Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Märkte | 22.08.2019

Aus IZ34/2019, S. 5

Von Daniel Rohrig

In diesem Artikel:

Fonds und Banken sehen nur wenig Blasengefahr

Trotz Warnungen von EZB-Chef Mario Draghi, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und dem Berliner Forschungsinstitut empirica bleiben Fondsanbieter und Banken überwiegend gelassen und fürchten keine Überhitzung.

Die Preise vor allem für Wohnungen in Toplagen klettern immer weiter und die Renditen sinken. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Forschungsinstitut empirica haben nicht zuletzt deshalb ein zunehmendes Immobilienblasenrisiko in Deutschland ausgemacht. Auch Mario Draghi hat sich überraschend in den Reigen der Mahner eingereiht, wenn auch nicht als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), sondern als Vorsitzender des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken. In dieser Funktion warnte auch er vor einer Überhitzung des Immobilienmarkts in Europa. Und das, obwohl seine Politik diese Entwicklung deutlich gepusht hat. Neben der hohen Verschuldungsgefahr von Haushalten und der Bilanzschwäche der Banken warnte der Italiener vor alternativen Finanzierern auf dem Immobilienmarkt. Diese seien im Vergleich zu Banken nur wenig reguliert. Sollte ein Abschwung kommen, würde dies das Blasenrisiko deutlich verstärken - in erster Linie auf dem Wohnungsmarkt, aber auch auf dem Gewerbeimmobilienmarkt.

Die Marktakteure selbst schätzen die Lage anders ein: Lahcen Knapp, Chef des Investmentunternehmens Empira, sieht weder eine Immobilienblase im Wohn- noch im Gewerbesegment, obgleich die EZB-Zinspolitik als "Kostentreiber gerade in den Großstädten bestehen" bleibe. "Es wirkt schlicht das Gesetz von Angebot und Nachfrage." Der strukturelle Nachfrageüberhang treibe die Preise, es gebe "keine unseriöse Kreditvergabe wie vor der letzten Krise". Ohnehin mache er sich nicht allzu viele Gedanken über die Zinspolitik. "Unser Geschäftsmodell im Mezzanine-Bereich funktioniert trotz des deutlichen Zinsunterschieds gegenüber Bankfinanzierungen gut - nicht zuletzt aufgrund regulatorischer Gründe."

Etwas vorsichtiger formuliert das Gabriele Volz, Geschäftsführerin des Münchner Fondsanbieters Wealthcap: "Es mag einzelne Lagen geben, in denen bereits hohe oder zu hohe Preise bezahlt werden." Grundsätzlich seien die hohen Preise dadurch begründet, dass das Angebot die Nachfrage nicht mehr bedienen kann. "Die Fremdkapitalquoten bei der Immobilienfinanzierung sind immer noch vertretbar", findet Nicholas Brinckmann, Geschäftsführer Portfolio Management bei Hansainvest Real Assets. "Vereinzelt sind aber durchaus Preisübertreibungen zu sehen." Von einer flächendeckenden Blase will er wie die anderen aber nicht sprechen.

Neben den Wachstumserwartungen und den Mietpreisentwicklungen benennt der Research-Chef von Real I.S., Marco Kramer, die Zinsentscheidungen der EZB als großen Einflussfaktor. "Unsere Muttergesellschaft, die BayernLB, erwartet sogar noch in diesem Jahr weitere Lockerungen der Geldpolitik. Der Preisanstieg schwächt sich aber stetig ab und weist nicht mehr die Wachstumsraten der vergangenen Jahre auf." Auch deshalb registriert der Münchner Investmentanbieter bei Gewerbeimmobilien keine Blasenbildung. Keine der Fundamentaldaten wiesen auf eine solche Entwicklung hin. "Nur eine Rezession oder ein deutlicher Zinsanstieg würden dieses Szenario ändern." Beides erwartet Kramer nicht.

"Die Gefahr von Preisübertreibungen besteht", sagt dagegen Marcus Buder, Leiter Geschäftsbereich Gewerbliche Immobilienfinanzierung bei der Berliner Sparkasse - um seine Aussage aber gleich wieder zu relativieren: Man müsse das differenziert nach Standorten, Preissegmenten und Kreditvergabestandards sehen. "Die Nachfrage in Berlin ist real, die Stadt ist weit von einem Überangebot an Wohnraum entfernt und an vielen Stellen im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen nicht überteuert." Dabei müsse natürlich das "eher niedrige Einkommensniveau" in Berlin im Hinterkopf behalten werden. Hier sei laut Buder aber Entspannung in Sicht. "Seit 2017 holen die Arbeitnehmer in der Hauptstadt im Vergleich zum Bundesdurchschnitt um etwa 1% jährlich auf."

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!