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Märkte | 01.08.2019

Aus IZ31/2019, S. 9

Von Jutta Ochs

In diesem Artikel:

Auch ländliche Kreise wachsen

Quelle: Fotolia.com, Urheber: pure-life-picture
Auch ländliche Kreise haben quer durch die Republik Zuzug.

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In den Debatten über das Wohnen in Deutschland hat sich wie ein Stereotyp festgesetzt: Die ländlichen Kreise bluten aus, vor allem im Osten, die städtischen können den Menschenzustrom kaum verkraften. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat mal genauer hingeschaut und die Bevölkerungsentwicklung in den 401 Kommunen von 1995 bis 2017 untersucht. Ein Ergebnis: Auch ländliche Kreise wachsen.

Auf den ersten Blick stimmt das Klischee: Der städtische Raum wuchs laut BBSR zwischen 1995 und 2017 um rund 2,2 Mio. Menschen (4,1%), während der ländliche Raum 825.000 Einwohner verlor (3%). Deutschlandweit verzeichneten 227 Kreise, das sind 57%, ein Wachstum. Unter diesen befanden sich 136 städtische, aber auch 91 ländliche Kreise. Geschrumpft sind 174 Kreise (43%), darunter sind laut BBSR 62 Stadtgebiete.

Erwartungsgemäß kräftig wuchsen ländliche Kreise im engeren und weiteren Umland der Metropolen, so zum Beispiel Erding (31,5%), Landsberg am Lech (20,2%) und Potsdam-Mittelmark (26,9%). Aber auch eher dünn besiedelte Landkreise wie Oberhavel (23,6%) und Havelland (22%) in Brandenburg legten deutlich zu. Im benachbarten Kreis Mecklenburgische Seenplatte gab es dagegen Verluste von 18%. Und Oberspreewald-Lausitz (Brandenburg) gehört zu den Gebieten, die die höchsten prozentualen Abwanderungen (28,7%) zu verkraften hatten. Das ist ein Beleg dafür, dass bei der Bevölkerungsentwicklung sehr kleinräumig untersucht werden muss.

Herbe Verluste gab es auch in anderen Teilen der Republik. Der Kreis Pirmasens in der Pfalz verlor 16,3% seiner Einwohner, im Kreis Holzminden (Niedersachsen) waren es 14,8%, im Werra-Meißner-Kreis (Nordhessen) 13,9%, im Kreis Kronach (Franken) 12,3%. Dagegen stehen einige Gewinner, die keiner so recht auf dem Schirm hat. Dazu gehört etwa der Kreis Vechta (Niedersachsen) mit einem Bevölkerungsplus von 19,6% oder Trier-Saarburg (Pfalz) mit einem Plus von 10,7%. Die möglichen Gründe für diese Entwicklungen nennt die Untersuchung nicht. Sie empfiehlt lediglich, jenseits der Klischees mittels ihrer interaktiven Karte einmal ganz genau hinzuschauen.

Gemessen an ihrer Bevölkerung legten danach besonders die kleineren Großstädte zwischen 1995 und 2017 kräftig zu. Städte wie Ingolstadt, Potsdam oder Regensburg wuchsen um ein Fünftel. Absolut gesehen gewannen die Städte München (223.300), Berlin (190.000), Hamburg (144.700) und Köln (115.600) die meisten Einwohner.

Doch standen die Zeichen auch bei den Großstädten in den letzten 20 Jahren nicht stetig auf Wachstum, wie angesichts der aktuellen Debatten um die Metropolen-Attraktivität zu vermuten wäre. Es gab sogar Nachholbedarf. Denn zwischen 1995 und 2011 verloren sie in der Summe rund 235.000 Einwohner (1%). Erst zwischen 2011 und 2017 stieg die Bevölkerung in den Großstädten durch den Zuzug aus dem In- und Ausland (EU-Bürger, Flüchtlinge) zusammen um etwa 1,3 Mio. Einwohner an (5,8%).

Die Auswertung des BBSR basiert nach eigenen Angaben auf der Bevölkerungsfortschreibung der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Zusätzlich sei die Zeitreihe um Entwicklungssprünge auf der Grundlage der Zensusergebnisse im Mai 2011 bereinigt worden.

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