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Transaktionen | 18.07.2019

Aus IZ29/2019, S. 3

Von Gerda Gericke und Jutta Ochs

In diesem Artikel:

Berlin kauft die Blöcke an der Karl-Marx-Allee

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter
Vehement hatten sich die Bewohner der Karl-Marx-Allee gegen den Verkauf an Deutsche Wohnen gewehrt.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter

Der Konflikt um die Wohnungen in der Berliner Karl-Marx-Allee galt auch als ein Symbol für Mieternot in Metropolen. Jetzt kauft das Land Berlin die rund 670 Wohnungen. Der Konzern Deutsche Wohnen geht leer aus. Nicht alle Marktexperten sehen dieses spektakuläre Beispiel einer Rekommunalisierung positiv.

Statt des börsennotierten Unternehmens, das mit den Wohnungen seine 112.000 Einheiten in Berlin aufstocken wollte, kommt beim Verkauf der Wohnblöcke C-Nord, C-Süd sowie D-Nord nun die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag zum Zuge.

Gewobag hat das Vertragsangebot für den Erwerb von drei von fünf Wohnblöcken gemeinsam mit dem Verkäufer Predac beurkundet, teilte das Presse- und Informationsamt des Landes mit. Inhalt des Kontrakts ist die unverzügliche Übernahme aller Wohnungen und Gewerbeeinheiten, die nicht von Mietern erworben worden sind. Deutsche Wohnen unterstütze diesen Vertrag.

Als im vergangenen November bekannt geworden war, dass Deutsche Wohnen fünf Wohnblöcke von Predac an der Karl-Marx-Allee erwerben wollte, hatte sich massiver Widerstand gegen den Abschluss des Geschäfts erhoben. Während nun drei der Blöcke an Gewobag gehen, hat für einen vierten Block die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) ihr Vorkaufsrecht ausgeübt, da er im Millieuschutzgebiet liegt. Für den fünften Block hat das Land Berlin eine einstweilige Verfügung erstritten, die den Verkauf an Deutsche Wohnen verhindert. Über diesen Block sollen noch Gespräche stattfinden.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) freut sich, dass der Kauf ein erster Schritt zum Gelingen seiner Strategie "Bauen, Kaufen, Deckeln" sei. Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) lobt die "unkonventionellen Wege", die die Mieter in ihrem Kampf gegen eine Übernahme der Bestände durch Deutsche Wohnen seit Anfang des Jahres gegangen seien. Ursprünglich waren die in den 1950er Jahren errichteten sozialistischen Prestigebauten Eigentum des Volkes. Doch nach der Wende verkaufte die WBM die schmucken Wohngebäude an der ehemaligen Stalinallee, um mit dem Erlös einen Teil der Altschulden abzutragen. Ein Gutteil der Blöcke ging damals an Depfa Immobilien Management, ein Vorgängerunternehmen von Predac. Die Mieter wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Das Vorkaufsrecht, das ihnen zustand, nahm kaum jemand wahr. Vertraglich wurde vereinbart, dass die Mieter im Falle einer erneuten Veräußerung weiterhin das Vorkaufsrecht haben.

Ein Vorkaufsrecht hatte eigentlich auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, auf dessen Terrain sich die Blöcke befinden. Dieses wurde allerdings dadurch ausgehebelt, dass Predac zwischenzeitlich die Wohnungen in Wohnungs- und Teileigentum umwandeln ließ. Durch die Filetierung der Blöcke konnte Predac in das Bieterverfahren zum Verkauf einsteigen. Vorgesehen war eben der Verkauf an Deutsche Wohnen, den Wohnungskonzern, der in Berlin heftig wegen seiner Mietenpolitik in der Kritik steht. Die Mieter befürchten Verdrängung.

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) ist nach langen rechtlichen Prüfungen froh, verhindern zu können, "dass Siedlungen oder Blocks von Fonds zu Fonds oder von Konzern zu Konzern herumgereicht werden". Das sei ein guter Tag für Berlin.

Das wird in der Branche durchaus anders gesehen. Neben der allgemeinen Kritik an der Wohnungspolitik der Berliner Landesregierung wird auch vor zu viel staatlichem Zugriff auf Wohnraum gewarnt. So hatte etwa jüngst Michael Voigtländer vom Institut für Wirtschaft (IW) in Köln die Konkurrenz zwischen Gesellschaften der öffentlichen Hand und den Privaten angeprangert: Der Staat sollte sich nur um Regeln und Stadtentwicklung kümmern. Er riet sogar zum Verkauf von Wohnungen. Bezogen war dies auch auf den Neubau und den "Kampf um die Grundstücke".

Zunehmend steigen Kommunen und Länder nach einer Welle der Privatisierung wieder in den Wohnungsmarkt ein und gründen Gesellschaften. So BayernHeim in Bayern oder die Gesellschaft Wohnen in Dresden (WiD). Das spektakuläre Beispiel aus Berlin könnte Schule machen.

Nachtrag: Nach Informationen der Immobilien Zeitung verfügt der von der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) erworbene Wohnblock D-Süd über 80 Wohn- und 8 Gewerbeeinheiten.

Transaktion: Berlin, Karl-Marx-Allee
Transaktion: Berlin, Karl-Marx-Allee 92

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