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Digitales | 11.07.2019

Aus IZ28/2019, S. 13

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:

Vom Ende des Proptech-Hypes kann bisher keine Rede sein

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Um mangelndes Besucherinteresse müssen sich Veranstaltungen wie die Mipim Proptech in Paris derzeit nicht sorgen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Wer gedacht hat, dass Proptechs eine Modeerscheinung sind, wurde auf der Mipim Proptech Paris eines Besseren belehrt. Die Besucherzahlen der Start-up-Events steigen kontinuierlich, die weltweiten Investitionsvolumina ebenso. Gute Geschäftsideen kommen durchaus aus Europa, das Geld aber vorwiegend aus den USA. Die Proptech-Szene selbst setzt auf mehr Zusammenarbeit und bessere Vernetzung.

Rund 21 Mrd. USD an Wagniskapital wurden 2018 in Proptechs investiert, allerdings entfielen davon gut 6 Mrd. USD allein auf den Coworkinganbieter WeWork. Da zudem die Anzahl der Proptech-Neugründungen in einigen Regionen sank, spekulierte manch einer schon über ein Ende des Technologiehypes. Doch davon ist nichts zu spüren. "Das weltweite Finanzierungsvolumen in Proptechs hat zur Jahreshälfte 2019 den Vorjahreswert weit überschritten. Das laufende Jahr dürfte besser werden als 2018, vermutlich sogar besser als 2017", sagte Roelof Oppermann, Manager beim kalifornischen Wagniskapitalgeber Fifth Wall, auf der zweiten Mipim Proptech in Paris, die am Dienstag vergangener Woche zu Ende ging. Die Proptech-Messe des Veranstalters Reed Midem ist mit über 2.000 Teilnehmern aus 41 Ländern das größte Netzwerkevent seiner Art auf dem europäischen Kontinent. Vergangenes Jahr fand sie zum ersten Mal an einem kleineren Austragungsort statt, da waren es rund 500 Teilnehmer weniger.

In derselben Liga spielt die Londoner Future Proptech, die jährlich im Mai stattfindet. Sie begann vor vier Jahren, als kaum jemand den Begriff Proptech kannte, mit rund 50 Teilnehmern und erreichte dieses Jahr ebenfalls gut 2.000. Die Immobilienmesse Expo Real wiederum verlegt ihren Proptech-Bereich dieses Jahr in eine komplette zusätzliche Halle, die dem Thema Innovation gewidmet ist.

Die Beratungsfirma PwC stellte auf der Mipim Proptech Paris eine Studie vor, in der sie die Zukunftschancen der immobilienwirtschaftlichen Start-ups untersucht hat. Große Möglichkeiten sieht PwC unter anderem bei Software zur Koordination von Bauvorgängen, Plattformen für die private Hausfinanzierung, digitalen Maklermodellen, Programmen zur Immobilienverwaltung und zur Digitalisierung von Mietprozessen sowie für Plattformen zur Vermittlung von Mietgarantien. Drei Szenarien hat PwC durchgerechnet: Dass die Proptechs heimlich, still und leise absterben, ist dabei das unwahrscheinlichste. Nicht viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass sie plötzlich der angestammten Immobilienwirtschaft das Geschäft wegnehmen. Dazu sind die Geschäftsmodelle der Proptechs zu kleinteilig, sie lösen oft nur einzelne Probleme innerhalb komplexer Wertschöpfungsketten. "Die kontinuierliche digitale Transformation ist das wahrscheinlichste Szenario", sagte Mathilde Hauswirth, Partnerin bei PwC Frankreich, die mit ihren Kollegen die Studie vorstellte.

Dass die Europäer nicht den nötigen kreativen Geist mitbringen, um ihren Beitrag zur digitalen Transformation der Immobilienwirtschaft zu leisten, glaubte auf der Mipim Proptech in Paris niemand. Wieso aber kommen dann die milliardenschweren Proptechs bisher alle aus dem Ausland? "Wir haben eine Finanzierungslücke", sagte Rudy Aernoudt. Der Wirtschaftsprofessor berät die EU-Kommission unter anderem in Start-up-Fragen. Während Aernoudt bei den finanziellen Förderprogrammen der EU Besserungen in Aussicht stellte, mahnte er gleichzeitig die Immobilienbranche, ihre eigenen regulatorischen Bedürfnisse selbst stärker in Brüssel zu vertreten (siehe "Lobbyarbeit ist kein schmutziges Wort"), auch wenn das erst einmal eine gewisse Einigkeit der Interessen voraussetze.

Vielleicht kann sich die Immobilienbranche in puncto Zusammenarbeit das ein oder andere von den Proptechs abschauen. Viele deutsche Teilnehmer nutzten ihren Besuch in Paris jedenfalls nicht nur zur Konkurrenzbeobachtung, sondern auch zum grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch und zur Suche nach möglichen Partnern, die die eigenen Geschäftsmodelle ergänzen könnten. "Wir sehen einen Trend zu mehr Kooperation zwischen den einzelnen Proptechs", sagte etwa Titus Albrecht, CEO des Berliner Proptechs realxdata. "Der klassische Einzelkämpfer weicht immer mehr dem vernetzten Denken zwischen Geschäftsmodellen, Technologien und Märkten", fügte er hinzu.

Alexander Ubach-Utermöhl, Geschäftsführer der auf Proptechs spezialisierten Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft blackprintpartners, sieht das ähnlich und möchte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit noch stärker institutionalisieren. "Wir hatten 2018 zusammen mit der französischen Proptech-Plattform Real Estech ein Programm zum deutsch-französischen Erfahrungsaustausch angestoßen." Zwei entsprechende Treffen haben bisher stattgefunden, aus Zeit- und Kapazitätsgründen, wie Ubach-Utermöhl bedauert, bisher nicht mehr. "Wir haben aber fest vor, das Programm fortzusetzen, die Nachfrage ist vorhanden."

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