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Digitales | 15.08.2019

Aus IZ33/2019, S. 14

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    WeWash
  • Personen:
    Philip Laukart, Rafael Kirschner
  • Immobilienart:
    Gewerbe allgemein

Das Internet der Dinge erreicht die Waschküche

Quelle: WeWash GmbH, Urheberin: Gina Gorny
Moderne Waschräume verstecken sich nicht mehr im Keller, sondern werden als zusätzliches Serviceangebot in Szene gesetzt.

Quelle: WeWash GmbH, Urheberin: Gina Gorny

Gemeinschaftswaschräume erleben im Rahmen von modernen Formen des Kurzzeitwohnens ein Comeback. Doch mit den Waschküchen der Vergangenheit haben diese Konzepte wenig gemein. Statt Waschmünzen gibt es heute Apps, mit denen die Maschine gebucht, bezahlt und bewertet wird.

Waschküche - allein das Wort verströmt einen Hauch von ferner Vergangenheit, als die wöchentliche Wäschepflege für eine vierköpfige Familie noch einen ganzen Tag Schwerstarbeit in Anspruch nahm. Doch selbst als der Waschkessel der Maschine wich, blieben Gemeinschaftswaschräume, wie sie in vielen Hochhaussiedlungen aus den 70er Jahren anzutreffen sind, eher ein notwendiges Übel. In alten Mietverträgen ist die Waschküchennutzung oft vertraglich zugesichert, sodass der Vermieter sie anbieten muss.

Mittlerweile erlebt die Waschküche jedoch ein Comeback: Junge Menschen, die häufig umziehen, haben oft gar keine eigene Waschmaschine mehr. "Das Modell der Gemeinschaftswaschküche wird durch die Sharing-Economy wieder modern. Gerade jüngere Menschen empfinden Besitz eher als Belastung", erklärt Philip Laukart. Er ist CEO von WeWash, einer 100%igen Tochter des Waschmaschinenherstellers BSH Hausgeräte. Das Unternehmen hat ein digitales System entwickelt, um dem Vermieter die Arbeit mit der Waschküche zu erleichtern und deren Nutzung für den Mieter attraktiver zu machen. "Einerseits haben Vermieter mit der Abrechnung von Gemeinschaftswaschräumen viel Arbeit", erläutert Laukart das Ausgangsproblem, "andererseits meiden viele Mieter sie, weil die Maschinen schlecht gewartet sind, die Abrechnung über Waschmünzen erfolgt, die zuvor umständlich erworben werden müssen, oder sie nicht wissen, ob eine Maschine frei ist, bevor sie sich auf den Weg in den Waschraum machen."

Das WeWash-System besteht aus einem Nachrüstset (Retrofit-Kit) für Bestandsmaschinen sowie einer App, über die der Nutzer die Maschine buchen und bezahlen kann. "Das Thema Waschküche in Mietshäusern ist an sich nicht neu", fügt der WeWash-Chef hinzu, "aber wir wollen über unsere IoT-Lösung das gemeinschaftliche Waschen vor dem Hintergrund von Urbanisierung und Nachhaltigkeit wieder attraktiv machen - für alle involvierten Parteien."

Die Idee zu dem Innovations-Spin-off kam Laukart und seinem Geschäftsführerkollegen Rafael Kirschner während ihrer Tätigkeit in der Strategieabteilung der BSH. Gegründet wurde WeWash 2016, im Jahr darauf ist das Unternehmen mit seinen Produkten an den Start gegangen. Das Retrofit-Kit ersetzt den Münzzähler und wird auch so angeschlossen, den Vermieter kostet das einmalig netto 249 Euro und eine Servicepauschale pro Wasch- bzw. Trocknungsgang. Die Abrechnung erfolgt rein elektronisch, der Nutzer zahlt per Lastschrift oder Kreditkarte über einen akkreditierten Zahlungsabwickler. Der Vermieter erhält sein Geld ebenso bargeldlos per monatlicher Gutschrift.

Über die WeWash-App sieht der Nutzer, ob eine Maschine frei ist, und kann diese direkt buchen. Sobald die Maschine oder der Trockner fertig ist, erhält der Anwender eine Nachricht auf sein Smartphone. "Heutiges Haupthindernis für eine Akzeptanz von Gemeinschaftswaschräumen durch die Nutzer ist die mangelnde Maschinenhygiene", erklärt Laukart, "deswegen fragen wir unsere Nutzer regelmäßig nach der Sauberkeit." So lassen sich die Wartungszyklen der Maschinen an deren tatsächlichen Zustand anpassen. Die Plattform überprüft zudem anhand der Laufleistung den Zustand jeder Maschine und erkennt Unregelmäßigkeiten, sodass sich Ausfallzeiten verringern lassen.

Für Vermieter, die mit dem Betrieb der Waschküche gar nichts mehr am Hut haben wollen, bietet WeWash ein Betreibermodell. Die Waschküche wird dann mit Waschmaschinen und Trocknern der Konzernmutter ausgestattet, WeWash stellt im täglichen Betrieb deren Verfügbarkeit und Sauberkeit als externer Dienstleister sicher. "Für den Mieter ändert sich dadurch nichts", betont Laukart. Für den Vermieter hängt die genaue Ausgestaltung des Servicevertrags hingegen von mehreren Faktoren ab. "Bei Betreibermodellen muss natürlich die Wirtschaftlichkeit vorab geprüft werden", gibt Laukart zu bedenken. Zur Bewertung zieht WeWash verschiedene Faktoren heran. "Dabei profitieren wir von unserer operativen Erfahrung, statistischen Daten, aber auch standortspezifischen Informationen", führt der Manager aus. Ein Faktor ist beispielsweise, ob es Waschsalons in der Nähe gibt und welche Preise diese aufrufen.

Dennoch gibt es fast immer eine Lösung, die den Bedingungen vor Ort Rechnung trägt. "Wir bekommen Anfragen von Vermietern, bei denen wir das betriebswirtschaftliche Risiko eines Betreibermodells nicht allein eingehen können. Dann hat der Vermieter die Möglichkeit, sich finanziell zu beteiligen und die Dienstleistung dennoch komplett an uns auszulagern", erläutert der WeWash-Chef. "Umgekehrt bieten wir an hochprofitablen Standorten auch an, den Vermieter an den Umsätzen zu beteiligen. Es gibt allerdings Kunden die explizit keine Umsatzbeteiligung wollen, da das je nach Betreiberform mit steuerlichen Nachteilen verbunden sein kann." Derzeit hat WeWash rund 250 B2B-Kunden aus den Bereichen Real Estate und Hospitality, über die etwa 15.000 Nutzer die Services des Unternehmens verwenden. "Die meisten unserer Kunden sind große Unternehmen mit entsprechendem Bestand", erklärt Laukart den Unterschied zwischen der Zahl der Geschäftskunden und der Endnutzer. Für Anbieter aus dem Bereich Serviced Apartments sieht der WeWash-CEO eine moderne Waschküche als Differenzierungsmerkmal: "Die wird dann als sozialer Treffpunkt nicht mehr im Keller versteckt, sondern befindet sich offen einsehbar neben oder sogar in der Lobby."

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