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Märkte | 04.07.2019

Aus IZ27/2019, S. 23

Von Volker Thies

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Frankfurt am Main
  • Organisationen:
    Stadt Frankfurt am Main, Caritas, Stadtplanungsamt Frankfurt, Hochschule Geisenheim
  • Personen:
    Martin Hunscher, Mike Josef, Gaby Hagmans, Constanze Petrow
  • Immobilienart:
    Wohnen, Gewerbe allgemein

Zukunft Frankfurts bewegt die Bürger

Frankfurt. Nach jahrelanger Vorarbeit gibt es ein Konzept für die Stadtentwicklung in den kommenden rund zehn Jahren. Eine politische Mehrheit hat das Werk allerdings nicht, und die Einwohnerschaft stellt höchst unterschiedliche Anforderungen.

"Es gibt viele Ideen und Interessen, aber am Ende gibt es nicht die eine reine Lehre." In seinem Schlusswort fasste Stadtrat Mike Josef (SPD) treffend zusammen, was sich in den zweieinhalb Stunden zuvor im Kasino des von ihm geleiteten Stadtplanungsdezernats abgespielt hatte. Josef hatte zum Bürgerforum über das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Istek) eingeladen und rund 400 Einwohner waren gekommen, um sich mit dem kürzlich aufgestellten Planwerk zu befassen.

Die Ideen und Interessen, die in den Redebeiträgen zu Wort kamen, klangen tatsächlich vielfältig und oft auch widersprüchlich. Da war der langjährige Bewohner aus der Nordweststadt, der soziale Probleme befürchtet, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft ein neues Stadtviertel gebaut wird. Ihm stand die Mitarbeiterin der Caritas gegenüber, die sich vehement für gemischte Quartiere aussprach, in denen auch Bewohner mit geringem Einkommen ihren Platz haben. Da waren die jungen Vertreter der Klimaprotestbewegung Fridays for Future, die forderten, dass die Frankfurter Innenstadt spätestens 2030 komplett frei von motorisiertem Individualverkehr sein soll.

Da war auch die FDP-Vertreterin aus einem Ortsbeirat, die nach der Finanzierung der Pläne zur Stadtentwicklung fragte. Da waren andere Kommunalpolitiker, die Maximalforderungen grundsätzlich ablehnten, weil für diese keine Mehrheiten zu bekommen seien. Und schließlich saßen hier und da im Publikum Vertreter der Immobilienwirtschaft, die sich zwar nicht zu Wort meldeten, aber sicher überlegten, was das alles für ihre Geschäftsinteressen bedeutet.

Der Teilnehmerzustrom, der das Dezernatskasino an einem heißen Sommerabend an den Rand seines Fassungsvermögens brachte, zeigte, dass das sperrige Thema Stadtplanung inzwischen auf reges öffentliches Interesse stößt. Martin Hunscher, der Leiter des Stadtplanungsamts, erläuterte die Schwerpunkträume, in denen die Stadt im kommenden Jahrzehnt nach außen wachsen und nach innen verdichtet werden soll. Gegenüber der bisher schon angestellten Planung seien im Istek Flächen für 20.500 Wohnungen hinzu gekommen. Darüber hinaus betonte Hunscher die Bedeutung von zusätzlichen Gewerbeflächen: "So wie wir es für das Wohnen bereits haben, brauchen wir auch eine Entwicklungsgesellschaft für Gewerbeflächen."

Dass beim Wohnen besonderer Leidensdruck herrscht, machte Gaby Hagmans klar, die Direktorin der Caritasverbands Frankfurt: "Hast du Arbeit? Das ist für viele Menschen, die wir betreuen, nicht mehr die drängendste Frage, sondern: Hast du eine Wohnung?" Sie forderte darüber hinaus, dass in Wohnobjekten Freiräume bestehen bleiben, die die Bewohner selbst mit Nutzungen füllen können, beispielsweise in den Erdgeschossen. Das schaffe sozialen Halt.

Constanze Petrow, Professorin an der Hochschule Geisenheim, pochte auf einen Umbau der Stadt mit Blick auf das veränderte Klima. Kühlung und die Abpufferung von großen Regenmengen seien nötig. "Wenn das nicht funktioniert, dann brauchen wir auch keine neuen Wohnungen, weil Frankfurt dann nicht mehr lebenswert ist", sagte Petrow. Von einer Gruppe Aktivisten, die sich für den Erhalt der Kleingärten am Günthersburgpark einsetzen, bekam sie Beifall. Allerdings ging die Professorin auf Distanz zu der Gruppe: Nach ihrer Meinung werde in der Diskussion um das Areal der Naturschutz oft vorgeschoben, um Einzelinteressen der Gartennutzer zu verfolgen.

Die wirtschaftliche Seite der Stadtplanung blieb weitgehend ausgeblendet. Nur Josef betonte, dass er den Mehrwert abschöpfen will, den Flächen durch Umwandlung zu Bauland erhalten. "Ein Drittel für den Eigentümer, zwei Drittel für die Allgemeinheit, die die Wertsteigerung durch das Schaffen von Planungsrecht überhaupt erst ermöglicht", nannte er sein Ziel. Was Eigentümer davon halten, blieb an diesem Abend ungesagt.

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