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Projekte | 22.08.2019

Aus IZ34/2019, S. 17

Von Martina Vetter

In diesem Artikel:

Supertrees für Vattenfall

Quelle: Edge, Urheber: de Winder/xoio.
Die baumartigen Gebilde im Atrium des Edge Südkreuz sollen der Treffpunkt in der Vattenfall-Zentrale sein.

Quelle: Edge, Urheber: de Winder/xoio.

Berlin. Die künftige Deutschlandzentrale von Vattenfall im Edge Südkreuz wird ein spektakuläres Atrium bekommen, das als begehbare Skulptur gebaut werden soll. Unter baumartigen Gebilden und auf Plattformen entstehen Begegnungszonen für die 2.000 Mitarbeiter des Konzerns, der innerhalb einer Generation ohne fossile Quellen Energie erzeugen will. Der Umzug in ein Gebäude, das weitgehend aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz gebaut wird, unterstreicht das Bestreben. Vergangene Woche wurde der Grundstein für das Bauwerk gelegt.

Die Visualisierungen sind beeindruckend und erinnern an die futuristischen Supertrees in den Gardens by the Bay in Singapur. Dort ragen bis zu 50 m hohe Bäume aus Stahl und Beton in den Himmel, an denen Pflanzen wachsen und die nachts in bunten Farben leuchten. Die Supertrees in der Berliner Vattenfall-Zentrale werden etwas weniger schrill daher kommen und erhalten dezente Holzlamellen als Verkleidung. Statt einer Baumkrone wachsen Plateaus aus den vier an Bäume erinnernden Säulen, die im Atrium gebaut werden sollen. Freitragende Treppen und Stege verbinden die Säulen miteinander und erschließen zugleich die verschiedenen Etagen. "Landscaping Stairways" nennt Anja Borchard, verantwortliche Projektmanagerin des Entwicklers Edge Technologies, die skulpturale Konstruktion. Ausgedacht haben sich die Planer von Tchoban Voss Architekten das raumprägende Gebilde. "Die Menschen sollen durch die besondere Gestaltung dazu ermutigt werden, die Treppe statt den Aufzug zu nehmen, sich durch den Raum bewegen, einander begegnen und sich austauschen", erklärt Borchard die Idee der Raumskulptur.

Das 25 m hohe Atrium mit einem Dach aus einer lichtdurchlässigen Membran wird das 1.600 m² große Herzstück und zugleich das zentrale Entree der künftigen Vattenfall-Zentrale sein. Neben einem Karree-Gebäude mit dem Atrium soll ein Solitär das Ensemble am Hildegard-Knef-Platz 2 und 3 komplettieren. Noch ist davon nichts zu sehen, denn die Gebäude müssen erst mal aus der Grube wachsen. Und die sieht aus wie andere Baugruben auch, weil Bodenplatte, Wände und Erschließungskerne ganz konventionell aus Beton gegossen sind. Ansonsten wird auf Beton beim Bau weitgehend verzichtet. Ab dem Erdgeschoss kommen vorgefertigte Holzmodule zum Einsatz, was im Vergleich zu konventionell mit Stahlbeton errichteten Gebäuden die CO2-Emissionen um bis zu 80% reduziert. Zudem sind die Holzmodule bei einem späteren Rückbau vollständig recycelbar und das Bauen mit den Fertigteilen verursacht weniger Schmutz und Lärm auf der Baustelle und geht schneller. Insgesamt betrachtet verkürze sich der Zeitraum für die Realisierung des Vorhabens durch die Holzhybridbauweise indes nicht, erklärt Borchard, denn die Vorplanung habe mehr Zeit erfordert.

Edge Südkreuz ist nach Angaben der Entwickler die bislang größte Holzhybridkonstruktion, die in Deutschland zurzeit realisiert wird. Um die 100 Mio. Euro investiert Edge Technologies dem Vernehmen nach in das Projekt mit 32.000 m² BGF, das auf einem 10.000 m² großen Grundstück auf der Westseite vom Bahnhof Südkreuz gebaut wird. Von dem Bahnhof aus gelangt man nach wenigen Minuten Fahrt zum Potsdamer Platz oder zur Friedrichstraße und profitiert von der direkten ICE-Verbindung nach Hamburg, Leipzig, Erfurt oder München. Die Anreise mit Bahn oder S-Bahn wird den Vattenfall-Mitarbeitern am Standort der künftigen Zentrale damit schmackhaft gemacht. Das war einer der Pluspunkte, die aus Sicht von Vattenfall für den Standort sprachen. Weitere Pluspunkte sind das Energiekonzept und die nachhaltige Bauweise, für die Edge das Platinsiegel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen erhalten soll.

Aber auch mit Blick auf die Entwicklung des gesamten Gebiets der sogenannten Schöneberger Linse kommt dem Projekt eine wichtige Bedeutung zu. Lange Zeit herrschte in dem Stadtentwicklungsgebiet, das sich westlich vom Südkreuz, zwischen der Ost-West-Trasse der S-Bahn und der Stadtautobahn erstreckt, eine ähnliche Ödnis wie rund um den Berliner Hauptbahnhof. Als die vom S- zum Fernbahnhof umgebaute Station Südkreuz 2006 eröffnete, "war das große Highlight auf dem Bahnhofsvorplatz der Weihnachtsbaumverkauf", erinnert sich Jörn Oltmann, der Baustadtrat vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg (Bündnis 90/Die Grünen).

Inzwischen drehen sich in dem Gebiet vielerorts die Kräne und es entstehen weitere Büroflächen und etwa 1.500 Wohnungen. Mit Projekten wie Edge Südkreuz oder dem Stadtquartier Südkreuz von Hines mit 665 Wohnungen wird in den nächsten zwei Jahren ein pulsierendes Stadtviertel auf der Schöneberger Linse wachsen, das in puncto Nachhaltigkeit zum Vorzeigequartier avancieren könnte.

Legende:

  • Haus
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