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Unternehmen | 29.08.2019

Aus IZ35/2019, S. 3

Von Monika Leykam

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    ZDF, S&K-Gruppe
  • Organisationen:
    Bundesgerichtshof (BGH), Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main, Landgericht Frankfurt am Main
  • Personen:
    Jonas Köller, Noah Krüger

S&K: Wie ein Betrugsvorwurf versandet

Ein Fernsehteam von ZDFinfo versucht sich an einer Aufarbeitung der Geschichte des S&K-Skandals. Zutage tritt dabei vor allem eines: Wie schwierig es Gerichten in Deutschland fällt, Wirtschaftskriminalität aufzuarbeiten.

Am 4. September strahlt ZDFinfo zur 20.15-Uhr-Primetime die Doku "Abgezockt! Die Immobiliengeschäfte der S&K-Gruppe" aus. Die Gruppe hatte jahrelang über verschiedenste Beteiligungsmodelle Geld von Kleinanlegern eingesammelt, aber nur zum Teil wie in den Prospekten versprochen in Immobilien angelegt. Gleichzeitig feierten die beiden S&K-Chefs Jonas Köller und Stephan S. rauschende Partys und unterhielten einen teuren Fuhrpark. Die Geldwäscheanzeige einer Bank, kritische Medienberichte und die Aussage einer ehemaligen Mitarbeiterin brachten die Gruppe Ende 2012 in Bedrängnis. Anfang 2013 machte die Polizei in einer spektakulären bundesweiten Razzia mit 1.200 Beamten dem Treiben ein Ende.

Den Vermögensschaden bezifferte die Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn auf 240 Mio. Euro, am Ende flossen in das Urteil 94 Mio. Euro als Schadenssumme ein. Unter anderem nimmt in dem TV-Bericht Jonas Köller, einer der beiden S&K-Gründer, schriftlich Stellung zu Fragen rund um den Skandal - erstmals seit dem Prozess, wie ZDFinfo betont. Die Statements zeugen von unerschüttertem Selbstbewusstsein. Daran, dass sich zum Beispiel Objekte aus dem S&K-Immobilienkatalog seinerzeit gar nicht im Besitz der Gruppe befanden, seien andere schuld: "Rechtskräftige Kaufverträge" hätten später "aus Gründen, die wir nicht zu vertreten hatten, nicht abgewickelt" werden können, so Köller. Am Erfolg seines Geschäftsmodells hat er immer noch keinen Zweifel: "Ich bin auch heute noch der festen Überzeugung, dass wir die S&K Finance 2013 für einen dreistelligen Millionenbetrag an einen Versicherungskonzern hätten verkaufen können", schreibt er den Reportern.

Der Mammutprozess vor dem Landgericht Frankfurt verlief schwierig und wurde 2017 durch einen Deal beendet: Köller und Stephan S. wurden wegen Untreue und Anstiftung zur Untreue bzw. Beihilfe zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Der anfängliche Vorwurf des schweren und bandenmäßigen Betrugs wurde im Rahmen der Abmachung fallengelassen. Köller dazu: "Das bedeutet mir sehr viel. Dadurch steht m.E. fest, dass wir die S&K-Anleger nicht betrogen und kein Schneeballsystem betrieben haben." Laut Frankfurter Staatsanwaltschaft wurde Stephan S. nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Haftzeit bereits vergangenen Monat vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Köller befindet sich schon seit Prozessende auf freiem Fuß: Er hat gegen das Frankfurter Urteil beim Bundesgerichtshof Revision eingelegt. Der hat dazu noch keinen Beschluss gefasst. Bis dahin ist das Urteil gegen Köller nicht rechtskräftig.

Zurück bleiben zahllose geschädigte Kleinanleger, die in der Fernsehdoku ebenfalls zu Wort kommen. Sie berichten von Anlageberatern und Vermittlern der Hausbank, die ihnen die hochriskanten und mit zweistelligen Renditen werbenden Produkte aus dem S&K-Universum als solide Direktanlage und sicheres Investment aufschwatzten. Fünfstellige Beträge überwiesen die Kleinsparer in der Folge an die Gruppe. Sie stehen nun mit leeren Händen da. "Legalität war hier schlussendlich völlig gleichgültig", so das bittere Fazit des Frankfurter Oberstaatsanwalts Noah Krüger.

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