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Unternehmen | 25.07.2019

Aus IZ30/2019, S. 14

Von Harald Thomeczek

In diesem Artikel:

Hier kommt der Action unter den Brillenfilialisten

Quelle: eyes and more GmbH
Augen auf, Vermieter: eyes and more braucht dringend Flächen in deutschen Einkaufsstraßen und Shoppingcentern.

Quelle: eyes and more GmbH

Die aus den Niederlanden stammende Optikerkette eyes and more hat seit Anfang 2019 denselben Eigentümer wie der niederländische Haushaltswarendiscounter Action. Und ähnlich expansiv wie Action zeigt sich der Brillenfilialist seit der Übernahme durch den Finanzinvestor 3i auch: Zurzeit eröffnet die Kette praktisch jede Woche ein neues Geschäft.

Der Vorbesitzer von eyes and more, der belgische Private-Equity-Investor Vendis Capital, verkaufte den Brillenfilialisten an den niederländischen Wettbewerber Hans Anders. Dieser wiederum gehört dem britischen Finanzinvestor 3i, zu dessen Beteiligungsportfolio auch Action zählt. Und wie Action breitet sich auch eyes and more jetzt zügig in Deutschland aus. Wuchs das Filialnetz 2018 lediglich um zwölf Läden (siehe die Tabelle "Die zehn größten Brillenfilialisten in Deutschland"), will eyes and more jetzt drei- bis viermal so viele Geschäfte pro Jahr eröffnen.

Der Brillenhändler wurde vor 14 Jahren gegründet. Vendis Capital übernahm im Jahr 2010 die Mehrheit. Zu dieser Zeit zählte die Kette in Deutschland 39 Franchise-Stores. Mit Vendis Capital im Rücken verdreifachte sich das deutsche Filialnetz bis Ende 2018 auf rund 120 Stores. Außerdem kaufte das Unternehmen im Laufe der Zeit die deutschen Franchisefilialen zurück.

Die neuen Eigentümer 3i und Hans Anders, die seit dem 1. Januar 2019 an Bord sind, wollen das Expansionstempo nun abermals deutlich anziehen. "Dieses und nächstes Jahr wollen wir mindestens jeweils 40 Filialen in Deutschland eröffnen. Unser Ziel ist, bis Ende 2020 bei über 200 Geschäften allein in Deutschland zu sein", sagt Bart van den Nieuwenhof, Vorstandsvorsitzender der Hans-Anders-Gruppe, im Gespräch mit der Immobilien Zeitung. Dabei setzen die neuen Herren ganz klar auf eigene Läden. Franchisemodelle sind in Deutschland, anders als in anderen Märkten, kein Thema. Eyes and more expandiert auch im Heimatmarkt Niederlande sowie in Belgien und Österreich.

Geld ist anscheinend nicht das Problem: "Lasst uns 40 Läden im Jahr aufmachen, haben wir gesagt. Macht mal, hat 3i gesagt. Wenn ihr 40 schafft - gut. Wenn es 45 werden - noch besser!" Zur Jahresmitte lag die Filialzahl hierzulande bei 134, darunter 19 Franchisegeschäfte. Und die Expansion geht munter weiter: Mehr als ein Dutzend Flächen sind schon gesichert (siehe die Tabelle "Fast jede Woche ein neuer Laden").

Die Zeiten für eine forcierte Expansion in Deutschland hält van den Nieuwenhof für ziemlich günstig. Zwischen Anfang 2009 und Mitte 2012 gehörte er zum Vorstand des Unterwäschefilialisten Hunkemöller. In diesen dreieinhalb Jahren eröffnete Hunkemöller 150 Läden. Der Vermietungsmarkt für Ladenflächen war damals ein ganz anderer: "Es ging oft um Key Money", erinnert sich van den Nieuwenhof. (Anm. d. Red.: Der Ausdruck Key Money bezeichnet eine Prämie, die ein Mieter seinem Vormieter für den vorzeitigen Auszug zahlt.) Solche Abschlagszahlungen sind selten geworden. Heute sind Vermieter innerstädtischer Einzelhandelsimmobilien nicht selten schon froh, wenn sie überhaupt einen Mieter finden. "Immobilien sind verfügbar. Es ist jetzt eine gute Zeit, gute Mietverträge abzuschließen. Und es ist darum auch eine gute Zeit, schnell zu wachsen", sagt der Chef der Hans-Anders-Gruppe. Darin seien sich das Management und die Investoren von 3i einig.

Vermieter, gibt van den Nieuwenhof zu, haben eyes and more heute noch zu selten auf dem Schirm, wenn sie einen (Nach-)Mieter suchen: "Im Moment bekommen wir 100 bis 200 Angebote im Jahr. Wir hoffen auf mehr, wenn bekannt wird, dass wir 40 Geschäfte im Jahr eröffnen wollen. Schließlich haben wir ein sehr erfolgreiches Konzept mit einem ansprechenden Storedesign." Zum Thema Mietvertragslaufzeiten: "Fünf Jahre Festvertrag plus Option auf weitere fünf Jahre, das kommt am meisten bei uns vor."

Ins Beuteschema passen in Deutschland alle Städte ab 40.000 Einwohnern. In kleineren Städten kommen nur die frequenzstärksten Lagen (Ia) bzw. in Shoppingcentern das Erdgeschoss infrage, in größeren Städten darf es auch Ib oder dritte Reihe sein. Geschätzt wird die Nachbarschaft von Modehändlern. Auch die Gegenwart anderer Optiker scheut van den Nieuwenhof nicht, ganz im Gegenteil: "Dann hat der Kunde eine Auswahl, und wir können mit unseren Preisen zeigen, dass wir einen Mehrwert bieten." Eine Gleitsichtbrille gibt es bei eyes and more schon zu einem Pauschalpreis von 222 Euro: "Bei anderen etablierten Optikketten sind Gleitsichtbrillen zwei bis vier Mal so teuer."

Was die Verkaufsflächen angeht, reichen in kleineren Städten 100 bis 120 m² aus. In Städten mit überregionaler Kundschaft sollen es 120 bis 150 m² sein. Und für Flagshipstores in den sieben deutschen Topstädten braucht die Optikerkette 200 bis 250 m² zur Entfaltung. Ein entscheidendes Kriterium bei alledem ist eine sehr gute Sichtbarkeit. Eine durchgängige Fensterfront mit mindestens sieben Metern ist praktisch Pflicht. Über Angebote würde sich van den Nieuwenhof vor allem im Süden und in der Mitte der Republik freuen: "In Bayern und Baden-Württemberg suchen wir mit hoher Frequenz, auch in der Region um Frankfurt wollen wir mehr Läden. Wir haben damals in Nordrhein-Westfalen und Hamburg angefangen, und sind dann nach Berlin und Ostdeutschland gegangen."

Der Hamburger Retailimmobilienspezialist B&P Bergmannpartners, der die Expansion von eyes and more und das gesamte deutsche Filialportfolio der Kette managt, hat alle Hände voll zu tun. Allein bis Oktober stehen 14 Neueröffnungen fest, die Hälfe davon werden in Einkaufszentren über die Bühne gehen. So wird der Brillenfilialist in den kommenden Monaten u.a. im Rathaus-Center in Berlin-Pankow, in den Braunschweiger Schloss-Arkaden, im Rathaus-Center in Dessau, in Essen im Shoppingcenter am Limbecker Platz, in der Schweinfurter Stadtgalerie, im Forum Wetzlar und im Forum Duisburg Eröffnung feiern.

"Eyes and more ist derzeit der Händler, der in ECE-Centern mit Abstand am stärksten expandiert", berichtet ECE-Pressesprecher Lukas Nemela. "Allein im ersten Halbjahr 2019 wurden die Verträge für mehr als zehn neue Standorte unterzeichnet. Hinzu kommen noch einmal vier neue Verträge von Ende 2018." Für die Zukunft seien weitere Standorte geplant.

"In den Centern hat eyes and more keinen einzigen Optiker verdrängt", betont Thomas Bergmann, Geschäftsführer von B&P Bergmannpartners. "Es wurde nur ein zusätzliches Angebot durch eyes and more geschaffen. Bei der ECE haben wir offene Türen eingerannt." Bergmann zieht einen Vergleich zum Modehandel: "Der Kunde geht dorthin, wo das Angebot groß ist."

Auch in die hochfrequentierten Lagen der deutschen Innenstädte hat es eyes and more in der jüngeren Vergangenheit vermehrt gezogen: "Die Lagequalität hat sich in den vergangenen zwölf Monaten drastisch verbessert", verrät Bergmann. Der Anteil von A-Lagen an Neuanmietungen sei "von unter 25% vor unserer Zeit auf heute 90%" geklettert.

Die Anzahl der "augenoptischen Betriebsstätten" sinkt seit Jahren; nicht stark, aber stetig. Laut dem Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) erodierte der Gesamtbestand in Deutschland zwischen 2013 und 2018 in kleinen Schritten von 12.000 auf 11.630 Geschäfte (Quelle: ZVA-Branchenbericht 2018/2019). Die Filialnetze der größten Filialunternehmen wachsen dafür munter weiter (siehe die Tabelle "Die zehn größten Brillenfilialisten in Deutschland"). Für die Ketten ist jedoch noch Luft nach oben: Ende vergangenen Jahres brachten es die zehn umsatzstärksten Filialisten zusammen auf 2.198 Geschäfte - nicht einmal 20% aller vorhandenen Optikerläden in Deutschland.

Der stationäre Brillenverkauf trat 2018 allerdings auf der Stelle. Im vergangenen Jahr gingen 11,93 Mio. Brillen über den Ladentisch - das entsprach einem mickrigen Plus von 0,2%. Die Frage, ob Deutschland wirklich noch mehr zusätzliche Brillenläden braucht, stellt sich für die Macher von eyes and more jedoch nicht wirklich. Sie setzen u.a. darauf, dass die Deutschen immer älter werden und die Anzahl älterer Herrschaften wächst. Zudem vermarktet eyes and more Brillen als Fashionobjekte, nicht als Sehhilfen. So sollen hohe Stückzahlen im Verkauf zustande kommen, mit denen sich die niedrigen Preise, mit denen das Unternehmen wirbt, unterm Strich rechnen.

Dass sich ein Konzept auch in einem vermeintlich gesättigten Markt durchsetzt, wenn es den Nerv der Leute trifft, dürfte eine andere Beteiligung des Finanzinvestors 3i bewiesen haben: Auf den Nonfood-Discounter Action hatte auch niemand gewartet, als er nach Deutschland kam. Der Markt schien satt - doch Action schnitt sich mit seinem Geschäftsmodell mutmaßlich eine schöne Scheibe aus dem Kuchen heraus.

Mindestens das von eyes and more angepeilte Filialwachstum erinnert an den Expansionszug von Action: Der ebenfalls aus den Niederlanden stammende Händler kam nämlich schon 2009 nach Deutschland. Doch Ende 2016 ging erst die 100. Action-Filiale hierzulande an den Start. Dann verschärfte Action das Tempo: Mittlerweile betreibt die Kette in Deutschland weit über 300 Geschäfte. Neulich eröffnete der Haushaltswarendiscounter vier Läden an einem einzigen Tag.

Transaktion: Berlin, Breite Straße 20
Transaktion: Hannover, Große Packhofstraße 11
Transaktion: Fulda, Borgiasplatz 1
Transaktion: Unna, Bahnhofstraße 5
Transaktion: Braunschweig, Schloßstraße 1
Transaktion: Dessau-Roßlau, Kavalierstraße 49
  • Transaktionsdatum:
    25.07.2019
  • Immobilienart:
    Laden-/Geschäftsflächen
  • Transaktionsart:
    Miete
  • Volumen:
    105,00 qm Nutzfl.
  • Mieter:
    eyes & more
  • Projekt:
    Rathaus-Center Dessau
Transaktion: Essen, Limbecker Platz 4
Transaktion: Wiesbaden, Langgasse 27
Transaktion: Hanau, Hammerstraße 2
Transaktion: Schweinfurt, Schrammstraße 5
Transaktion: Coburg, Spitalgasse 17
Transaktion: Duisburg, Königstraße 46
  • Transaktionsdatum:
    25.07.2019
  • Immobilienart:
    Laden-/Geschäftsflächen
  • Transaktionsart:
    Miete
  • Volumen:
    137,00 qm Nutzfl.
  • Mieter:
    eyes & more
  • Projekt:
    Forum Duisburg
Transaktion: Dinslaken, Neustraße 7
Transaktion: Wetzlar, Am Forum 1

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