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Projekte | 27.06.2019

Aus IZ26/2019, S. 5

Von Peter Dietz

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Hamburg
  • Unternehmen:
    Four Parx, Smart City Loop
  • Personen:
    Francisco-Javier Bähr, Christian Kühnhold
  • Immobilienart:
    Wohnen, Einzelhandel, Logistik, Büro

"Die Zukunft liegt im Untergrund"

Visualisierung: Four Parx
Ab unter die Erde! Um Verkehr, Dreck und Lärm zu vermeiden, könnte der Transport von der Peripherie in die Innenstadt künftig unterirdisch laufen.

Visualisierung: Four Parx

Die letzte Meile zum Verbraucher macht Logistikern das Geldverdienen schwer und belastet die City mit Verkehr, Lärm und Abgasen. Das soll sich ändern. Francisco J. Bähr, geschäftsführender Gesellschafter des Dreieicher Logistikentwicklers Four Parx, und Christian Kühnhold, Geschäftsführer des Kölner Entwicklers urbaner Transportsysteme Smart City Loop, haben ein Projekt in Arbeit, das zeigen soll, wie Innenstädte und Logistikzentren mit unterirdischen Röhren verbunden werden können.

Immobilien Zeitung: Herr Bähr, unterirdische Röhren klingen abenteuerlich und aufwändig. Warum testen Sie diese Variante?

Francisco J. Bähr: Der Kampf um die seltenen Grundstücke in den urbanen Zentren ist hart. Um diese Flächen rangeln sich verschiedene Nutzer wie Wohnen, Büro, Handel, Verwaltung und Logistik. Bei diesen Wettbewerbern schneidet aus Sicht der Politik, Stadtverwaltung und Bürgerschaft die Logistikbranche am schlechtesten ab.

IZ: Die Chancen, zum Zug zu kommen, sind also schlecht?

Bähr: Ja, es ist fast unmöglich, in den urbanen Zentren Flächen für eine Logistiknutzung zu erhalten. Dies ändert sich jedoch schlagartig, wenn man der Stadt durch ein solches Konzept eine Entlastung des Verkehrs, des Lärms und der Umwelt liefern kann. Bei solchen Konzepten sind die Städte bereit, Flächen für die Logistik anzubieten bzw. zur Bebauung zu akzeptieren.

IZ: Herr Kühnhold, welche Vorteile würde ein Röhrensystem bringen?

Christian Kühnhold: Es entlastet die Ballungszentren um bis zu 1.500 Transportfahrten auf der vorletzten Meile. Das bedeutet vor allem weniger Verkehr und Stau, weniger Lärm und eine hohe Einsparung von CO2 und damit eine bedeutende Entlastung von Mensch und Umwelt.

IZ: Klingt erst mal gut. Aber ist das technisch sinnvoll? Wie tief müssen die Röhren denn liegen?

Kühnhold: Generell werden die Röhren in ca. 8 bis 10 m Tiefe verlegt. Damit liegen sie unter dem Kanalsystem sowie den Strom-, Gas-, und Telefonleitungen. Im Einzelfall könnten sich aufgrund besonderer Gegebenheiten Abweichungen ergeben.

IZ: Welchen Durchmesser müssen sie haben, um große Teile transportieren zu können?

Kühnhold: Für den geplanten Einsatzzweck haben die Röhren einen Durchmesser von 2,80 m, es werden nur Standardpaletten und normale Behälter mit den marktüblichen Packhöhen transportiert.

IZ: Ist das auch wirtschaftlich sinnvoll? Was würde ein Meter Röhre kosten?

Kühnhold: Die Kosten liegen für eine komplette Röhre auf 5 km Länge inklusive der benötigten Technik bei grob geschätzt etwa 60 Mio. Euro. Der Bau inklusive Fördertechnik ist damit um einige Größenordnungen günstiger als die traditionelle Infrastruktur mit Straße oder Schiene. Die Transportkosten sind letztlich vergleichbar mit den derzeitigen Kosten. Dies bei der geschilderten Entlastung von Mensch und Umwelt und dem im Vergleich zu klassischer Infrastruktur nur minimalen Platzbedarf.

IZ: Sie haben ja schon ein konkretes Projekt im Plan. Wie sieht das aus?

Kühnhold: Die aktuelle Studie für Hamburg wird exemplarisch für die Verbindung von Wilhelmsburg nach Hamburg-Altona durchgeführt. Es soll ein Lager in einer Distanz von etwa 5 km mit einem Verteiler in der Innenstadt verbunden werden. Von diesem Verteiler aus wird die letzte Meile durch Elektrofahrzeuge bedient. Es ist geplant, zwei Röhren parallel so zu verlegen, dass diese für Anlieferung und Entsorgung genutzt werden können. Etwa 5.000 Paletten pro Tag sollen so unterirdisch transportiert werden. Wir glauben, damit täglich etwa 1.000 Lkw-Fahrten pro Röhre vermeiden zu können.

IZ: Wem würde das Röhrensystem gehören? Wer soll der Eigentümer sein?

Bähr: Finanziert wird das Röhrenprojekt von einer Investorengesellschaft oder dem Immobilieninvestor. Für jedes System wird dann eine Betreibergesellschaft gegründet, welche die Anlagen betreibt und die notwendigen Hallenflächen mietet.

 Quelle: Four Parx
"Ein Jahr Bauvorlauf und zwei Jahre Bauzeit - wenn es alle wollen und genehmigen." Francisco J. Bähr

Quelle: Four Parx

IZ: Welche Eigenschaften müssen die Standorte dieser Immobilien aufweisen, um ein solches Röhrensystem sinnvoll betreiben zu können?

Bähr: Im Grunde müssen lediglich Flächen für City-Hubs mit ca. 4.000 m2 sowie für größere Logistikzentren oder Güterverteilzentren in der Peripherie mit mindestens 20.000 m2 zur Verfügung stehen.

IZ: Zum geplanten Projekt: Wann soll Baubeginn sein, und wann könnte der unterirdische Betrieb starten?

Bähr: Nach Abschluss der Studie rechnen wir mit einer Bauvorlaufphase von mindestens einem Jahr und einer Bauzeit von rund zwei Jahren - wenn es alle wollen und genehmigen. Es müssen also alle Beteiligten an einem Strang ziehen und diese innovative Lösung wirklich umsetzen wollen.

IZ: Wie ist der aktuelle Stand?

Bähr: Derzeit werden die rechtlichen, geologischen und städtebaulichen Möglichkeiten geprüft. Wir suchen gemeinsam mit der Stadt Hamburg für beide Projektseiten geeignete Standorte und Grundstücksflächen.

IZ: Wie genau werden Sie die Machbarkeit ermitteln? Per Simulation?

Kühnhold: Ja, wir nehmen Daten auf, werten aus und simulieren in einem ersten Schritt die Prozesse. Wir kümmern uns daneben um Trassenführung, den Röhrenbau und die notwendigen Flächen speziell für Hamburg. Die gesamte bautechnische Seite ist Stand der Technik und vielfach erprobt.

IZ: Welche Standorte haben Sie generell im Blick?

Bähr: Sollte die Studie für Hamburg positiv ausfallen, können wir uns dies für Standorte wie München, Stuttgart und Berlin vorstellen.

IZ: Gibt es schon einen Kostenplan bzw. ein Budget für das Projekt?

Bähr: Der Baukostenrahmen beläuft sich wie vorhin bereits ausgeführt auf etwa 60 Mio. Euro für das Röhrensystem. Hinzu kommen die beiden Immobilien am Ende der Röhre.

IZ: Inwiefern könnte ein erfolgreiches Projekt die Logistikimmobilie an sich verändern?

Bähr: Ein Röhrensystem fügt sich in die von uns entwickelten innovativen Logistikimmobilientypen "Global", "Connect" und "Mach2" als Einspeisestandorte sowie "City" als Hub in der Stadt sehr gut ein. Da sind nur geringe Anpassungen für die Andienung und den Abtransport der Paletten erforderlich.

IZ: Aber ist der Aufwand beim Bau nicht groß? Müssten auf der Strecke nicht Straßen gesperrt und Grundstücke aufgerissen werden, was zu einem Verkehrschaos in der City führen würde?

Kühnhold: Nein, im Gegenteil. Beim Rohrvortrieb werden nur in größeren Abständen Lüftungsschächte benötigt, es werden also keine Straßen aufgerissen.

Quelle: Smart City Loop
"Der Bau ist günstiger als die traditionelle Infrastruktur mit Straße oder Schiene." Christian Kühnhold

Quelle: Smart City Loop

IZ: Ist der Betrieb voll automatisiert oder müssen da auch Menschen runter?

Kühnold: Das System funktioniert vollautomatisch, in der Röhre werden keine Menschen arbeiten.

IZ: Sie planen derzeit ein System mit 5 km. Welche Distanzen sind maximal machbar?

Kühnhold: Die Frage der Distanz ist keine bautechnische Frage, da gibt es an sich keine Limits. Vielmehr muss man abwägen, was logistisch und kostenmäßig Sinn ergibt. Wir gehen aktuell von etwa 5 km standardmäßig aus, wobei Hamburg etwas länger sein wird.

IZ: Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie könnten solche Systeme in 20 Jahren aussehen?

Kühnhold: In 20 Jahren werden alle größeren Ballungszentren unterirdisch mit Waren ver- und entsorgt werden. Es ist aus unserer Sicht die praktikabelste und effizienteste Lösung für die vorletzte Meile.

IZ: Herr Bähr, Herr Kühnhold, wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Peter Dietz.

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