Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Projekte | 05.09.2019

Aus IZ36/2019, S. 31

Von Thorsten Karl

In diesem Artikel:

In Duisburg entstehen 60 ha Wohnen am Wasser

Quelle: Atelier Loidl Landschaftsarchitekten
Eine Animation des Projekts gibt es noch nicht. Wohl aber das der Freiraumplanung. Hier gewann das Berliner Büro Loidl den Wettbewerb.

Quelle: Atelier Loidl Landschaftsarchitekten

Duisburg. Der Duisburger Stadtteil Wedau soll sich zu einem der schicksten Wohnstandorte im Revier mausern. Dort, wo einmal ein Rangierbahnhof und ein Ausbesserungswerk der Bahn standen, sind 90 ha Flächen frei geworden, davon gehören 80 ha der Bahn. Rund 60 ha sind für Wohnbebauung vorgesehen. Es handelt sich um eines der größten Entwicklungsprojekte in Nordrhein-Westfalen.

Zu den Top-Wohnstandorten in Nordrhein-Westfalen (NRW) zählt Duisburg eher nicht. Zwar grenzt die Stadt an Rhein und Ruhr im Süden an das von einem mehr als angespannten Wohnungsmarkt gebeutelte Düsseldorf, doch viele Wohnungssuchende zahlen lieber den immensen Aufschlag für eine Bleibe in der Landeshauptstadt, als mit dem Stigma des Autokennzeichens DU herumzufahren.

Und auch sonst gilt für Duisburg, was für die allermeisten Großstädte im Ruhrgebiet gilt: Je weiter nördlich im Stadtgebiet gelegen, desto weniger attraktiv sind die Wohnlagen. Wenn sich also tatsächlich Wohnungssuchende aus Düsseldorf kommend nach Duisburg wagen, dann am ehesten in den Süden der Stadt.

Da passt es natürlich wunderbar, dass die ehemalige Bahnfläche in Wedau ganz am südlichen Ende des fast 233 km² großen Stadtgebiets liegt und an die Düsseldorfer Nachbargemeinde Ratingen grenzt. Und noch besser passt zu den Plänen, hier auf rund 60 ha höherwertiges Wohnen anzusiedeln, dass es sechs Seen in Wedau gibt, an deren Ufer die neue Wohnbebauung entstehen soll. Dementsprechend lautet der Name des Vorhabens auch Sechs Seen Wedau. Dabei ist auch ein Anteil von etwa 10 % an gefördertem Wohnungsbau geplant.

Damit bei der Entwicklung des ambitionierten Projekts möglichst wenig schief läuft, haben sich bereits 2015 die Stadt Duisburg, die Deutsche Bahn, die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft NRW und die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gebag zusammengeschlossen. Zunächst war die Gebag wegen ihres lokalen Know-hows von der DB Station & Service als Erschließungsträger beauftragt worden.

Das Ergebnis der Gebag-Planungen sieht folgendermaßen aus: Insgesamt sind 57 Baufelder geplant, die sich auf vier grüne Quartiere verteilen. Diese werden, der Name des Projekts verrät es, von Wasser umgeben sein, das die späteren Bewohner locken soll. Zunächst aber sind für jedes der Quartiere Wettbewerbe vorgesehen. Insgesamt sind rund 3.000 Wohneinheiten und ein Nahversorgungszentrum auf dem Areal geplant. Für das rund 5.500 m² Handelsfläche messende Projekt begann kürzlich ein mehrstufiges Investorenauswahlverfahren.

Auch auf der Fläche selbst ist mittlerweile allerhand passiert. So wurden rund 45 km Schienen entfernt und 540.000 m3 Schotter abgefahren und schließlich auf rund 50 ha der Fläche der inzwischen entstandene Grünwuchs beseitigt. Zudem ist der geplante rund 2,4 km lange Lärmschutzwall ausgeschrieben worden.

Klar war seitens der Stadt aber von Anfang an, dass möglichst keine Standardbebauung mit dem einzigen Fokus auf die Rendite entstehen sollte. Darum strebte die Stadt Duisburg an, möglichst genau steuern zu können, was auf der Fläche realisiert wird, und trat mit der Bahn in Verhandlungen ein. Mitte Juni gab die Stadt bekannt, dass die Gebag die gesamten 80 ha bahneigener Flächen erwerben wird. Am 18. Juni hatte zuletzt auch der Aufsichtsrat der Bahn dem Verkauf zugestimmt. "So können Stadt und Gebag die Erschließung und Vermarktung der einzelnen Teilflächen in eigener Federführung und im Einklang mit den Zielen der Stadtentwicklung zum Erfolg bringen", heißt es bei der Stadt Duisburg. Etwa 8 ha bringt dabei die Stadt selbst in das Vorhaben ein.

Nun hat die eigens gegründete Gebag Flächenentwicklungsgesellschaft den Hut bei dem Projekt Sechs Seen Wedau auf. Die Kosten, die die Stadt Duisburg für den Erwerb und die Erschließung nennt, liegen bei einem knapp dreistelligen Millionenbetrag. Die Finanzierung der Maßnahmen soll über Kommunalbürgschaften abgesichert werden.

Der weitere Zeitplan sieht vor, dass schon zum Jahresende die ersten Bagger auf der Fläche anrücken. So muss zunächst der Lärmschutzwall entlang der Gesamtfläche errichtet werden. Im südlichen Teil des Areals ist zudem eine neue Kleingartenanlage vorgesehen. Parallel läuft bereits das mehrstufige Auswahlverfahren für den Nahversorger. Die Baugrundstücke sollen dann ebenfalls in einem Vergabeverfahren an Investoren veräußert werden. Duisburgs Planungsdezernent Martin Linne erklärt: "Die einzigartige Lage zu Stadt und Naherholungsmöglichkeiten sowie die im Rahmen von Smart City vorgesehenen infrastrukturellen Ausstattungen werden dieses Quartier positiv prägen."

Im Norden des Gesamtareals liegen die verbliebenen rund 30 ha, die für universitätsnahe Nutzungen und Gewerbe vorgesehen sind. Hier gab es bei der Entwicklung einige Verzögerungen: Eine Population von Zauneidechsen musste zunächst umgesiedelt werden. Doch auch hier wurden die Planungen wieder aufgenommen. Stadt, Universität und Unternehmen arbeiten an einem neuen Bebauungsplan.

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!