addierten die eifrigen Researcher. Doch wiederum das gleiche Lied: Hiervon sind ganze 13.780 m² für Mieter da. Den Rest bauen sich Unternehmen für den eigenen Bedarf.

Neu ist in Jena: Die Hightechfirmen im "München Thüringens" kleckern nicht, sondern klotzen. "Mit einer durchschnittlichen Bürofläche pro Objekt von über 2.500 m² werden die zukünftigen Objekte eine mehr als viermal so große Bürofläche aufweisen als der bisherige Bestand", schreiben die Researcher. Leuchtturmprojekte sind der geplante Hightech-Standort von Carl Zeiss (siehe "Zeiss lässt ein Ufo in Jena landen", IZ 42/18) sowie der Neubau der Friedrich-Schiller-Universität auf dem Inselplatz.

1,8% der bestehenden Büroflächen stehen quer über die Stadt leer. Mit 0,8% am rappelvollsten sind die Stadtteile Lobeda und der Teilmarkt am Unicampus. Am meisten Platz mit einem Leerstand von immerhin 4,2% bietet Göschwitz - der Kiez zwischen den beiden Standorten. Die City mit ihren gut 200.000 m² Bestandsfläche kommt auf den durchschnittlichen Leerstand von 1,8%.

Stadtweit bewegen sich die Mieten zwischen 4 und 18 Euro/m². Die Durchschnittsmiete, ließ die Wirtschaftsförderungsgesellschaft errechnen, lag im vergangenen Jahr bei 9,20 Euro/m². Eifrigste Mieter waren neben den Hightech-Firmen Dienstleister, angefangen von Anbieter des Gesundheits- und Sozialbereichs, gefolgt von wissenschaftlichen und technischen Diensten bis hin zu Finanz- und Versicherungsanbietern.

Wissenschaft, Hightech und die daraus resultierenden jungen Starts-ups boten auch ersten Coworkingkonzepten die Chance zu wachsen. Während in den A- und B-Städten große Konzepte wie WeWork, Regus und rent24 den Markt bestimmen, versuchen im als C-Standort eingestuften Jena lokale Akteure ihr Glück. Drei Coworkingstandorte fanden die Marktbeobachter bei ihren Recherchen - mit 100 Schreibtischen und einer Bürofläche von 1.390 m².

Die Nettoanfangsrendite beim Handel mit Bürohäusern würde überzeugen, sagen die Stadtväter. 5,8% ermittelten die Fachleute - nach 6% im Jahr 2015 sowie 6,3% bzw. 6,2% für die Jahre 2016 und 2017. Zum Vergleich: A-Standorte bekommen selten noch eine Drei vor dem Komma zustande.

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!