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Digitales | 25.07.2019

Aus IZ30/2019, S. 13

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:

Proptech ist nicht future, sondern real

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Er kennt sich mit Proptechs aus: Marc Stilke, Venture-Partner von BitStone Capital, hier 2018 auf der Future Proptech in Berlin, die ab diesem Jahr Real Proptech heißen wird.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Im ersten Halbjahr 2019 flossen laut dem Beratungsunternehmen EY 79 Mio. Euro in deutsche Proptechs, fast genauso viel wie im Vorjahreszeitraum. Damit fallen immobilienwirtschaftliche Start-ups hinter Sektoren wie Gesundheit, Werbung und selbst Landwirtschaft zurück. Einen Trendwechsel bedeutet das jedoch nicht: Neben US-Schwergewichten wie Fifth Wall hat auch die deutsche Start-up-Schmiede Rocket Internet das Proptech-Thema für sich entdeckt.

Auf den ersten Blick sieht die Investitionsstatistik des aktuellen EY-Start-up-Barometers beeindruckend aus: Über alle Technologiezweige hinweg steckten die Anleger im ersten Halbjahr 2,8 Mrd. Euro in deutsche Start-ups, das waren 13% mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Finanzierungsrunden wuchs um 19% auf 332. Die Zahl der Proptechfinanzierungen hingegen erhöhte sich nur von 14 auf 16 und blieb damit unter dem Durchschnitt der anderen Branchen. Die in Proptechs investierte Summe sank sogar leicht von 80 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum auf 79 Mio. Euro. Dadurch wurden die immobilienwirtschaftlichen Jungunternehmen von solchen Start-ups überholt, die Lösungen für die Landwirtschaft (89 Mio. Euro), die Werbung (207 Mio. Euro) oder das Gesundheitswesen (303 Mio. Euro) entwickeln. Sie alle hatten im ersten Halbjahr 2018 noch weniger Geld bekommen als die Proptechs.

Ein Grund für die Stagnation des Finanzierungsvolumens bei den Proptechs dürfte damit zu tun haben, dass diese überwiegend im Geschäft mit anderen, etablierten Unternehmen tätig sind (B2B). B2B-Geschäftsmodelle sind oft erklärungsbedürftiger und benötigen eine Vielzahl von Pilotprojekten, bis sie in großem Stile ausgerollt werden können und die Phase des schnellen Wachstums, fachsprachlich Skalierung genannt, beginnen kann. Im Gegensatz dazu nutzen B2C-Modelle ihre Endkunden gerne als Versuchskaninchen und justieren ihre Modelle anhand von deren Reaktionen nach. In dieser Zeit werden oft Millionenbeträge für die Werbung benötigt, was entsprechend großvolumige Finanzierungsrunden voraussetzt.

Dass die Finanzierungsrunden auch bei den Proptechs allmählich größer werden, ist laut Start-up-Experten wie Julia Arlt von der Beratungsfirma PwC jedoch ein guter Hinweis darauf, dass der Markt an Reife gewinnt (siehe "Kenne dein Proptech, ehe du investierst", IZ 15/19). Negativ fällt hingegen auf, dass die Zahl der Finanzierungsrunden im mittleren Bereich, zwischen 10 Mio. und 100 Mio. Euro, in allen Technologiesegmenten gesunken ist. Das ist allerdings ein europaweites Phänomen und hat mit der Struktur des Wagniskapitalmarkts auf dem alten Kontinent zu tun (siehe "Lobbyarbeit ist kein schmutziges Wort", IZ 28/19). Dadurch besteht die Gefahr, dass langfristig US-amerikanische Geldgeber in die Lücke vorstoßen und die Finanzierung der lukrativen Deals an sich reißen. Für das Proptech-Segment hat jüngst der US-Wagniskapitalgeber Fifth Wall über 500 Mio. USD eingesammelt, größtenteils bei amerikanischen und asiatischen Investoren. Das Unternehmen macht keinen Hehl daraus, dass es in Europa nach attraktiven Investments Ausschau hält - und Deutschland ist der größte Proptech-Markt auf dem Kontinent.

Dass die Proptechs allemal reif genug sind, um bald eine bedeutendere Rolle zu spielen, davon ist Alexander Ubach-Utermöhl überzeugt, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft blackprintpartners, die eine der größten deutschen Proptechveranstaltungen organisiert. Sie findet dieses Jahr zum dritten Mal in Berlin statt, und zwar am 5. September. Als Gast ist unter anderem wieder der Ex-ImmoScout24-Chef und erfahrene Proptech-Investor Marc Stilke dabei, der mittlerweile BitStone Capital als Venture-Partner zur Seite steht. Der Name des Events wird allerdings diesmal von Future Proptech auf Real Proptech geändert. "Mit der Namensänderung wollten wir zum einen ausdrücken, dass Proptech nicht länger Zukunft, sondern in der Branche angekommen, also real ist", erläutert Ubach-Utermöhl, "zum anderen wollten wir unser Konzept inhaltlich noch klarer von der Future Proptech London abgrenzen." Die ursprünglich namensgebende, aber organisatorisch völlig unabhängige britische Veranstaltung war innerhalb von fünf Jahren von 50 auf über 2.000 Teilnehmer gewachsen. Auch wenn die Berliner Veranstaltung sich vom Londoner Vorbild emanzipiert hat, liege ihm viel an der Zusammenarbeit mit allen anderen Organisatoren von Proptech-Events in Europa, betont Ubach-Utermöhl. In Zukunft soll es dazu eine engere Kooperation mit der Mipim Proptech Europe geben.

Mittlerweile haben auch die Dickschiffe der deutschen Gründerszene das Proptech-Thema auf ihre Agenda gehoben. Rocket Internet, die börsennotierte Berliner Start-up-Schmiede der Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer, hat sich bezeichnenderweise auf der Hauptversammlung im Juni eine erweiterte Formulierung ihres Geschäftszwecks absegnen lassen. Der umfasst nun auch Investitionen in jegliche Technologie, die beim Bau, der Vermarktung oder Verwaltung von Immobilien von Nutzen ist.

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