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Digitales | 01.08.2019

Aus IZ31/2019, S. 14

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:

Proptechs merken, dass alleine nicht viel läuft

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Schnell mal die Mails auf dem Handy checken gehört dazu, aber die Masse der Teilnehmer auf dem Summer Special im Frankfurter TechQuartier nutzt die Zeit zum Networking.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Die Zahl der Proptech-Neugründungen hat sich 2019 gegenüber dem Vorjahr wieder erhöht. Allerdings scheinen neue Ideen nicht unbedingt größer und mutiger, sondern immer kleinteiliger und spezialisierter zu werden, wie die aktuelle Förderrunde des Accelerators blackprint Booster zeigte. Eine neue Plattform, auf der jeder die von ihm benötigten Proptechlösungen frei kombinieren kann, will Abhilfe schaffen.

Ob der Investmentmarkt für Proptechs hierzulande stagniert, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Beratungsfirma EY hatte in ihrem jüngsten Start-up-Barometer errechnet, dass das Volumen der Finanzierungsrunden vor sich hindümpelt (siehe "Proptech ist nicht future, sondern real", IZ 30/19). "Wir haben andere Zahlen als EY", sagt hingegen Jakob Schulz, Senior Program Manager beim Accelerator blackprint Booster. Der stellte vergangene Woche in Frankfurt die Start-ups vor, die seine jüngste Förderrunde durchlaufen haben. Unter Berücksichtigung aller öffentlich verfügbaren Informationen hat blackprint ein Investitionsvolumen von 105 Mio. Euro ermittelt, das im ersten Halbjahr in deutsche Proptechs geflossen ist, EY kommt hingegen lediglich auf 79 Mio. Euro.

Der Knackpunkt dürfte in einem Abgrenzungsproblem liegen, denn von den 105 Mio. Euro nach blackprint-Lesart entfällt der Löwenanteil auf nur zwei Finanzierungsrunden: auf den Hybridmakler McMakler mit 50 Mio. Euro und die Immobiliencrowdinvestingplattform Exporo mit 43 Mio. Euro. Wird Exporo jedoch als Fintech statt als Proptech charakterisiert, wie das zum Beispiel auch die Immobilien Zeitung tut, dann schrumpft das errechnete Investitionsvolumen beträchtlich.

Unabhängig vom Investmentvolumen sieht Schulz die deutsche Proptechlandschaft als robust an. "Im ersten Halbjahr gab es 39 Neueintritte in den Markt, damit dürften wir aufs Gesamtjahr gerechnet deutlich mehr Gründungen haben als 2018." Demgegenüber haben seit Beginn des Betrachtungszeitraums im Jahr 2015 nur 41 Proptechs den Markt verlassen. "Das sind nicht einmal 7% des Gesamtbestands", erläutert Schulz. Zudem bedeute ein Austritt nicht zwangsläufig eine Geschäftsaufgabe, sondern könne auch signalisieren, dass das Unternehmen übernommen wurde. Start-up-Investoren kalkulieren damit, dass langfristig bis zu 90% aller jungen Technologiegründungen entweder scheitern oder verkauft werden. Die niedrige Zahl der Proptech-Marktaustritte kann daher als ein Hinweis auf ein noch relativ junges Start-up-Segment gelesen werden.

Das Potenzial für Wachstum wäre jedenfalls gegeben, viele Immobilienunternehmen schauen sich interessiert an, welche Lösungen die Proptechs zu bieten haben. Doch viele tun sich immer noch schwer damit, digitale Lösungen im Tagesgeschäft anzuwenden, weil sie hohe Kosten oder aufwändige Integration in bestehende IT-Systeme befürchten. Die Geschäftsmodelle, die die jüngsten Förderrundenabsolventen von blackprint Booster präsentierten, zielen daher auch auf ganz genau definierte Problemfelder, bei denen der Nutzen für den Anwender schnell sichtbar wird und die möglichst wenig Eingriffe in eine bestehende IT-Umgebung erfordern.

Inzept3D etwa ist ein Visualisierungsanbieter, der es Architekten ermöglicht, aus ihrer Planung heraus schnell eine interaktive Kundenpräsentation zu generieren. Voraussetzung ist allerdings, dass der Architekt die Rohdaten schon in einer gängigen CAD-Software vorliegen hat, ein eingescannter Papierplan reicht nicht aus. Das Unternehmen profitiert nach eigenen Angaben von der Aufhebung der HOAI (siehe "Das Ende der deutschen Preisbindung", IZ 28/19), da Architekten dem Kunden ihre Leistung fortan viel transparenter darstellen müssen, um gut über ihr Honorar verhandeln zu können.

Der Softwareanbieter corefihub hingegen will Immobilienentwicklern die Zusammenarbeit mit den finanzierenden Banken erleichtern und hat dazu ein virtuelles Cockpit entwickelt, über das Anfragen gestellt, Dokumente hochgeladen, Aufgaben verteilt und Fristen überwacht werden können. "Wir sind keine Plattform und vermitteln keine Finanzierungen", betont Mitgründer und CEO Daniel Rodriguez. Er gehe davon aus, dass die Immobilienprofis ihre Banken ohnehin kennen, fügt er hinzu. "Ziel ist es, den zeitraubenden Prozess der Finanzierung zu beschleunigen."

Auf Prozesseffizienz setzt auch Proptiq, ein Anbieter von Digitallösungen für das wachsende Coliving-Segment. Proptiqs Software ermöglicht es professionellen WG-Anbietern, die viel Arbeit mit kurzfristigen Mietverhältnissen haben, Vorgänge wie Ein- und Auszüge sowie Mietzahlungen leichter zu überwachen. Für den Vermieter ist das kostenlos, denn auf der Plattform anmelden und bezahlen sollen dafür die Mieter.

Mit dem gängigen Proptechansatz, erst einmal kleine Insellösungen zu entwickeln und die Immobilienbranche auf diese Weise behutsam an die Vorzüge der Digitalisierung heranzuführen, will sich Ivan Nokhrin nicht mehr zufrieden geben. Dem russischen Proptech-Unternehmer schwebt eine Plattform vor, auf der die Lösungen verschiedenster Anbieter beliebig miteinander kombiniert werden könnten, wie er auf der blackprint-Veranstaltung skizzierte. Die benötigten Schnittstellen (APIs) müssten dann nur einmal programmiert werden, danach, so die Idee, ließen sich die einzelnen Softwaremodule wie in einem Baukastensystem immer wieder neu zusammenstellen. Jeder Nutzer würde nur für die Module bezahlen, der er wirklich benötigt. Alle beteiligten Proptechs würden von einem verbesserten Marktzugang profitieren, die Plattform würde sich über eine Provision finanzieren. Noch ist dieses Projekt Zukunftsmusik, einen Namen hat Nokhrin aber schon: Built API.

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