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Politik | 22.08.2019

Aus IZ34/2019, S. 2

Von Reinhold Knodel

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Pandion
  • Personen:
    Reinhold Knodel
  • Immobilienart:
    Wohnen, Gewerbe allgemein

Eine Baupflicht würde helfen

Pandion-Vorstand Reinhold Knodel ärgert sich über das Grundstückshorten als Geschäftsmodell. Die Preistreiberei erhöht die Risiken und ist unsozial, sagt er.

Quelle: Pandion, Urheber: Simon Büttner
Reinhold Knodel.

Quelle: Pandion, Urheber: Simon Büttner

Die hohe Nachfrage nach Bauland motiviert Eigentümer zu den seltsamsten Argumenten, warum sie zügig und mit Preisaufschlag weiterverkaufen oder ihre Flächen nun doch noch nicht bebauen. Größere Unternehmen haben plötzlich keine Kapazitäten mehr, kleinere Eigentümer von Grundstücken denken an ihre gerade erst geborenen Enkelkinder - denn wer weiß, vielleicht wollen die ja in ferner Zukunft einmal selbst bauen. Die Folge des Baulandhortens bekommen die Stadtbewohner von heute mit. Es hat sich ein heißgelaufener Zweitmarkt entwickelt, auf dem baureife Grundstücke immer wieder weiterverkauft - umgangssprachlich "gedreht" - werden, und mit jeder neuen Transaktion steigt auf der einen Seite der veranschlagte Preis, frei nach dem Zitat von Mark Twain: "Kauft Land, Gott erschafft keines mehr." Und auf der anderen Seite steigt das Investitionsrisiko, denn wer sich auf einem überteuerten Grundstück tatsächlich ans Bauen wagt, muss seinerseits teurer kalkulieren und darf sich erst recht keine Fehler leisten. Angesichts der weiter steigenden Baukosten und strengerer Sozialauflagen ist das kein leichtes Unterfangen.

Bauen ist kompliziert, keine Frage. Aber es ist angesichts des allseits bekannten Mangels an Wohn- und Gewerberaum in den Ballungszentren verantwortungslos, wenn sich ein ganzer Wirtschaftszweig innerhalb der Immobilienbranche entwickelt hat, dessen Geschäftsmodell allein das Ziel hat, mit Grundstücken zu spekulieren und sich ums Bauen zu drücken. Derzeit gibt es einen Überhang von rund 700.000 Baugenehmigungen in Deutschland, und ich will nicht wissen, wie viele davon nur deswegen beantragt wurden, um ein Grundstück mit Baureife verkaufen zu können. Dass diese Baugenehmigungen nicht in Gebäuden münden werden, ist für mich klar: Viele Kalkulationen, auf deren Basis der Bauantrag gestellt wurde, sind miserabel und werden so nicht umsetzbar sein. Wenn man für zwei Drittel der bebaubaren Fläche gemeinnützige Vereine vorsieht, mag man zwar eine Baugenehmigung erhalten, ein solcher Neubau wird sich aber kaum ohne Zuschüsse bewirtschaften lassen.

Die aktuelle Diskussion um die Einführung eines Baugebots nach dem Tübinger Modell ist da die zu erwartende Reaktion der Politik, das hat auch die Baulandkommission des Bundes mit Recht erkannt. Man muss kein Anhänger einer bestimmten Partei sein, um die Beidseitigkeit des Artikels 14 des Grundgesetzes zu verstehen. Ja, Eigentum wird in Deutschland gewährleistet, aber es verpflichtet eben auch - und der individuelle Wert des Eigentums an einem unbebauten Stück Bauland wiegt für mich deutlich weniger als unser aller Verpflichtung, mehr Wohnungen und Büros zu schaffen.

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