Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Projekte | 13.06.2019

Aus IZ24/2019, S. 25

Von Alexander Heintze

In diesem Artikel:

HBB schafft Münchens neuestes Einkaufszentrum

 Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Heintze
Die Innenarchitektur des Forums Schwanthalerhöhe stammt von Schwitzke & Partner, die Entwürfe für den Umbau lieferte das Büro RKW Architektur +.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Heintze

München. Im zweiten Anlauf hat es endlich geklappt. Ein sichtlich erleichterter HBB- Geschäftsführer Harald Ortner hat das Shoppingcenter Schwanthalerhöhe eröffnet. Nun beobachtet die Branche gespannt, ob das Konzept aufgeht.

München hat mit dem Forum Schwanthalerhöhe im Westend ein weiteres Shoppingcenter bekommen. Mit 90 Shops auf 40.000 m² Verkaufsfläche ist das Forum die Nummer vier nach den Riem-Arcaden (140 Geschäfte/60.000 m² Verkaufsfläche), dem Pep in Neuperlach (135/60.000 m²) und dem Olympia-Einkaufszentrum (135/56.000 m²).

Im Unterschied zur Konkurrenz steht das Center jedoch in der Münchner Innenstadt. Auf dem früheren Brauereigelände, direkt oberhalb der Theresienwiese, auf der im Herbst das Oktoberfest stattfindet, hatten sich schon mehrere Einzelhändler versucht. Zunächst hatte Karstadt dort bis 2010 ein Einrichtungshaus. Als Karstadt aufgab, zog der Möbelhändler XXXLutz bis 2013 in das Gebäude. Danach stand die Immobilie einige Jahre leer und verfiel zunehmend. Einzig der MediaMarkt hielt sich beständig in dem Ensemble. Schnell wurde aus dem Standort eine Problemlage.

Die Voraussetzungen für einen Neuanfang waren also nicht sonderlich gut. Dennoch trauten sich der Hamburger Centerentwickler HBB Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft und die Bayerische Hausbau aus München gemeinsam an den Komplex. Jeder entwickelte einen Teil des Gebäudes in eigener Regie. Ihren Teil bekam die Hausbau termingerecht Ende vergangenen Jahres fertig. Auf 15.000 m² sind unter anderem Edeka, ein Vollcorner-Biomarkt und das Gastronomiekonzept L'Osteria und MediaMarkt eingemietet.

Den mit 25.000 m² weitaus größeren Teil entwickelte die HBB. Geplant war eigentlich eine gemeinsame Eröffnung. Doch es gab immer wieder Verzögerungen beim Bau. Schließlich musste sogar ein für Ende März angesetzter Termin kurzfristig verschoben werden, da es Probleme mit dem Brandschutz gab. Nicht nur für den Generalunternehmer Züblin eine peinliche Angelegenheit. Die meisten Geschäfte warteten voll eingeräumt auf die Eröffnung. Der Streit, wer für den Schaden aufkommt, ist noch nicht beigelegt. Zuletzt gab es Gerüchte, Züblin könne auch den neuen Termin nicht einhalten. Diese erwiesen sich als unbegründet, auch wenn bis zum letzten Tag gearbeitet wurde.

Die Verzögerung im Bau war nicht die einzige Herausforderung für die HBB. Über dem Ensemble aus den 1970er Jahren stehen drei Wohntürme mit fast 430 Eigentümern. Zudem ist das Grundstück mit mehreren Dienstbarkeiten belegt und die geteilte Tiefgarage musste zu einem Parkplatz mit rund 1.000 Plätzen vereint werden. Bisher investierte die HBB 240 Mio. Euro in die Revitalisierung und den Umbau.

Heute ist die Immobilie nicht mehr wiederzuerkennen. Aus den zwei dunklen Passagen, die das Gebäude einst durchzogen, ist eine helle Ladenstraße geworden. Auf drei Ebenen sind insgesamt 90 Shops untergebracht. Neben den herkömmlichen Ankermietern wie H&M, Lidl, Decathlon und Smyths Spielwaren, der früheren Toys‘R'Us, versuchte die HBB vor allem neue Konzepte und regionale Anbieter in die Mall zu bekommen. So eröffnen etwa das italienische Modelabel Primadonna, Müller Parfümerie und das Modegeschäft Two by Two erstmals einen Laden in München. Hinzu kommen regionale Konzepte wie das Münchner Label Stil.Garage. Der Gastronomieanteil beläuft sich auf etwas mehr als 10%. Aktuell seien fast alle Läden vermietet, so Ortner. Für die letzten freien Flächen würden derzeit gezielt Konzepte gesucht, die das Sortiment ergänzen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Heintze
Viel Wert wurde auf die Aufenthaltsqualität und das Lichtdesign gelegt. Letzteres stammt von Ingo Maurer.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Heintze

Auch technisch ist die Schwanthalerhöhe auf dem neuesten Stand. Alle Räume sind digitalisiert hinterlegt. Eine Überwachungsanlage, die auf künstlicher Intelligenz basiert, erkennt Gefahrenlagen, Vandalismus und andere Ereignisse automatisch und informiert das Sicherheitspersonal (siehe "Künstliche Intelligenz im Center"). Ein eigener Forum-Mitgliedsclub, an dem sich Geschäfte beteiligen, soll die Kunden binden.

Um die wichtige Aufenthaltsqualität zu steigern, wurde viel Wert auf die Inneneinrichtung gelegt. Eine 75 m² große Lichtdecke zeigt unterschiedliche Lichtstimmungen, die sich an der Tages- und Jahreszeit orientieren. So sind die Farben vormittags eher pastellig wie der Sonnenaufgang, mittags soll der strahlende Himmel mit weißen Wolken simuliert werden. An Weihnachten sollen an der Decke dann Sterne von einem nachtblauen Himmel leuchten.

Eine fast 10 m hohe und 17 m breite Installation aus 4,5 kg schweren Kugeln, die einmal in Schwingung versetzt gut eine Stunde lang in verschiedenen Schlangen- und Wellenmustern hin und her pendeln, soll die Besucher ebenso im Center halten wie zahlreiche Loungebereiche. In einem Coworkingbereich mit Tischen und Ladestationen im Untergeschoss sollen Schüler Hausaufgaben machen und Geschäftsleute zwischendurch bei einer Tasse Kaffee arbeiten können.

Trotz aller Euphorie steht der HBB in München die Bewährungsprobe noch bevor. Nachdem die Möbelhäuser an dem Standort gescheitert sind, muss sich die Lage als Einkaufspunkt erst etablieren. Ob sich einige teilweise hochpreisige Marken als Mieter in dem eher gemischten Stadtviertel auf Dauer halten werden, muss sich ebenfalls zeigen.

Für die HBB ist ein Erfolg des Centers ausgesprochen wichtig. Das Unternehmen war bisher vor allem in Mittelstädten aktiv. Mit München wurde nun erstmals ein Center in einer Großstadt vollendet. Es soll gleichzeitig die Empfehlungskarte für den süddeutschen Raum sein. "Wir haben im Süden noch viel vor", sagt Ortner. Schwierige Aufgaben gäbe es genug. Das Augsburger Schwabencenter hat zwar erst vor kurzem den Eigentümer gewechselt. Als Partner könnte die HBB aber für den neuen Eigentümer Solidas interessant sein, da die Schwierigkeiten ähnlich gelagert sind, etwa mit drei Wohntürmen über dem Center. Als nächstes will die HBB bis 2021 das 18.000 m² große Krohnstieg Center im Hamburger Norden runderneuern. Damit hat sich das Unternehmen endgültig als Nummer drei der Shoppingcenterentwickler nach ECE und Unibail-Rodamco etabliert.

Legende:

  • Haus
  • Straßenabschnitt
  • Wohnquartier
  • Ortsteil
  • Ort
  • Bundesland / Land
  • Projekt

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!