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Märkte | 04.07.2019

Aus IZ27/2019, S. 8

Von Monika Leykam

In diesem Artikel:

Im Boom gewinnen die Eigentümer

Quelle: Pixabay, Urheber: quinntheislander
Wohl dem, der in einer teuren Gegend Immobilienvermögen besitzt. Er ist in den vergangenen Jahren überproportional reicher geworden.

Quelle: Pixabay, Urheber: quinntheislander

Der deutsche Immobilienboom hat die Reichen im Lande reicher und die Einkommensschwachen in den Städten ärmer gemacht. Das zeigt eine Analyse des Macrofinance Lab der Universität Bonn. Mehr als die Hälfte der Kapitalgewinne wurde von den reichsten 10% der Deutschen vereinnahmt.

Die Preissteigerungen bei Häusern und Wohnungen in Deutschland summieren sich nach Rechnung der Bonner Forscher seit dem Jahr 2011 inflationsbereinigt auf knapp 2,8 Billionen Euro. Gut die Hälfte der Wertzuwächse, ca. 1,5 Billionen Euro, entfällt auf die reichsten 10% der Deutschen. Die obere Mittelschicht (50stes bis 90stes Perzentil) erfuhr eine Vermögensmehrung um satte 50%. Diese Schätzungen basieren auf Daten des Analysehauses bulwiengesa.

Rund 1 Billion Euro Vermögensgewinne aus Immobilienbesitz konzentriert sich in nur zwei Bundesländern, nämlich in Bayern (705 Mrd. Euro) und Baden-Württemberg (278 Mrd. Euro). Auf das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen entfallen dagegen nur 10% der aggregierten Vermögensgewinne. Die Forscher erklären das durch die Tatsache, dass die Immobilienwerte in den südlichen Bundesländern bereits 2011 höher waren als in anderen Landesteilen und die Preise anschließend überproportional gestiegen sind.

Am anderen Ende der Einkommensskala haben die Preissteigerungen am Markt diejenigen Haushalte am meisten getroffen, die in Stadtvierteln mit ursprünglich niedrigem Mietniveau wohnen. Hier fielen die Mietsteigerungen am stärksten aus. Die ärmsten 20% der deutschen Haushalte gaben 1993 gut 25% ihrer Einkommen für Wohnen aus, heute sind es knapp 40%. Die Einkommen dieser Bevölkerungsgruppe stiegen langsamer als die Mieten.

Um das zu belegen, warf die Studie einen genauen Blick auf die vier Boomstädte Berlin, Hamburg, Köln und München. Hier wurde die Mietentwicklung pro km² Stadtfläche im Zeitraum 2007 bis 2017 mit den geschätzten Haushaltseinkommen der dortigen Bewohner verglichen. Es zeigte sich, dass die Mieten in den Quartieren mit Menschen, die weniger verdienen, deutlich stärker stiegen als in den Vierteln, die sich schon 2007 nur die besser betuchten Mieter leisten konnten.

Die Bonner Ökonomen schließen ihre Studie mit einem dringenden Appell an "die Politik", mehr für den Neubau zu tun bis hin zur Konzeption neuer Städte. Sollten die Neubauzahlen auf dem aktuellen Level verharren, werde das Wohnungsdefizit in zehn Jahren die Summe von 1 Mio. Einheiten erreicht haben. Knapp 340.000 Einheiten entfallen davon auf die sieben größten Städte Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Stuttgart.

Indem er dieses Defizit nicht abbaue, verschenke der Staat nicht nur Wachstumspotenziale in der Binnenwirtschaft, sondern verhindere auch die "effiziente Allokation von Arbeitnehmern". Schon heute trage die Wohnraumknappheit dazu bei, dass viele gutbezahlte Arbeitsplätze in den Städten nicht besetzt werden könnten, so ihr Argument.

Die öffentliche Hand habe die Möglichkeit, die günstigen Finanzierungsbedingungen an den Kapitalmärkten für höhere Investitionen in Wohnungsbau und Infrastruktur auszunutzen. Dass sie diese Möglichkeit nicht nutze, sei "kein Ausweis soliden Haushaltens, sondern ein potenziell teures wirtschaftspolitisches Versäumnis".

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