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Märkte | 05.09.2019

Aus IZ36/2019, S. 24

Von Peter Dietz

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK)
  • Personen:
    Mathias Leidgeb, Peter Kunz, Alexandra Tornow, Oliver Blüher, Peter Bimmermann
  • Immobilienart:
    Logistik

Roboter und Automaten machen Logistik

Quelle: iStock.com, Urheber: Fotomek
Roboter und Automaten erobern die Logistikhallen - langsam, aber sicher.

Quelle: iStock.com, Urheber: Fotomek

Technik erobert auch die Logistik. Zwar ist in Sachen Automatisierung noch viel Luft nach oben. Doch der Mangel an Fachkräften und der steigende Kostendruck zwingt die Logistiker dazu, in Maschinen zu investieren. Das hat Folgen für die Immobilien: Sie werden höher und kompakter. Und: Nutzer wie Entwickler könnten bald bei der Standortwahl unabhängiger von der Lage auf den regionalen Arbeitsmärkten werden.

Der Trend ist klar, sagt Oliver Blüher, kaufmännischer Leiter beim Projektentwickler Alcaro Invest. Der Grad der Automatisierung in der Logistik werde sich erhöhen. "Diese Entwicklung wird dadurch gefördert, dass die Anschaffungskosten der technischen Einrichtungen kontinuierlich sinken." Gleichzeitig sind Arbeitskräfte schwer zu akquirieren und würden immer teurer für die Unternehmen. Der Branchenverband der Express- und Kurierdienste Biek geht von einem rasant steigenden Bedarf an Personal in den kommen Jahren aus: Bei einem prognostizieren Wachstum der Sendungen auf jährlich rund 4,4 Mrd. Pakete und Päckchen bis 2023 und einem durchschnittlichen Produktivitätswachstum von knapp 2% pro Jahr ergebe sich rein rechnerisch ein zusätzlicher Arbeitskräftebedarf von bis zu 35.000 Mitarbeitern allein für die KEP-Branche (Kurier-, Express- und Paketdienste). Das Problem des Personalmangels wird sich für Logistiker also noch verschärfen. Kein Wunder also, dass Onlinehändler wie Zalando längst schon den Einsatz von autonom agierenden Robotern in den Lagerhallen testen (siehe "Kollege Toru ist des Schichtleiters Liebling"). Zwar können die Roboter derzeit nur zu bestimmte Tätigkeiten ausführen. Doch das könnte sich bald ändern.

Experten gehen davon aus, dass Roboter ihren Kollegen aus Fleisch und Blut langfristig immer mehr Aufgaben abnehmen und manchen Mitarbeiter sogar ersetzen werden. Damit würden Projektentwickler, Nutzer und Investoren flexibler bei der Standortwahl und könnten Geld beim Erwerb von Grundstücken sparen. Denn zurzeit ist die Verfügbarkeit von bezahlbaren Arbeitskräften in einer bestimmten Logistikregion noch ein wesentliches Kriterium bei der Entscheidung, ob dort eine Lagerhalle gebaut wird oder nicht. "Der Wert einer Logistikimmobilie hängt nicht immer nur von der guten Lage oder der Tatsache ab, dass viele Pakete von A nach B transportiert werden", betont Mathias Leidgeb, geschäftsführender Gesellschafter bei Palmira Capital Partners. "Gute Standorte für Logistiker und für krisensichere Outsourcingbereiche sind dort, wo Arbeitskräfte billig sind."

Doch der Arbeitskräftemangel wird sich in den alternden Gesellschaften Europas verschärfen, womit Arbeit teurer wird. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von JLL. Darin wird das Analysehaus Oxford Economics zitiert, wonach insbesondere die großen Logistikmärkte Deutschland, Polen und Spanien bis 2031 einen deutlichen Rückgang ihrer Bevölkerungen im erwerbsfähigen Alter und einen allgemeinen Schwund ihres Arbeitskräfteangebots verzeichnen werden. Damit öffnet sich die Schere zwischen Angebot und Bedarf.

Mit zunehmendem elektronischem Handel und dem damit steigenden Flächenbedarf der Logistikbranche werden immer mehr Leute gebraucht, die in den Distributionszentren die Waren annehmen, aus- und wieder einpacken, sortieren und anschließend die Pakete verteilen. Dabei müssen meist mehrere Schichten gefahren werden, da der Betrieb in den Hallen sieben Tage die Woche rund um die Uhr brummen muss. Die Experten stellen aber auch fest: Noch kommen Roboter und Automaten in Lagerhallen eher selten zum Einsatz. JLL verweist in der eigenen Studie auf eine Untersuchung von DHL. Derzufolge wurden 2016 etwa 80% der Verteilzentren noch ohne jede unterstützende Automatisierung betrieben, 15% nutzten eine automatisierte Fördertechnik und lediglich 5% setzten auf fortschrittlichere Automationssysteme und Roboter. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. "Grundsätzlich können wir aber feststellen, dass die Automatisierung im Bereich Logistik und Logistikimmobilien weiter zunimmt", betont Alexandra Tornow, Associate Director Emea Industrial & Logistics Research bei JLL. "Der Druck, Lieferungen insbesondere im E-Commerce immer schneller zu realisieren, bedeutet, die Prozesse immer weiter optimieren zu müssen." Technologie innerhalb der Lagerhalle, die einerseits zum schnelleren Versand führt und andererseits Überblick über die Warenverfügbarkeit ermöglicht, sei "eine wichtige Komponente, um Wettbewerbsvorteile erzielen zu können", sagt Tornow. In Zukunft werden Lagerhallen mit weniger Grundfläche auskommen und können höher gebaut werden als Immobilien mit manueller Bestellabwicklung, meinen die Autoren der Studie. Der Einsatz von automatisierten Lagersystemen und Robotern ermögliche eine weitaus effizientere Nutzung der Fläche. Die Automatisierung erlaube eine höhere vertikale Lagerung auch von größeren und schwereren Produkten. Diese werden heute häufig noch manuell verstaut - mit Hilfe von Gabelstaplern oder Warenaufzügen. Damit bleibe die vertikale Lagerung jedoch meist auf eine deutlich geringere Höhe begrenzt. Mit einer höheren vertikalen Lagerung könnten die Gebäude letztlich schmaler gebaut werden, womit niedrigere Grundstückskosten anfallen würden. Solche Konstruktionen müssen aber deutlich höhere Lasten aufnehmen können als herkömmliche Zwischengeschossanlagen und brauchen eine höhere Stabilität für dynamische Kraftanforderungen und auch niedrigere Durchbiegungsgrenzwerte. Werden mehr schwere Waren übereinander anstatt nebeneinander gelagert, erfordert das eine höhere Standfestigkeit der Zwischenböden. Zudem bedingt der Einsatz etwa von selbstfahrenden Bodenrobotern eine bessere Bodenbeschaffenheit. Die Flächen müssen glatter und ebener sein, um einen reibungslosen Bewegungsablauf der Roboter gewährleisten zu können.

Da Roboter nicht mit dem Auto zur Arbeit kommen, würden künftig wohl auch weniger Parkplätze für Mitarbeiter benötigt. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Grundstücksdichte von derzeit etwa 33% für einen manuellen Standort auf 40% für einen halbautomatisierten Standort und auf 50% für einen hochautomatisierten Distributionsstandort erhöhen könnte. Eine klassische Logistikimmobilie beanspruche heute etwa ein Drittel des Grundstücks. Die restliche Fläche werde für die An- und Abfahrt von Lastern und Sprintern wie auch für das Parken der Lieferfahrzeuge benötigt. Mit steigender Automatisierung verringere sich die benötigte Außenfläche, da die Anlieferung aufgrund der schnelleren automatischen Prozesse deutlich besser gesteuert werden könne. Eine ausreichende Stromkapazität und die Anbindung an das Datennetz entwickeln sich zudem für Mikrostandorte zu einem entscheidenden Faktor, da eine optimale Energie- und Datenversorgung in einer automatisierten Logistikumgebung an Bedeutung gewinnen.

Es gibt aber auch Stimmen, die die Euphorie bremsen. "Automatisierung wird ein immer stärkerer Bestandteil in der Logistik sein, jedoch ist die Logistik auf Menschen angewiesen und die Automatisierung kann auch bei weitem nicht dem aktuellen Fachkräftemangel entgegenwirken", sagt Peter Kunz, Head of Industrial & Logistics Emea beim Maklerunternehmen Colliers International. "Darüber hinaus ist der Automatisierung in einigen Bereichen Grenzen gesetzt und nicht überall ist der Einsatz von Robotern und Maschinen sinnvoll und möglich." Die Automatisierung reduziere die Zahl der Mitarbeiter, das werde den meisten Kommunen nicht gefallen, warnt Peter Bimmermann, Managing Director von AutoStore System, einem Unternehmen für Lagertechnologie und Lagerroboter. In der Folge könnte die Logistik im Wettbewerb um Flächen mit anderen Assetklassen zusätzlich geschwächt werden.

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