Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Unternehmen | 22.08.2019

Aus IZ34/2019, S. 7

Von Robin Göckes

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    JLL, WeWork
  • Personen:
    Stephan Leimbach, Adam Neumann

Börsengang mit Pathos, aber miesen Zahlen

Quelle: pixabay, Urheber: SnoockyCookie
WeWork will die Anleger von sich überzeugen.

Quelle: pixabay, Urheber: SnoockyCookie

WeWork plant den Gang an die New Yorker Börse und hat deshalb erstmals detailliert Einblick in seine Geschäftszahlen gewährt. Die zeigen hohe Umsätze und steigende Verluste. Vom Verlauf des Börsengangs könnte viel für die Coworkingbranche auch in Deutschland abhängen

Wer glaubt, dass ein bevorstehender Börsengang ausschließlich etwas mit nackten, unromantischen Zahlen zu tun hat, der kennt die Papiere nicht, die Coworking-Branchenprimus WeWork jetzt bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. "Wir widmen dies der Energie von We, die größer ist als jeder Einzelne von uns, aber in allen von uns steckt", steht dort geschrieben, ehe das Unternehmen auf den Folgeseiten erstmals ausführlich Einblick in seine Geschäftszahlen gewährt. Die wirken weniger romantisch: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat WeWork bei einem Umsatz von rund 1,5 Mrd. USD einen Verlust in Höhe von etwa 690 Mio. USD eingefahren hat. Damit wurde der Umsatz im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2018 zwar mehr als verdoppelt, allerdings erhöhte sich auch der Verlust um etwa 10%.

Ein Blick in die Bilanzen der Vorjahre zeigt, dass das Geschäft von WeWork vor allem seit 2016 Fahrt aufgenommen hat - obwohl es das Unternehmen bereits seit 2010 gibt. 2016 lag der Umsatz noch bei knapp 440 Mio. USD. Ein Jahr später waren es bereits 886 Mio. USD und 2018 schließlich 1,8 Mrd. USD. Im gleichen Zeitraum haben sich jedoch auch die Ausgaben und Verluste drastisch erhöht. Stand 2016 noch ein Minus von knapp 430 Mio. USD zu Buche, waren es 2017 dann 933 Mio. USD. Im vergangenen Jahr erfolgte ein weiter sprunghafter Anstieg auf 1,9 Mrd. USD.

Getrieben wird die Entwicklung der Zahlen durch die rasante Expansionsstrategie des Unternehmens. Zum zweiten Quartal dieses Jahres zählte WeWork 528 Standorte (2016: 111) und 527.000 Mitglieder (2016: 87.000). Wie der weitere Weg der nächsten Monate aussehen soll, verdeutlicht die geplante Entwicklung der Zahl der Arbeitsplätze, die das Unternehmen für seine Mitglieder bereitstellt. Aktuell sind es etwa 605.000. In der Pipeline für die nächsten neun bis 19 Monate befinden sich allerdings weitere knapp 1,3 Mio. Arbeitsplätze.

Wann WeWork plant, Profite abzuwerfen, verrät das Unternehmen seinen potenziellen Anlegern dagegen nicht. Stattdessen verweist es auf "die zunehmende Kosteneffizienz bei der Eröffnung neuer Standorte", die als Argument dafür ins Feld geführt wird, "weiterhin in die Suche, den Bau und die Besetzung von Standorten zu investieren, um die langfristige Wertschöpfung voranzutreiben".

Nicht alleine für WeWork, sondern für die gesamte Coworkingbranche auch in Deutschland könnte viel davon abhängen, wie der Börsengang des Branchenprimus und die anschließende Kursentwicklung verläuft. Schließlich werden Coworkinganbieter trotz des Booms und großer Flächenzuwächse von manchem Projektentwickler oder Investor kritisch beäugt. Die Risiken des vergleichsweise jungen Geschäftsmodells mag derzeit kaum jemand seriös bewerten, weshalb der Börsengang als ein Indikator für die Zukunftsfähigkeit dienen könnte. "Mit klassischen Erfahrungswerten lässt sich im Vorfeld des Börsengangs kaum abschätzen, wie dieser verlaufen wird", meint Stephan Leimbach, Leiter Bürovermietung bei JLL, und vergleicht WeWork mit dem Fahrdienstleister Uber. Der ging Anfang Mai an die Börse. Der Start verlief weit unterhalb der Erwartungen, seitdem gleicht der Kurs einer Berg- und Talbahn, aber mit Tendenz nach unten. "Wie sich die Aktie dann mittel- bis langfristig entwickelt, lässt sich daraus aber überhaupt nicht ableiten", sagt Leimbach.

Der Jll-Experte will sich hinsichtlich der Auswirkungen des Börsengangs für die Wahrnehmung des Geschäftsmodells Coworking nicht festlegen. "Der Börsengang wird sicherlich einen Effekt für die gesamte Branche haben, allein schon wegen des Namens, der eine gewisse Sogwirkung hat", sagt er. Positiv könne wirken, dass WeWork nun dazu verpflichtet sei, transparenter als bislang mit seinen Geschäftszahlen umzugehen. "Das wird dabei helfen, den Unternehmenserfolg mit mehr Objektivität zu beurteilen."

Wie schnell Nachrichten des Unternehmens jedoch auch einen negativen Effekt nach sich ziehen können, sei vor nicht allzu langer Zeit zu beobachten gewesen. Mitte Juli dieses Jahres war bekannt geworden, dass WeWork-Gründer und CEO Adam Neumann Anteile an seiner Firma im Wert von 700 Mio. USD verkauft hat. "Das hat auch in Deutschland bei potenziellen Vermietern zu einer spürbaren Verunsicherung geführt ", erinnert sich Leimbach.

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!