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Unternehmen | 08.08.2019

Aus IZ32/2019, S. 4

Von Monika Leykam

In diesem Artikel:

"Ich suche nicht die harte Konfrontation"

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Volker Thies
Er weiß, wie man den Hammer schwingt: Christoph Gröner (2.v.r.) auf der Grundsteinlegung am Kaiserlei.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Volker Thies

Die deutsche Immobilienbranche werde akzeptieren müssen, dass seine CG Gruppe nun mal ein Teil von ihr sei - auch wenn das nicht jedem passe, sagt Unternehmensgründer Christoph Gröner. Auch in seinen sonstigen Statements mag er es lieber deutlich als diplomatisch. Einen ruppigen Umgangsstil möchte sich Gröner trotzdem nicht vorwerfen lassen.

Immobilien Zeitung: Herr Gröner, Sie treten im Fernsehen und der Öffentlichkeit recht offensiv auf, was Ihnen innerhalb der Branche nicht nur Bewunderer einbrachte. Wie erklären Sie sich die kritische Sicht dieser Außendarstellung und was treibt Sie dazu?

Christoph Gröner: In unserem Land haben verschiedene Interessen ihre Vertreter - die Umweltbewegten haben die Grünen, um die Sozialpolitik kümmert sich die SPD und so weiter. Aber Menschen, die für große Unternehmen die Verantwortung tragen, vertreten ihre Anliegen persönlich nur selten in der Öffentlichkeit. Diese Zurückhaltung kann ich nachvollziehen, schließlich setzt man sich damit immer auch z.B. der Gefahr von Drohungen gegen die Familie aus. Trotzdem habe ich mich für den gegenteiligen Weg entschieden und möchte Haltung zeigen. Es gibt hierzulande eine Vertrauenskrise gegenüber großen Entscheidern in der Wirtschaft und der Politik. Die Medien berichten fast nur über Unternehmen, denen es an Haltung mangelt. Ich möchte einstehen für den Mittelstand, der für 80% der Jobs hierzulande sorgt und seine Angestellten ordentlich behandelt. Ich bin Immobilienunternehmer, aber ich spekuliere nicht auf Kosten von alten Menschen und Familien oder gegen die Schwachen der Gesellschaft. Ich trete gegen Spekulation ein. Ich bin für einen fairen Mindestlohn und engagiere mich sozial auf vielfältigen Ebenen. Sie werden mich also auch weiterhin in der Öffentlichkeit finden.

IZ: Sie sollen aber auch den einen oder anderen Verhandlungspartner durch einen recht ruppigen Umgangston vor den Kopf gestoßen haben. Das passt nicht so recht zusammen mit diesen hohen Ansprüchen ans eigene Verhalten.

Gröner: Ich weiß, dass meine Person polarisiert, aber ich wüsste nicht, wo ich jemals wirklich die harte Konfrontation gesucht hätte. Solche Aussagen werden Sie nur von Leuten hören, die nicht direkt mit mir zusammenarbeiten. Sie werden niemanden finden, der mit mir persönlich verhandelt hat und so etwas über mich behaupten würde. Abgesehen davon wäre ich wohl kaum am Markt so erfolgreich, wenn ich hauptsächlich "ruppig" auftreten würde. Für Dinge, die mir am Herzen liegen, setze ich mich mit vollem Schwung ein, das ist wahr, aber eine gut geführte Partnerschaft ist das Wichtigste.

IZ: Und was ist mit den Geschichten über die vielen wechselnden Mitarbeiter, die sich bei der CG Gruppe die Klinke in die Hand geben?

Gröner: Unsere Fluktuationsquote ist nur hoch bei neuen Mitarbeitern in ihren ersten vier Monaten. Bei uns ist man kein Beamter, sondern arbeitet in einem anspruchsvollen Job mit hoher Eigenverantwortung und guter Bezahlung. Das passt nicht zu jedem. 590 von unseren 780 Mitarbeitern sind seit sehr langer Zeit dabei. Wer bei uns länger als vier Monate bleibt, wird regelmäßig Teil der Familie. Wir haben im Durchschnitt die niedrigste Fluktuationsquote unter allen deutschen Immobilienfirmen.

IZ: Es heißt, die Verhandlungen über das Hamburger Holsten-Areal zwischen Ihnen und der Politik seien nicht immer harmonisch verlaufen. Das Großprojekt hatte Ihre Schwestergesellschaft SSN akquiriert. Sind Sie an den Gesprächen noch beteiligt?

Gröner: Natürlich. Ich verantworte innerhalb von Consus Real Estate, unserer Muttergesellschaft, die Verhandlungen aller Quartiersentwicklungen. Die Punkte, die ich mit dem Senat ausgehandelt habe, wurden umgesetzt. Wenn die Gespräche weitergehen, bin auch ich wieder vorne mit dabei.

IZ: Und Leipzig? Dort haben Sie mit dem Verkauf der Quartiersentwicklung Freiladebahnhof seitens der Stadt nicht gerade begeistertes Feedback bekommen. Es gab Beschwerden, dass vorab nicht darüber informiert wurde.

Gröner: Ja, das war die erste Reaktion seitens der Politik. Aber Imfarr, der Investor, ist begeistert von dem Projekt und übernimmt alle Verpflichtungen, die wir gegenüber der Stadt eingegangen sind. Er arbeitet mit unseren Ingenieuren und Konzepten. Wir hätten das Grundstück auch filetieren und einzeln an die Meistbietenden verkaufen können, das hätte viel mehr Geld eingebracht. Aber das wäre für das Projekt nicht das Beste gewesen. Die CG Gruppe ist in Leipzig seit 24 Jahren aktiv, wir haben hier mehr als 10.000 Wohnungen und mehrere 100.000 m² Gewerbefläche gebaut. Unser momentanes Projektvolumen liegt bei rund 1 Mrd. Euro - ohne das Projekt Freiladebahnhof. Da wir hier so stark vertreten sind, haben wir entschieden, dieses Projekt zu verkaufen. Unterm Strich bin ich überzeugt, dass das, was wir über die Jahre in Leipzig erreicht haben, sich mehr als sehen lassen kann.

IZ: Die Reihe der Projekte, die die CG Gruppe aktuell in Arbeit hat, ist lang. Allein die VauVau-Apartmenthochhäuser, die 2017 via Vorverkauf an die BVK gingen, umfassen über 1.870 Wohnungen. Haben Sie die Kapazitäten, um alles rechtzeitig fertigzustellen?

Gröner: Wir haben in der Gruppe mittlerweile rund 780 Fachkräfte für Planung, Bau und davon mehr als 200 im Handwerk. Bis Jahresende werden es über 1.000 Mitarbeiter sein. Die CG Gruppe besitzt zudem eigene Handwerksbetriebe. Durch die Übernahme ausgewählter Handwerksbetriebe haben wir diesen Bereich weiter ergänzt, um uns eigene Ressourcen zu sichern. Bei dem erwähnten BVK-Auftrag geht es um unheimlich viel. Die Projekte stellen uns enorme Aufgaben, die wir nur selber lösen können. Die CG Gruppe kann bauen, das ist unsere große Kraft. Wir haben die Baukosten unter Kontrolle und halten jeden kalkulierten Preis.

IZ: Wie weit in die Zukunft haben Sie die Baukosten für Ihre Vorhaben gesichert?

Gröner: Bis 2022, sowohl die Kosten als auch die Kapazitäten.

IZ: Die Wurzeln der CG Gruppe liegen in Leipzig, doch heute verfolgt Ihre Gruppe Großprojekte in Frankfurt, Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf und Stuttgart, viele davon technisch komplex, einige als Quartiersentwicklungen in hohen dreistelligen Millionenvolumina. Wie behalten Sie da den Überblick?

Gröner: Die CG Gruppe arbeitet dezentral, das ist der Grund unseres Erfolgs. Jede unserer Niederlassungen betreut zwei, drei Projekte, das ist überschaubar. Die Gruppe ist es gewohnt, an zehn bis zwölf Standorten gleichzeitig aktiv zu sein. Übrigens hat sich die Stückzahl unserer Vorhaben gegenüber früher gar nicht verändert, die Projekte sind nur größer geworden.

IZ: Man hat aber den Eindruck, als würde sich auf einigen CG-Baustellen eher wenig tun - z.B. Am Kaiserlei Offenbach, wo die VauVau New Frankfurt Towers entstehen, scheint schon seit Längerem kaum Betrieb zu sein.

Gröner: Das werde ich bei vielen Baustellen immer wieder gefragt - wo sind die ganzen Leute, warum geht es nicht voran? In Offenbach sind 186 Mitarbeiter mit den Türmen beschäftigt, aber sehen tut man nur 30 davon, weil die meisten im Inneren des Gebäudes arbeiten. Die Fassadenelemente sind bereits im Fertigungsprozess in der Fabrik. Die Übergabe aller VauVau-Projekte an den Investor BVK ist für Ende 2021 bis Ende 2022 terminiert. Und wir liegen voll im Zeitplan. Es ist aber auch eine Tatsache: Viele Mitbewerber warten darauf, dass uns mal ein Missgeschick passiert. Es passt nicht allen, dass die CG Gruppe inzwischen ein fester Bestandteil der Branche geworden ist. Aber das werden sie akzeptieren müssen. Kein Unternehmen hat mehr alte Bürogebäude und Altbauten wieder zum Glänzen gebracht bzw. zu Wohnraum umgebaut als die CG Gruppe. Kein Projektentwickler hat einen besseren Namen bei den institutionellen Investoren, denen wir die Produkte in Form von Mietwohnungsbau liefern.

Gröner: Aus unserer Sicht läuft hier alles rund bis auf die geringfügige Verzögerung. Es gab da plötzlich einen Streit um Formalien bei einer Mischanlage und der Dezibelzahl der Fabrik. Aber 2021 werden wir dort komplett produzieren können. Im seriellen Bauen liegt die Zukunft, da gibt es keine Alternative. Das Bausoll muss steigen, um den Bedarf zu decken, aber es wäre eine Illusion zu glauben, dass man in gleichem Maße mehr Bauarbeiter bekommt. In fünf bis zehn Jahren wird auf unseren Baustellen kein Betonmixer mehr stehen, sondern es werden nur noch Fertigteile montiert. Mit unserer Fabrik werden wir dadurch Rohbaupreise von 380 bis 400 Euro/m² BGF schaffen. Einen ersten Testlauf wird es auf unserem eigenen Grundstück in Leipzig-Plagwitz geben.

IZ: Sie haben für Ihre Gruppe auch in Sachen BIM ambitionierte Ziele gesetzt. Bis heute wurden Projekte zwar digital geplant, aber auf der Baustelle läuft nach wie vor alles recht traditionell ab. Das passt doch nicht zu Ihren Vorstellungen der volldigitalen Prozesskette, die in der Fertigteilfabrik ihren Anfang nehmen sollte, oder?

Gröner: Die CG Gruppe ist in Sachen BIM schon sehr weit, der Rest der Branche tut sich noch recht schwer. Bei den Projekten, bei denen die Baugrube ausgehoben ist und ein externer GU eingebunden werden muss, sind wir noch nicht so weit, BIM einzusetzen. Den Überblick über Logistik, die Baumassen, die Preise und die Planung haben wir mit BIM schon im Griff. Bei den Neubauprojekten, die jetzt starten, wird BIM bereits eingesetzt. Nur im Bahrenfelder Carree z.B. hat unser bauausführender Partner Zechbau kein Heizungs- und Sanitärunternehmen gefunden, das technisch in der Lage war, unsere 3D-Planungen umzusetzen. Also haben wir dann doch wieder normale Pläne gezeichnet. Die Außenwelt ist nicht immer bereit für BIM.

IZ: Wenn die mit digitalen Prozessketten gefertigten Fertigteile zunächst nicht, wie seinerzeit angekündigt, für externe CG-Projekte eingesetzt werden, sondern nur für ein internes Pilotvorhaben - wie wichtig ist das Thema überhaupt noch?

Gröner: Sehr wichtig. Ich habe meinen persönlichen Werdegang im Unternehmen davon abhängig gemacht. Wenn das Ziel nicht in fünf Jahren erreicht ist, ziehe ich Konsequenzen. Dann werde ich in keiner herausgehobenen Position in der CG Gruppe mehr tätig sein.

IZ: Vielleicht stattdessen als Vorstand in der Muttergesellschaft Consus? Würde Sie das reizen?

Gröner: Dazu kann ich nichts sagen. Warten Sie's doch einfach ab!

IZ: Wie man sieht, haben Sie keine Hemmungen, die Erfolge Ihres Unternehmens lautstark zu feiern. Können Sie nachvollziehen, warum so mancher Beobachter Sie hinter vorgehaltener Hand als "größenwahnsinnig" bezeichnet?

Gröner: Das "größen-" sollten wir streichen. Um die Arbeit zu tun, die ich jeden Tag tue, muss man wohl wirklich ein bisschen verrückt sein. Ich kann mich jedoch nicht erinnern, dass wir irgendwo lautstark gefeiert hätten - das überlassen wir anderen Teilnehmern der Branche.

IZ: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Monika Leykam.

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