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Politik | 12.09.2019

Aus IZ37/2019, S. 2

Von Björn-Martin Kurzrock

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    TU Kaiserslautern
  • Personen:
    Björn-Martin Kurzrock
  • Immobilienart:
    Wohnen, Einzelhandel, Gewerbe allgemein

Wer Preise bremst, bremst auch die Qualität

Zu hoher Kostendruck beschädigt die Qualität neu gebauter Immobilien und damit ihre Wertstabilität, warnt Björn-Martin Kurzrock, Professor an der TU Kaiserslautern.

Quelle: TUK, Urheber: Koziel
Björn-Martin Kurzrock.

Quelle: TUK, Urheber: Koziel

Es gehört zu den politischen Wunschträumen unserer Zeit, dass Wohnen überall "bezahlbar" sein soll. Einige Politiker wünschen sich einen "Mietpreisdeckel für ganz Deutschland", am besten auch gleich für Gewerbeimmobilien.

Was bedeutet das für das Flächenangebot? Nicht nur, dass weniger Mietobjekte gebaut werden, es wird auch billiger gebaut werden. Kostengünstiges Bauen ist schon seit längerem ein Ziel der meisten Parteien. Allerdings: Baukosten können noch viel weniger reguliert werden als Mietpreise. Höhere energetische Anforderungen, Nachfragedruck und Fachkräftemangel führen alle eher zu deutlich steigenden Kosten. Druck auf die Bauproduzenten wird trotzdem durch Bauherren bzw. Projektentwickler ausgeübt werden (müssen), wenn deren erzielbare Renditen über Mietpreisdeckel beschränkt werden. Das zu erwartende Ergebnis ist in vielen Fällen eine zunehmende Verschlechterung der Bauqualität in technischer, ökologischer und wohl auch ästhetischer Hinsicht, die wir vielfach schon sehen - oder noch übersehen, zumindest solange die Gebäude neu sind. Auch die Verdichtung wird voraussichtlich noch stärker zunehmen. Schon jetzt wird teilweise so sehr verdichtet, dass darunter die Lagequalität leidet. Die Folge: Im Laufe des Lebenszyklus nimmt der Wert überproportional ab. Nachhaltig ist das alles nicht. Billig ist oft im Nachhinein sehr teuer.

Das Prinzip ist bekannt. Im Einzelhandel haben die Verbraucher in Deutschland den Produzenten schon lange eine Preisbremse verordnet. So wurden aus Lebensmitteln mehr und mehr "Nahrungsmittel": nicht offensichtlich schlecht, aber auch nicht besonders gesund oder ökologisch. Elektrogeräte, Autos und ähnliche Dinge haben heute sogar im Premiumbereich eine kurze Lebens- oder Nutzungsdauer, entgegen aller Bemühungen zur Ressourcenschonung. Die Dauer bis zur Enttäuschung lässt sich mitunter erstaunlich gut anhand von Garantie- und Gewährleistungsfristen prognostizieren. Eingebaute Verfallsdaten sind aber bei vielen Produkten eine notgedrungene Reaktion auf selbst proklamierten oder auch von außen induzierten Kostendruck.

Es ist besonders wünschenswert, dass die Bau- und Immobilienwirtschaft Produkte hervorbringt mit Sinn und Nutzen, gerade weil die gebaute Welt so grundlegend für uns Menschen ist. Hoffentlich gibt es auch in Zukunft genügend Menschen, die praktische Lösungen entwickeln und umsetzen möchten und dafür angemessene und verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden. Wir brauchen keine destruktiven, sondern konstruktive Anreize.

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