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Märkte | 29.08.2019

Aus IZ35/2019, S. 7

Von Robin Göckes

In diesem Artikel:

"Der Markt wird neu verteilt"

Quelle: Pflegen & Wohnen Hamburg GmbH
Das Pflegeheim Alsterberg im Hamburg gehört zur Gesellschaft Pflegen & Wohnen, die Teil der Oaktree-Geschäfte ist.

Quelle: Pflegen & Wohnen Hamburg GmbH

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Private-Equity-Gesellschaften in den deutschen Pflegemarkt eingestiegen, in dem sie Betreibergesellschaften übernommen haben. Nun ziehen sich einige wieder zurück und überlassen den originären Pflegeheimbetreibern das Feld.

Terranus, ein Beratungsunternehmen spezialisiert auf Pflegeheime, hat den Transaktionsmarkt in den ersten sechs Monaten dieses Jahres analysiert. Geschäftsführer Markus Bienentreu berichtet, dass immer öfter originäre Pflegeheimbetreiber zum Zuge kommen, wohingegen sich Private-Equity-Gesellschaften inzwischen eher zurückhielten. "Nachdem in den letzten Jahren die Private-Equity-Unternehmen massiv in den Betreibermarkt eingestiegen sind, bauen jetzt die Betreiber ihren Marktanteil wieder aus", erklärt er. Im ersten Halbjahr 2019 wechselten nach der Analyse von Terranus rund 10.000 Betten den Besitzer. Weniger als 20% davon seien von Betreibergesellschaften mit Private-Equity-Hintergrund erworben worden. Im vergangenen Jahr wurden Terranus zufolge rund 15.500 Betten gehandelt. Lediglich 6.900 davon oder knapp 40% wurden demnach durch Private-Equity-Gesellschaften gekauft.

Tatsächlich gibt es Beispiele sowohl aus diesem als auch aus dem vergangenen Jahr, bei denen sich Private-Equity-Gesellschaften aus dem deutschen Pflegemarkt zurückgezogen haben. So ist etwa Ende des vergangenen Jahres Quadriga Capital bei dem Pflegeheimbetreiber Dorea ausgestiegen. Neuer Mehrheitseigentümer ist seitdem die französische Betreibergesellschaft Maisons de Famille. Über den Tisch gingen dabei rund 5.500 Betten. Quadriga Capital war seit der Gründung von Dorea im Jahr 2015 an dem Unternehmen beteiligt. Im August dieses Jahres schließlich verkaufte EQT Infrastructure die bis dahin gehaltene Betreibergesellschaft Charleston. An Primonial gingen dabei die 20 Altenpflege- und Betreuungseinrichtungen, die sich im Besitz von Charleston befunden haben, der italienische Pflegeheimbetreiber KOS hat hingegen den operativen Bereich der insgesamt 47 Pflegeeinrichtungen mit 4.050 Betten in Deutschland übernommen.

Und dann wäre da schließlich noch Oaktree Capital Management. Der Finanzinvestor hat im vergangenen Jahr die Mehrheit seiner Anteile am größten Pflegeheimbetreiber Hamburgs, Pflege & Wohnen, an die Deutsche Wohnen verkauft. Bei Pflege & Wohnen sowie Vitanas eingestiegen war Oaktree erst ein Jahr zuvor.

Trotzdem steckt nach wie vor viel Private-Equity-Geld im deutschen Pflegemarkt. So hält Oaktree etwa weiterhin Vitanas. 2017 hat außerdem Nordic Capital den Betreiber Alloheim von Carlyle übernommen, dem Vernehmen nach für rund 1,3 Mrd. USD. Alloheim ist der zweitgrößte Pflegeheimbetreiber in Deutschland. Ein weiteres Beispiel für Private-Equity-Engagement im deutschen Pflegemarkt ist die Betreibergesellschaft Emvia Living mit mehr als 5.700 Betten, in der die Beteiligungsgesellschaft Chequers Capital Geld stecken hat.

Dennoch konstatiert Markus Bienentreu vor dem Hintergrund der jüngsten Ausstiege: "Man kann durchaus sagen, dass der Markt neu verteilt wird." Langfristig orientierte originäre Betreibergesellschaften versuchten ihm zufolge, sich Marktanteile in Deutschland zu sichern. Besonders ausländische Betreibergesellschaften zeigten sich aufgeschlossen für ein finanzielles Engagement in Deutschland. Das ist indes kein ganz neuer Trend. Nicht umsonst befindet sich der mit mehr als 25.000 Betten größte Pflegeheimbetreiber in Deutschland, Korian, in französischer Hand.

Und auch abseits des Betreibergeschäfts bei den Pflegeimmobilien selbst spielen ausländische Akteure eine gewichtige Rolle. NAI Apollo Healthcare hat ermittelt, dass im ersten Halbjahr 2019 49,1% des gehandelten Volumens oder 410 Mio. Euro auf ausländische Investoren entfielen. Gesellschaften aus Frankreich (16%) und Belgien (15,4%) waren dabei besonders aktiv.

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