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Märkte | 11.07.2019

Aus IZ28/2019, S. 25

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Berlin
  • Organisationen:
    Land Berlin, Verband Berlin Brandenburgischer Wohnungsunternehmen BBU
  • Personen:
    Maren Kern
  • Immobilienart:
    Wohnen

Wohnungswirtschaft will gegen schwarze Schafe vorgehen

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke
Am Berliner Wohnungsmarkt soll nicht jeder machen können, was er will. Profiteure der Wohnungsknappheit will der BBU ausbremsen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke

Berlin. "Schwarze Schafe", die die Anspannung auf dem Berliner Wohnungsmarkt zu ihrem Vorteil ausnutzen, machen Maren Kern, der Chefin des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), Sorge. Auch wenn ihr der vom Berliner Senat beschlossene Mietendeckel zu weit geht - "zielgerichtete, temporäre weitere Mietenregulierungen können sinnvoll sein", sagte sie vergangene Woche in Berlin.

In den Mitte Juni dieses Jahres verabschiedeten "Eckpunkten für ein Berliner Mietengesetz (Mietendeckel)" seien "die nachteiligen Konsequenzen für die soziale Wohnungswirtschaft nicht ausreichend bedacht worden", bemängelte Kern. In einer BBU-Umfrage, an der 80 Mitglieder teilnahmen, gaben insbesondere Genossenschaften zu bedenken, dass sie ohne die Möglichkeit zu moderaten Mietanpassungen wirtschaftlich nicht mehr in der Lage sein werden, "den Notwendigkeiten und Bedürfnissen ihrer Mieterschaft gerecht zu werden". Der Deckel sieht vor,die Mieten für fünf Jahre einzufrieren.

Konkret sagen 90% der Befragten, dass mit einem Mietendeckel energetische Modernisierungen hinten runterfallen könnten oder dass kein Geld mehr für die Wohnumfeldgestaltung da sei. Gut 70% befürchten "eine drastische oder deutliche Verringerung des sozialen Engagements der Unternehmen, über 60% erhebliche Einschränkungen beim Neubau".

"Das kann von der Politik so nicht gewollt sein", sagt Kern, die mit 144 Berliner Mitgliedsunternehmen rund 43% des Berliner Mietwohnungsbestands hinter sich schart, "ebenso wenig, dass von einem pauschalen Einfrieren der Mieten besonders auch einkommensstarke Haushalte profitieren würden."

Um Druck aus dem Kessel zu nehmen, könnte man darüber nachdenken, in angespannten Wohnungsmärkten für eine Übergangszeit die sogenannte Kappungsgrenze zur Deckelung von Mieterhöhungen von 15% auf 10% in drei Jahren zu begrenzen. "Bei Neuvermietungen sollten alle Ausnahmetatbestände aus der Mietpreisbremse gestrichen werden", fordert Kern. Als Gegenleistung stellt sich die erfahrene Verbandschefin vor, dass auch neuere Bauten im Mietspiegel Berücksichtigung finden.

Ferner will die Verbandschefin Luxusmodernisierungen einen Riegel vorschieben. In jedem Fall auf die Mieten umlegbar bleiben müssten aber die Kosten für energetische und demografische Modernisierungen. Gleichzeitig fordert der BBU, über das Erschweren von Eigenbedarfskündigungen und der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen zu sprechen und Mieterhöhungen an die Inflationsrate zu koppeln. Wichtig bei allen Überlegungen aber, hebt Kern mahnend die Hand: "den Unternehmen Luft zum Atmen lassen".

2019 wollen die Berliner BBU-Mitgliedsunternehmen mit 700.000 Wohnungen im Bestand 3,2 Mrd. Euro investieren. "Das ist der höchste Wert seit 1991, als der BBU mit den Aufzeichnungen begann", freut sich Kern, "und 23% mehr als 2018." 799 Mio. Euro werden 2019 für die Instandhaltung, 717 Mio. Euro für die Modernisierung und 1,65 Mrd. Euro für den Neubau aufgebracht. In frischen Beton fließt im laufenden Jahr damit 39% mehr Geld als 2018.

Für rund 7.500 Wohnungen sollen in diesem Jahr die Schlüssel übergeben werden. Zum Vergleich: 2018 wurden nur 4.276 Wohnung fertiggestellt. Im kommenden Jahr haben die BBUler 7.420 Einheiten auf dem Zettel und bis 2023 noch einmal knapp 30.000 Wohnungen.

Sorge bereitet den bauwilligen Unternehmen im Verband die drastische Erhöhung von Bau- und Grundstückskosten in Berlin. In Zahlen heißt das: Die Grundstückspreise, bekanntermaßen der Flaschenhals beim Neubau, haben sich zwischen 2013 und 2018 von 350 Euro/m² auf 2.000 Euro/m² fast versechsfacht. Die Baupreise werden zwischen 2015 und 2019 um wohl 38% von 2.000 Euro/m² auf 2.750 Euro/m² steigen.

Im vergangenen Jahr erhöhten die BBU-Mitglieder die Warmmiete um 2,5%. Der Wert bewege sich auf dem Niveau der allgemeinen Preisentwicklung, betont Kern. Die Kaltmiete der BBU-Mitglieder betrug im Schnitt 6,15 Euro/m². Der Berliner Schnitt beträgt laut Mietspiegel 6,72 Euro/m². Der Leerstand der Berliner BBU-Unternehmen lag 2018 bei 1,7%.

Der Gesetzentwurf zum Mietendeckel, der in der Stadt derzeit für so viel Aufregung sorgt, soll Ende August vorliegen. Danach erfolgt die Anhörung von Verbänden und Experten. Die Abstimmung im Senat soll Mitte Oktober stattfinden und noch 2019 im Berliner Abgeordnetenhaus auf die Tagesordnung gelangen und beschlossen werden. Inkrafttreten würde das Mietengesetz dann im Januar 2020, wobei die darin getroffenen Regelungen rückwirkend zum 18. Juni 2019 gelten sollen.

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