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Märkte | 27.06.2019

Aus IZ26/2019, S. 2

Von Philipp Pferschy

In diesem Artikel:
  • Personen:
    Philipp Pferschy
  • Immobilienart:
    Wohnen

Wohneigentum ist kein Renditegarant

Der Erwerb von Wohneigentum ist keine Zauberformel für Wohlstand, sagt Gieag-Vorstand Philipp Pferschy. Wer aus Gründen der Rendite kauft, könnte sich auf dem aktuellen Preisniveau verkalkulieren.

Urheber: Frank Stolle, <a href="http://www.frankstolle.com/" target="_blank">frankstolle.com</a>
Philipp Pferschy.

Urheber: Frank Stolle, frankstolle.com

Kauft Wohnungen, das schützt vor Altersarmut, mehrt den Wohlstand, macht glücklich, wirbt die Immobilienwirtschaft für ihre Produkte. Aber stimmt die Annahme, dass selbst genutztes Wohneigentum dem Vermögensaufbau stets zuträglich ist?

Wer heutzutage eine Wohnung in attraktiver Innenstadtlage einer der begehrten Großstädte kauft, zahlt erhebliche Aufschläge. Die Ströme aus den Speckgürteln zurück in die Innenstädte, die Nachholeffekte in Ostdeutschland sowie der Anlagedruck vieler internationaler Käufer, für die Deutschland weiterhin als erschwinglich und gleichzeitig sicher gilt, haben zu einer deutlichen Verknappung des Angebots beigetragen. Die Folge: Die Preise für Immobilien haben sich - auch dank der stetig steigenden Nebenkosten - in den vergangenen Jahren vervielfacht. In München, Hamburg und Frankfurt am Main, ja mittlerweile auch in Berlin kann sich selbst eine Familie mit einem Jahreseinkommen von 150.000 Euro kein Haus mit Garten in guter Lage mehr leisten. Ist das normal? Und wichtiger noch: Sollte Wohneigentum dann überhaupt noch erstrebenswert sein?

Wer beim Wohnungskauf an Renditen denkt, hat meiner Ansicht nach schon verloren. Steigen die Zinsen, so sinken die Beleihungswerte für alle Immobilien und infolgedessen fallen auch die Preise. Davor ist kein Eigentümer gefeit noch kann er solche globalen Entwicklungen voraussagen. Gleichzeitig lohnt der Blick auf die beim Kauf nur zu gern verdrängten und verschwiegenen Risiken des Lebensalltags. So ist das Eigenheim regelmäßig die größte finanzielle und emotionale Klippe im Scheidungsfall - nicht selten nehmen dann beide Seiten streitbedingt hohe Verluste in Kauf. Von notwendigen und kostspieligen Instandhaltungskosten, die auf jeden Eigentümer zukommen, ganz zu schweigen: Wer Dach, Fußboden, Elektrik, Küche und Bäder zumindest einmal im Leben erneuern will, wird sich wundern, wie rasch der theoretisch angepriesene Wertzuwachs dem praktischen Wertverzehr zum Opfer fällt.

Der aktuelle Erfolg des Baukindergelds, das vor allem mittlere Einkommen zum Erwerb von Wohneigentum in Anspruch nehmen, bestätigt den Bedarf der Menschen nach eigenen vier Wänden - erst recht, sobald Kinder ins Spiel kommen. Für mich steht nur fest, dass wir aufhören müssen, diesen Käufern das Blaue vom Himmel zu versprechen: Wohneigentum ist kein Wohlstandsgarant. Wer Wertsteigerungen und Renditen sucht, sollte anderswo suchen, im Eigenheim wird er es nicht finden - vielleicht aber ein Stück Heimat und Familienglück.

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