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Märkte | 29.08.2019

Aus IZ35/2019, S. 8

Von Robin Göckes

In diesem Artikel:

Umbau und Abriss als Rettungsanker

Quelle: pixabay, Urheber: 3D_Maennchen
Der wirtschaftliche Strukturwandel sowie der Zustand der Infrastruktur haben Dortmund einen Platz unter den 19 Problemregionen beschert.

Quelle: pixabay, Urheber: 3D_Maennchen

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat 19 Kommunen identifiziert, die im Hinblick auf ihre wirtschaftliche und demografische Entwicklung sowie hinsichtlich ihrer Infrastruktur die Sorgenkinder Deutschlands sind. Eine passgenaue Innen- und Außenentwicklung könnte helfen, meinen die Forscher. Mehr Um- und Rückbau statt Neubau wären notwendig, doch dafür fehlten die Anreize.

So richtig wollte Innenminister Horst Seehofer (CSU) Ross und Reiter nicht nennen, als er vor versammelter Journalistenrunde in Berlin die ersten Ergebnisse der Regierungskommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" vorstellte. "Die Disparitäten in Deutschland sind doch noch beachtlich", verkündete er mit Blick auf die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen in den Regionen Deutschlands. Konkrete Beispiele? Fehlanzeige. Die hat nun stattdessen das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln auf Basis der verfügbaren Daten zur wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung sowie zur Infrastruktur filtriert. Die Studie "Zukunft der Regionen in Deutschland - zwischen Vielfalt und Gleichwertigkeit" identifiziert aus den insgesamt 96 Raumordnungsregionen Deutschlands 19 Regionen, in denen die Autoren besonders große Probleme in einem oder mehreren der drei analysierten Felder ausmachen (lesen Sie dazu "19 Regionen mit Problemen").

Berücksichtigt worden sind etwa die Arbeitslosenquoten und die Überschuldung privater Haushalte, die Entwicklung der Einwohnerzahlen und des Altersdurchschnitts der Bevölkerung sowie die Zugangsmöglichkeiten zu schnellem Internet oder die Immobilienpreise, die die Attraktivität eines Standorts widerspiegeln sollen. "Bereits heute bestehen erhebliche regionale Unterschiede in zentralen ökonomischen Variablen und im realen Lebensstandard", erklärt Jens Südekum von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, einer der Autoren der Studie. Diese manifestierten sich nicht alleine entlang der ehemaligen Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Auch innerhalb Westdeutschlands sind diese regionalen Unterschiede unverkennbar", Bei den wirtschaftlichen Indikatoren schneiden Duisburg/Essen, Emscher-Lippe und Bremerhaven besonders schlecht ab, erst danach folgt auf Rang vier mit Altmark eine ostdeutsche Region. Die Betrachtung des Themenfelds Infrastruktur zeigt, dass wieder Emscher-Lippe, Trier und Westpfalz Regionen mit großen Problemen sind - besonders aufgrund hoher Verschuldungsquoten der öffentlichen Hand. Altmark, Magdeburg und Halle (Saale) fallen hingegen in Sachen Internet-Breitbandausbau negativ auf. Besonders schlecht schneiden die ostdeutschen Bundesländer hinsichtlich der demografischen Indikatoren ab. Die Regionen Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg, Lausitz-Spreewald, Oberlausitz-Niederschlesien sowie Ost- und Südthüringen sammeln Minuspunkte durch einen besonders hohen Altersdurchschnitt der Bevölkerung. Insgesamt liegen elf der 19 vom IW Köln identifizierten problematischen Regionen in den neuen Bundesländern, vier in Nordrhein-Westfalen.

Besonders die demografische Entwicklung beeinflusse die Wohnungsmärkte stark, heißt es in der Studie. Aufgrund des demografischen Wandels sei der Leerstand auf insgesamt 1,94 Mio. Wohnungen im Jahr 2016 gestiegen. Das habe einer Leerstandsquote von 4,7% entsprochen. 2011 habe der Leerstand noch 1,81 Mio. Wohnungen oder 4,5% betroffen. "Besonders groß ist das Leerstandsproblem in Ostdeutschland", analysieren die Autoren, die für zusätzliche Anreize plädieren, Eigentümern den Um- oder Rückbau des Bestands schmackhaft zu machen. "Nur wenn sich eine hinreichend große Anzahl von Anbietern gleichzeitig für den Rückbau entscheidet und damit eine Gegend insgesamt aufwertet, können die Akteure eine positive Rendite erzielen", erklären sie. Dafür müsse die Politik die passenden Rahmenbedingungen setzen.

Dazu gehöre eine nachhaltige Siedlungsentwicklung. "Umbau vor Neubau" müsse der Grundsatz lauten. "Vielerorts werden im Verhältnis zu den Bedarfen und den Leerständen zu viele Neubauten errichtet. Dies wird auch durch regulatorische Lockerungen forciert, die den Wohnungsbau beschleunigen und erleichtern."

19 Regionen mit Problemen

Insgesamt 19 von 96 Regionen in Deutschland kämpfen nach der Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) mit Problemen hinsichtlich der Infrastruktur, der demografischen und der wirtschaftlichen Entwicklung. In den Regionen Altmark, Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg, Oberlausitz-Niederschlesien, Saar, Lausitz-Spreewald, Westpfalz, Bochum/Hagen, Halle (Saale), Südsachsen sowie Schleswig-Holstein Ost kommen Schwierigkeiten aus allen drei untersuchten Feldern zusammen. In Emscher-Lippe, Duisburg/Essen und Dortmund muss man sich demnach derzeit zwar keine verstärkten Sorgen hinsichtlich der demografischen Entwicklung machen, dafür bringen Wirtschaft und Infrastruktur negative Impulse mit sich. In den Regionen Mecklenburgische Seenplatte, Nordthüringen, Südthüringen, Ostthüringen und Magdeburg bringen Demografie und Infrastruktur Negativpunkte, dafür passen die wirtschaftlichen Indikatoren. Bremerhaven ist die einzige Problemregion, in der lediglich die Wirtschaft Schwierigkeiten macht, dafür sind dort die demografische Entwicklung sowie die Infrastruktur nicht negativ aufgefallen. Ansonsten sind allen Problemregionen Schwierigkeiten bei der Infrastruktur gemein.

Die Studie "Zukunft der Regionen in Deutschland - zwischen Vielfalt und Gleichwertigkeit" des IW ist im Shop der Immobilien Zeitung unter www.iz-shop.de online abrufbar.

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