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Unternehmen | 20.06.2019

Aus IZ25/2019, S. 6

Von Christine Rose

In diesem Artikel:

"Wir müssen viel mehr in die Rolle des Dienstleisters"

Quelle: i Live Holding GmbH
Im Juli eröffnet in Ingolstadt ein Wohnkomplex, der 248 Mikroapartments von i Live und 80 Eigentumswohnungen der Essinger Wohnbau umfasst. Hier wird es geben, was auch für Art-Invest-Projekte geplant ist: App und Serviceangebote für alle.

Quelle: i Live Holding GmbH

Im Herbst vergangenen Jahres haben sich Art-Invest Real Estate und der Mikrowohnungsbauer und -betreiber i Live zusammengetan, um das voranzutreiben, was sie für die Zukunft halten: gemischt genutzte Immobilien und Quartiere und ein Betreiberkonzept, beides stark orientiert an den Wünschen der Generation Y. Projekte sind noch in Verhandlung, aber einen Arbeitstitel gibt es schon. Er lautet we Live - the place to be.

Wie Menschen wohnen, leben und arbeiten wollen, ändert sich - und Entwickler versuchen, dem zu folgen. Die zur Zech-Gruppe gehörende Art-Invest beteiligte sich vor sechs Jahren an dem Coworkinganbieter Design Offices, um die Gewerbeimmobilienpalette bestehend aus klassischem Büroraum, Hotel und Einzelhandel zu erweitern. Seither sind in einige Bürogebäude oder in gemischt genutzte Entwicklungen wie das derzeit entstehende I/D Cologne in Köln flexible Bürokonzepte und Coworkingflächen integriert worden.

Es ist ein Schritt auf die Generation Y zu: die in etwa 20- bis 35-Jährigen, oft Freiberufler, die ihre eigenen Ziele erreichen wollen, dabei flexibel - sprich: nicht an lange Mietverträge gebunden - sein möchten. Die mit Blick auf ihrer Ansicht nach Nebensächliches wie die Grundversorgung mit Lebensmitteln und den Frisörbesuch kurze Wege und schnellen Service auf Abruf schätzen. Die Privatheit mögen, denen es aber ebenso wichtig ist, sich jederzeit in ein Netzwerk einklinken zu können. So jedenfalls umreißt Amos Engelhardt, geschäftsführender Gesellschafter der auf Mikrowohnungen fokussierten i Live, die Wünsche vieler der im Zeitalter der Digitalisierung Aufgewachsenen.

Engelhardt meint zu wissen, was diese Mieter wollen: "Es geht über das reine Wohnen und Arbeiten hinaus. Wir müssen viel mehr in die Rolle des Dienstleisters rein, mit einer App auf Kunden zugehen. Sonst haben wir in ein paar Jahren womöglich leer stehende Räume." Um Wünschen und Trends auf die Spur zu kommen, befrage i Live regelmäßig seine Mieter. "Das ist essentiell, macht die Immobilienbranche aber viel zu wenig", sagt der i Live-Chef.

Vor einigen Monaten hat Art-Invest 26% an i Live übernommen. Mit dem in Aalen ansässigen Unternehmen soll die Produktpalette erweitert und stärker auf die junge Generation zugeschnitten werden. i Live plant und baut Mikrowohnungen und Serviced Apartments, verkauft einzelne Einheiten und gesamte Immobilien und betreibt sie in der Regel danach selbst. Derzeit bewirtschaftet das Unternehmen knapp 2.700 Kleinstwohnungen in 13 Städten, von Berlin bis nach Ravensburg nahe dem Bodensee. In den Häusern gibt es einen Ansprechpartner (Community Manager), zudem bietet i Live eine App, mit der Services abgerufen, Informationen ausgetauscht und Gemeinschaftsräume gebucht werden können.

Angedacht ist nun, das Konzept von i Live weiterzuentwickeln und auf die Produktpalette von Art-Invest zu übertragen. Der Arbeitstitel: we Live - the place to be. "Wir sehen, dass es für alle immer interessanter ist, wenn Quartiere gemischt genutzt werden", sagt Markus Wiedenmann, geschäftsführender Gesellschafter von Art-Invest. "Und diese Mischnutzung soll überlagert werden mit interessanten Konzepten wie einer Quartiersapp und einem guten Mobilitätskonzept."

Was Art-Invest, i Live und Design Offices vorschwebt, ist Arbeiten, Leben, Freizeit und gemanagtes Wohnen miteinander zu verknüpfen. Indem sie entsprechende Räumlichkeiten schaffen, sie rund um die Uhr kurz- und längerfristig verfügbar machen und um Dienstleistungen ergänzen. Wichtig sei, dass sich der Standort zu einem Hot Spot entwickle, sagt Engelhardt. "Ziel ist es, eine Marke zu schaffen, die als cool gilt."

Als einen Schlüssel dazu sieht er, Raum für Künstler und Start-ups zu bieten. Durch Büroarbeitsplätze, die jederzeit zu buchen, für mindestens eine Stunde zu nutzen und auch in der Nacht aufzusuchen sind - 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. "Kreative arbeiten nicht mehr nine to five", erklärt Engelhardt. Was bisher auf Mieter von i-Live-Immobilien beschränkt war, soll von allen im Quartier gebucht werden können: die Gemeinschaftsküche, der kleine Sportplatz auf dem Dach, Räume, die pro Tag für ganz Unterschiedliches genutzt werden können - nachmittags für den Yogakurs, abends für eine Bandprobe und über ein paar Tage für ein Kunstprojekt. "Langfristige Mietverträge will kein Mensch mehr."

Dem i-Live-Chef schwebt noch vieles vor: Köche, die die "Community" bekochen, ein Restaurant mit Skybar, "coole Shops", Räume, die sich für Events wie E-Game-Wettbewerbe eignen, womöglich eine kleine Surfanlage, eine Fitnesskette als Mieter, die selbst Fesches wie einen DJ bietet, Carsharing-Angebote, Dienste wie Wäsche- und Lebensmittellieferservice und natürlich die Vernetzung der Nutzer. Das ziehe auch große Unternehmen an, ist er sich sicher (siehe auch "Wie Coworking die Bürovermietung verändert"). "Die müssen Mitarbeiter von sich überzeugen. Und junge Leute wollen in ein kreatives Umfeld."

Es gibt bereits Entwicklungen dieser Art. Das Quartier Schwabinger Tor in München kann einem da einfallen, ein Projekt der Jost-Hurler-Gruppe. Auch hier wird auf eine Community-App gesetzt und darauf, für Bewohner des ganzen Stadtteils ein interessanter Anlaufpunkt zu sein. Das Schwabinger Tor wurde 2017 fertiggestellt. Das we-Live-Konzept ist noch nicht umgesetzt. Man sei mit einer Stadt in konkreter Verhandlung über die Nutzung eines Objekts, ein zweites Projekt sei vage in der Planung, sagt Engelhardt. Welche Ideen am Ende auf eine Immobilie übertragen werden, bleibt also noch abzuwarten.

Derweilen will i Live auch in seinem angestammten Segment, den Mikrohäusern, wachsen. Bis Jahresende sollen weitere vier Häuser an den Start gehen, dann knapp 3.400 Einheiten in Betrieb sein. Ein weiteres Etappenziel ist, in drei bis vier Jahren 8.000 bis 10.000 Wohnungen unter den Fittichen zu haben. Dafür will i Live noch in diesem Jahr seine Betreiberdienste Dritten anbieten.

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