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Märkte | 27.06.2019

Aus IZ26/2019, S. 20

Von Lars Wiederhold

In diesem Artikel:

Tarek Al-Wazir sieht viel Platz fürs Wohnen

Quelle: Pixabay, Urheber: lapping
Die Weinstadt Hochheim ist einer der Standorte, die Tarek Al-Wazir zum "Großen Frankfurter Bogen" zählt.

Quelle: Pixabay, Urheber: lapping

Rhein-Main. Der hessische Wirtschafts- und Wohnungsbauminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) hat seine Idee für den "Großen Frankfurter Bogen" vorgestellt. In einem Radius von 30 Zugminuten um Frankfurt sieht er ein Potenzial für rund 200.000 bezahlbare Wohnungen.

Den Wohnungsbau stellt sich Al-Wazir künftig dort vor, wo sich Haltestellen des Schienenverkehrs befinden. 30 Minuten Fahrzeit seien eine akzeptable Entfernung für den Weg zur Arbeit, ins Kino oder ins Konzert. "Man wohnt bezahlbar und hat alle Vorteile der Großstadt in Reichweite."

Zum Gesamtgebiet würden u.a. Bad Soden, Friedrichsdorf, Friedberg, Hochheim, Groß-Gerau, Egelsbach, Dietzenbach und Hanau gehören. Allerdings ist das bestehende Preisniveau in diesen Städten sehr unterschiedlich. Die Standorte im Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis gehören nicht gerade zu den günstigen Lagen im Rhein-Main-Gebiet. In Friedrichsdorf z.B. liegen die Wohnungsmieten laut IZ Research im Neubau in der Spitze bei knapp 14 Euro/m² und in Bad Soden sind es sogar fast 16 Euro/m². Ein ähnliches Preisniveau wird auch in peripheren Frankfurter Stadtteilen aufgerufen.

Etwa die Hälfte der 200.000 bezahlbaren Wohnungen könnte nach Al-Wazirs Einschätzung durch Nachverdichtung von Baulücken und Brachen entstehen. Deshalb bleibe der Flächenverbrauch begrenzt. Der Minister will eine Konferenz mit den Bürgermeistern der betroffenen Städte einberufen. Das Land stellt für die Ausweisung und Erschließung von Bauflächen in der Region eine Fördersumme in Höhe von 75 Mio. Euro zur Verfügung.

Der Minister ruft Kommunen, Verbände und Wohnungsunternehmen dazu auf, Verantwortung zu übernehmen: "Wenn wir alle anpacken, werden wir in dieser Legislaturperiode eine spürbare Entlastung des Wohnungsmarkts erreichen." Die Wohnpreise dürften nicht die Gesellschaft spalten. "Wir werden die Rechte der Mieter stärken, selbst Wohnungen bauen und dafür sorgen, dass Baulücken geschlossen und mehr Bauland ausgewiesen wird", betont Al-Wazir.

Insgesamt sieht das Wohnungsprogramm des Landes u.a. Fördermittel von insgesamt 2,2 Mrd. Euro bis zum Jahr 2024 vor. 10 Mio. Euro werden z.B. jährlich zur Verfügung gestellt, um auslaufende Bindungen von Sozialwohnungen zu verlängern. Die landeseigene Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte soll ihren Bestand um 15.000 auf 75.000 Wohneinheiten ausbauen. Zudem wird Hessen ab Juli die Mietpreisbremse von 16 auf 31 Kommunen ausweiten. Zusätzlich macht die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen künftig in Kommunen mit großer Wohnungsnachfrage eine behördliche Genehmigung erforderlich.

Von Haus & Grund Hessen wird der Vorstoß für den "Großen Frankfurter Bogen" als "mutig" begrüßt. Gleichzeitig wehrt sich der Verband aber weiterhin gegen eine "Gängelung" der privaten Vermieter durch die Mietpreisbremse und die avisierte Verlängerung der Kappungsgrenzenverordnung.

Lob erhält Al-Wazir für sein Projekt auch vom Verband VdW südwest. Vorstand Axel Tausendpfund merkt aber an, dass bei Ideen dieser Art wegen der langen Planungsphasen Tempo gefragt sei. "In Hessen fehlen 500.000 Wohnungen bis zum Jahr 2040", betont Tausendpfund.

Wegen des großen Wohnungsdefizits hält sich die Begeisterung des hessischen Landesverbands des Deutschen Mieterbunds angesichts des "Großen Frankfurter Bogens" in Grenzen. Dieser sei kein "goldenes Ei". "Gut gemeint ist nicht gut genug", sagt Gert Reeh, erster Vorsitzender des Landesverbands. "Auch die vom Land bis zum Jahr 2024 in Aussicht gestellten 75 Mio. Euro für Investitionen in Brachflächen, Baulücken und neues Bauland werden nicht ausreichen, um das gesetzte Ziel zu erreichen und die tatsächlich benötigten Wohnungen zu schaffen", glaubt Reeh. Zudem müsse auch in die Verkehrsinfrastruktur der Region investiert werden. Der Mieterbund befürchtet, dass die bestehenden Kapazitäten nicht ausreichen, die wachsende Pendlerzahl zuverlässig nach Frankfurt und zurück zu transportieren.

Beim Immobilien-Dialog Metropolregion Rhein-Main am 27. und 28. August 2019 von Heuer Dialog wird Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, in seiner Keynote über "Wohnraumversorgung als soziale Frage - Perspektiven hessischer Wohnungspolitik" referieren.

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