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Märkte | 20.06.2019

Aus IZ25/2019, S. 19

Von Katja Bühren

In diesem Artikel:

In NRW droht fast jedem fünften Laden das Aus

Quelle: Immobilien zeitung, Urheber: Thorsten Karl
Tausende Läden könnten bis 2030 in Nordrhein-Westfalen schließen. Mit Kreativität und Kooperationen sollten die an einem Handelsstandort Aktiven darauf reagieren.

Quelle: Immobilien zeitung, Urheber: Thorsten Karl

Nordrhein-Westfalen. Dem Einzelhandel geht landesweit die Puste aus. Bis zu 20.000 Geschäfte könnten bis zum Jahr 2030 schließen, heißt es in einer Studie des Beratungsunternehmens IFH Köln. Um dem drohenden Leerstand mit funktionierenden Konzepten zu begegnen, komme es auf die Zusammenarbeit aller an einem Handelsstandort Aktiven an, betonen die Autoren der Studie. Privaten und institutionellen Vermietern sowie den Mietern will zum Beispiel das Retail Cluster NRW bei der Ladenfindung zur Seite stehen.

Der Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen (NRW) ist im Wandel. Vor allem Digitalisierung, Verstädterung und Strukturwandel werden bis 2030 dafür sorgen, dass in dem Bundesland bis zu 20.000 Geschäfte schließen müssen, heißt es in der Studie "Handelsszenarien Nordrhein-Westfalen 2030", die das IFH Köln für das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes erstellt hat. Aufgrund von Datenanalysen und Expertengesprächen zeigt die Untersuchung die aktuelle Lage des Handels in NRW auf. Zudem bietet sie vier Szenarien, wie er sich im kommenden Jahrzehnt entwickeln könnte. In den beiden am wahrscheinlichsten zu erachtenden Ausblicken rechnen die Autoren mit 13.000 bis 20.000 Geschäftsschließungen. Auf Grundlage von rund 108.000 Einzelhandelsgeschäften, die 2018 in NRW gezählt wurden, wäre das ein Rückgang um bis zu gut 18%.

Bereits von 2010 bis 2018 ist die Zahl der Geschäfte um gut 6.600 gesunken (-5,8%), heißt es in der Studie. Am stärksten betroffen waren ländliche Kreise (-8% auf 3.704 Geschäfte), gefolgt von städtischen Kreisen (-6,1% auf 62.126 Geschäfte) und kreisfreien Großstädten (-5,2% auf 42.188 Geschäfte). Die Autoren empfehlen den an einem Handelsstandort Aktiven - Händler, Immobilieneigentümer, Kommunen sowie Kultur-, Gastronomie- und Freizeitbetriebe -, diesem Trend mit konsequenter Kundenorientierung, Bereitschaft zum Wandel und umfassender Zusammenarbeit zu begegnen. Zu einem ähnlichen Fazit kommt die von der Landesinitiative StadtBauKultur herausgegebene Untersuchung "Einkaufsstraßen neu denken - Bausteine für neue Perspektiven" (siehe "Wenn Kunden für immer wegbleiben", IZ 23/19).

In Zukunft werde die Trennung zwischen attraktiven und unattraktiven Handelsstandorten in NRW weiter voranschreiten, heißt es in der IFH-Studie. Sowohl in ländlicheren Regionen als auch in Stadtteilzentren und Quartieren von Großstädten werden sich die Handelsstandorte "auf die Nahversorgung fokussieren müssen". Der Einzelhandel dagegen werde sich auf Standorte "mit hinreichend großem Einzugsgebiet und breitem Angebotsspektrum aus Handel, Gastronomie, Dienstleistungen etc. sowie angenehmem Ambiente und guter Erreichbarkeit" fokussieren. Also vor allem auf die Haupteinkaufsstraßen von Großstädten und Shoppingcentern mit hoher Verweil- und Freizeitqualität.

Im kommenden Jahrzehnt zeichnen sich somit einige Veränderungen ab, was die Nutzung der Einzelhandelsflächen angeht. Vor allem mit Blick auf den zunehmenden Onlinehandel sagt Radu-George Moldovan, Leiter Ladenvermietung NRW bei Larbig & Mortag und verantwortlich für das Anfang des Jahres gegründete Retail Cluster NRW: "Es gibt kein Allheilmittel und keine Rezeptur, wie sich Händler, Vermieter und Kunden zusammen oder alleine auf die neue Marktsituation einstellen sollten oder müssten." Fakt sei aber, dass bekannte Abläufe und Mechanismen im stationären Handel hinterfragt werden müssten, um auf die aktuellen Herausforderungen reagieren zu können.

"Sicherlich werden künftig andere Flächenaufteilungen und Flächengrößen von den Retailern abgefragt werden", lautet Moldovans Einschätzung. Einzelhändler "müssen sich teilweise neu erfinden, damit das Einkaufen für den Kunden zum Erlebnis wird. So werden wir vielleicht in der Zukunft eher vom Retailment sprechen als nur vom reinen Handel." Vielversprechende Ansätze erkennt er in der neuen Kultur der Pop-up- und Concept-Stores, wo sich der Handel teilweise mit der Gastronomie vermischt. "Als Vorbild für Händler können Gastronomiekonzepte dienen, die es geschafft haben, aus dem simplen Bedürfnis, essen zu gehen, ein kulinarisches und visuelles Erlebnis zu machen."

Bei den Veränderungen in dieser Branche will das Retail Cluster NRW Vermietern und Mietern zur Seite stehen. Es ist ein Zusammenschluss der drei nordrhein-westfälischen NAI-apollo-Partner Cubion, Larbig & Mortag und imovo, die das Ruhrgebiet, den Raum Köln/Bonn sowie Düsseldorf abdecken und ihre Kräfte in der Vermietung von Handelsflächen in diesem Cluster bündeln. Damit deckt es ein Gebiet ab, in dem sich ein großer Teil der gut 100.000 Geschäfte befindet.

Ansprechen will das Maklerbündnis private und institutionelle Vermieter von Geschäften in B- bis absoluter Top-Lage, aber auch Start-ups und bekannte Filialisten. "Ein besonderes Augenmerk wollen wir auf den Bereich der Gastronomie legen und uns hier als einer der wenigen Fachberater und als Schnittstelle zu Architekten, Werbeagenturen, Kommunen, Getränkeindustrie etc. etablieren", sagt Moldovan. Nicht nur die Top-Lagen, sondern auch "relevante Stadtteillagen" seien von dem historischen Umbruch im Einzelhandel betroffen, schätzt Knud Schaaf, geschäftsführender Gesellschafter der imovo, die Lage ein. Und dort sei eine Vielzahl der Auftraggeber investiert. Ihnen wolle das Cluster langfristige und wertbeständige Lösungsansätze bieten. Die Retailvermietung sei im Gegensatz zur Bürovermietung kein Kirchturmgeschäft, so Markus Büchte, Vorstand bei Cubion Immobilien. Sie könne von einem Standort für eine größere Region abgedeckt werden. "Viele Eigentümer haben Grundbesitz über ganz NRW verteilt. Auf Mieterseite sind Filialisten und Franchiseunternehmen ohnehin in großen Suchradien unterwegs. Beiden Kundengruppen können wir hier gerecht werden."

Im Ruhrgebiet hätten Einzelhändler und Gastronomen vor allem Dortmund, Essen und Bochum im Blick. Darüber hinaus sei "Oberhausen mit dem Centro den meisten Konzepten auch ein Expansionsziel", weiß Moldovan. In der Region Köln-Düsseldorf habe der Handel viel an Dynamik verloren und die Konkurrenz aus dem Onlinehandel einen Rückgang der Vermietungen z.B. an Textiler verursacht. Stark expansiv seien dagegen die verschiedensten Lebensmittelkonzepte sowie Drogerien. Aufgrund ihrer kreativen Flächenplanung könnten sie auch Untergeschosse und reine Obergeschosse in Zentrumslagen bespielen.

Auffällig sei zudem die steigende Nachfrage der Gastronomiebranche, auch in Ia-Lagen. "Durch die neuen technischen Optionen wird die Gastronomie zum Beseitiger des Leerstands in Top-Lagen", so Moldovan. "Auch die meisten Start-ups wachsen aus dieser stark expandierenden Branche. Diese Marktbewegung lässt sich in Metropolen wie Düsseldorf, Köln, und Dortmund sowie über deren Stadtgrenzen hinweg beobachten."

Die Studie "Handelsszenarien Nordrhein-Westfalen 2030" ist kostenlos erhältlich.

Die Studie "Einkaufsstraßen neu denken" gibt es kostenlos im IZ-Shop.

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