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Digitales | 12.09.2019

Aus IZ37/2019, S. 14

Von Robin Göckes

In diesem Artikel:

"Auf dem Markt gibt es derzeit keine Lösungen"

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Robin Göckes
Ergebnis von Base Move sind nicht nur erste Softwarelösungen, sondern auch Prototypen für die Hardware, die künftig zum Einsatz kommen könnten.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Robin Göckes

Dem flächendeckenden Einsatz von Smart-Home-Systemen stehen derzeit noch die hohen Kosten sowie die fehlende Zukunftssicherheit im Wege. Ein Forschungsprojekt unter Beteiligung des Wohnungskonzerns Vonovia will dies nun ändern. Erste Erfolge gibt es bereits zu vermelden. Doch besonders ein Aspekt bereitet den Forschern noch Kopfzerbrechen.

Zwei Jahre haben Jens-Peter Akelbein und sein Team an der Hochschule Darmstadt geforscht, jetzt liegen die ersten Ergebnisse ihrer Arbeit vor. Nicht weniger als die Entwicklung eines neuen, sicheren Smart-Home-Sensorsystems ist das Ziel ihres Forschungsprojekts Base Move. Das neue System soll unabhängig von Herstellern, Programmiersprachen oder Protokollen funktionieren und damit bestehende Barrieren für den flächendeckenden Einsatz smarter Assistenztechnik in Wohnräumen beseitigen. "Wenn sich ein Wohnungsanbieter auf die Suche nach einem Smart-Home-System macht, das günstig in Installation und Unterhalt ist und ihm dazu noch eine Nutzungssicherheit über 20 oder 30 Jahre garantiert, findet er nichts", erklärt Akelbein die Ausgangslage.

Das sieht man bei Vonovia, Deutschlands größtem Vermieter, ähnlich. Nicht umsonst ist Vonovia einer der Projektpartner von Base Move. "Auf dem Markt gibt es derzeit keine Lösungen, deshalb sind wir hier mit an Bord", erklärt Stefanie Hufen, Innovationsmanagerin bei Vonovia. Das Wohnungsunternehmen sucht auch vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Gesellschaft nach Wegen, günstig und dauerhaft Assistenzsysteme in ihre Wohnungen integrieren zu können, die den Bewohnern wie auch dem Unternehmen einen Mehrwert bieten. Etwa indem sie die Klimaautomatik selbsttätig nach den Vorgaben der Benutzer steuern, die Bewohner warnen, wenn beim Verlassen eines Raums noch Fenster geöffnet sind oder der Herd unabsichtlich angelassen worden ist.

In einer Wohnung von Vonovia in einer ruhigen Wohnstraße in Darmstadt haben Akelbein und seine Kollegen die ersten greifbaren Ergebnisse, die aus ihrer Forschungsarbeit hervorgegangen sind, installieren und für einen Testlauf vor Publikum bereitmachen können. Die Prototypen sehen indes auf den ersten Blick zugegebenermaßen weniger nach Hightech als vielmehr nach Elektrobastelei aus: eine rote LED-Lichterkette um einen Türrahmen drapiert, ein Steuerelement ohne Druckknöpfe und Sensortechnik in kleinen weißen Schächtelchen. Doch der Eindruck täuscht. "Der eigentliche Projektaufbau ist fast unsichtbar. Die Komplexität liegt in der Software", erklärt Akelbein. Statt auf einen der derzeit verbreiteten konkurrierenden Funkstandards für Smart-Home-Anwendungen wie Zwave oder Zigbee zu setzen, verwenden die Elemente von Base Move zur Vernetzung gängige IP-Protokolle, die als universelle Plattform für künftige Internet-of-Things-Anwendungen dienen sollen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Robin Göckes
Vonovia-Regionalleiter Robert Wagner (l.) und Innovationsmanagerin Stefanie Hufen freuen sich über die Zusammenarbeit mit Projektleiter Jens-Peter Akelbein.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Robin Göckes

Der Testaufbau in der Vonovia-Wohnung offenbart: Software und Hardware funktionieren so, wie sie sollen. Das System ist aktualisierbar, die Funkprotokolle lassen sich bei Bedarf wechseln. Und in der Herstellung verschlingen die verschiedenen Elemente des Systems keine Unsummen. Projektleiter Akelbein spricht von einem angedachten Kostenrahmen für die Ausstattung einer Wohnung mit dem flexiblen System von etwa 4.500 Euro. Die einzelnen Teile für einen Temperatur-/Feuchtefühler würden zum Beispiel in Summe 13,50 Euro bis 16 Euro kosten, rechnet einer der Projektbeteiligten vor. Bei großen Stückzahlen würden sich die Kosten pro Stück verringern.

Allerdings wird auch offensichtlich, welche Probleme es noch immer zu beseitigen gilt, ehe tatsächlich von einem nahenden Ende der bestehenden Insellösungen gesprochen werden könnte. "Am besten wäre es, die verschiedenen Elemente eines solchen Systems würden alle komplett energieautark arbeiten", sagt Projektleiter Akelbein. Denn neben den einmaligen Anschaffungskosten bilden auch die dauerhaften Unterhaltskosten für Smart-Home-Systeme eine Hürde für deren massenhafte Verbreitung. Wenn alle paar Jahre jemand durch die Wohnungen müsse, um Batterien auszutauschen, sei das wenig zukunftsträchtig.

Die ersten Prototypen bei Base Move wurden deshalb bereits mit Komponenten zum "Energy Harvesting" und Solarzellen ausgestattet. Je nach Lage im Raum und für die jeweilige Anwendung benötigter Energie kann das jedoch noch nicht ausreichend sein. "Das Thema Energieeffizienz ist sehr komplex", gesteht Akelbein ein. Auch deshalb soll mit der Zusammenarbeit der Projektbeteiligten nach der Präsentation der Ergebnisse von Base Move noch nicht Schluss sein. Das Nachfolgeprojekt Long Move, welches ganz speziell die Frage der möglichst autarken Energieversorgung in den Blick nehmen soll, steht bereits in den Startlöchern.

Förderung durch das Land Hessen

Base Move ist ein Verbundprojekt der Hochschulen Darmstadt und RheinMain sowie des Sensortechnikherstellers Thermokon mit Sitz im hessischen Mittenaar bei Gießen. Kooperationspartner sind das Wohnungsunternehmen Vonovia sowie der Energieversorger Entega. Gefördert wird es von der hessischen "Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz" (Loewe). Im Nachfolgeprojekt Long Move wollen die Projektpartner mit den gewonnenen Erkenntnissen weiterarbeiten und speziell die Energieeffizienz in den Blick nehmen.

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