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Projekte | 13.06.2019

Aus IZ24/2019, S. 24

Von Dagmar Lange

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Pforzheim
  • Unternehmen:
    Versandhaus Bader
  • Organisationen:
    Stadt Pforzheim, BTE Handelsverband
  • Personen:
    Joachim Will, Rolf Pangels, Klaus Bader, Klaus Mack, Hans-Ulrich Rülke, Peter Boch, Sibylle Schüssler
  • Immobilienart:
    sonstige Center (grüne Wiese)

Streit um Outletpläne auf dem Gelände von Versandhaus Bader

Quelle: Bruno Bader GmbH
Visualisierung des Outletcenters in Pforzheim, für das nicht nur städtische Beschlüsse fehlen, sondern auch Klagen aus der Region erwartet werden.

Quelle: Bruno Bader GmbH

Pforzheim. Politiker und Lobbyisten, Vereine, Verbände und Wirtschaftsberater haben sich bereits für oder gegen das geplante Factory-Outlet-Center auf dem Gelände des Versandhauses Bader geäußert. Tatsache ist bisher nur: Die Pläne stocken. Nun spricht sich auch der Fachverband BTE in einer Analyse gegen den geplanten Standort aus.

Gut Ding will Weile haben, heißt es. Doch was gut für die Stadt Pforzheim, für die Innenstadtentwicklung und den ansässigen Einzelhandel, für die Region und den Tourismus ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Wie berichtet (siehe "Versandhaus Bader plant ein Outletcenter", IZ 9/19) wurde durch die Bauvoranfrage der Bruno Bader GmbH & Co. KG öffentlich, dass das Versandhaus Bader aus seinem früheren Logistikzentrum in der Adolf-Richter-Straße eines der größten Factory-Outlet-Center (FOC) Deutschlands machen will. Seit über zwei Jahren ist der Standort verweist, weil das Versandhaus seit November 2017 ein neues, 78.000 m2 großes Logistikzentrum in Östringen (Landkreis Karlsruhe) betreibt. Pforzheim ging leer aus, weil die Stadt die notwendigen Flächen nicht bieten konnte. Jetzt steht ein 40 Jahre alter Gebäudekomplex mit 68.000 m2 Bruttogrundfläche im Brötzinger Tal leer und harrt auf eine Entscheidung zur Nachnutzung.

Frühere Bemühungen von Bader für Wohnungen über Büro- und Lagernutzungen scheiterten am bestehenden Bebauungsplan. Dann kam Bader die Idee mit dem FOC, das mit etwa 24.000 m2 Verkaufsfläche zu den größten Fabrikverkaufsgeländen Deutschlands gehören würde. Im Umfeld würden nur Zweibrücken mit etwa 27.000 m2 Verkaufsfläche und Metzingen mit ca. 30.000 m2 Verkaufsfläche den geplanten Standort Pforzheim größenmäßig übertrumpfen.

Doch die Größe allein macht kein erfolgreiches FOC. Es braucht verlockende Markenartikler, ein Umfeld, das für Erlebnis sorgt, und nicht zuletzt vor allem die Zustimmung des lokalen wie des regionalen Einzelhandels, der sich durch die Onlinekonkurrenz bereits stark gebeutelt sieht. Genau an diesen Themen reiben sich seit Monaten Gegner wie Befürworter eines Pforzheimer FOC.

Starken Aufwind bekam das Thema im Kommunalwahlkampf. Der Pforzheimer FDP-Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Rülke warf Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) und Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler (Bündnis 90/Die Grünen) vor, eine Entscheidung zum Projekt auf die lange Bank zu schieben. Damit würde der komplette Wegzug von Bader aus Pforzheim riskiert und dazu viele Hundert Arbeitsplätze. Zu den Vorwürfen gehört auch, dass die Stadtverwaltung das Outletprojekt torpediere, weil Ten Brinke als Investor der Innenstadt-Ost dazu aufgefordert habe. Der Investor errichtet rund ums Rathaus ein 10.000 m2 großes Mischquartier, bei dem der Schwerpunkt aber nicht auf Einzelhandel liegt, sondern auf Wohnungen, Gastronomie und Dienstleistungen. Die Anwürfe wurden von der CDU-Fraktion und OB Boch sogleich zurückgewiesen, eine breite Mehrheit des Gemeinderats stünde dem FOC aufgeschlossen gegenüber.

Fakt ist aber, dass der Gemeinderat Mitte Mai entschieden hat, das Thema FOC zunächst im zuständigen Fachausschuss zu beraten. Erst nach der Sommerpause kommen die Bader-Pläne wieder auf die Tagesordnung. Tatsache ist auch, dass das Unternehmen Bader seine Bauvoranfrage so lange ruhen lässt, bis die planungsrechtlichen Voraussetzungen vorliegen. Laut OB Boch ist das naheliegend, weil der derzeitige Bebauungsplan im Brötzinger Tal Einschränkungen für Einkaufszentren und großflächigen Einzelhandel vorsieht. Derzeit hätte also das Baurechtsamt keine andere rechtliche Möglichkeit, als die Bauvoranfrage abzulehnen. Abgesehen davon sehen u.a. die CDU-Regionalräte ein Problem in der "blumigen anderthalbseitigen Projektbeschreibung", sprich sie ist ihnen zu dünn.

Unternehmer Klaus Bader vermisst ein klares Zeichen des Gemeinderats. "Doch für weitere Entscheidungsprozesse zum Beispiel des Regierungspräsidiums wird gerade diese Willensbekundung gefordert, um tätig werden zu können." Und weiter bekundet Klaus Bader in einem Statement gegenüber der Pforzheimer Zeitung, dass seine Firma nun die Planungen stoppen müsse, weil Markenhersteller Planungssicherheit forderten. Dazu käme, dass Baukapazitäten nicht gesichert werden könnten. "Haben diese stillschweigenden und ablehnenden Parteien aus CDU, SPD und Grünen eine Vorstellung darüber, was es heißt, ein Großprojekt von zig Millionen Euro zu realisieren? Nicht mal eine einfache Willensbekundung scheint möglich", kritisiert Bader.

Rückenwind für die Outletpläne kommen vom Vorstand des Vereins "Pforzheim mitgestalten", aber auch aus dem Umland. Denn Bader rechnet mit bis zu drei Millionen Besuchern jährlich. Aus touristischer Sicht sieht Klaus Mack, Bürgermeister von Bad Wildbad, Vorteile. Seine Stadt biete in geringer Entfernung zur Stadtbahn Übernachtungsmöglichkeiten, das FOC könne die Aufenthaltsdauer von Gästen erhöhen, den Wohnwert der Bürger stärken und insgesamt Wertschöpfung und Kaufkraft in der Region halten. Ähnlich sehen es die Verantwortlichen in Birkenfeld. Die Stadt Mühlacker und die Gemeinde Schömberg halten sich noch zurück, wollen erst die Detailplanungen abwarten. Dazu gehört eine Auswirkungsanalyse von GMA im Auftrag des Investors.

Zu den Kritikern eines FOC in Pforzheim gehört der BTE (Fachverband des Textileinzelhandels), der in Bezug auf Pforzheim erstmals eine Auswirkungsanalyse vorlegte. Darin geht der BTE von einem Umsatzvolumen auf dem Bader-Areal von 118 Mio. bis 128 Mio. Euro aus, rund 87% davon würden sich durch Umverteilungen im Einzugsgebiet ergeben. Dazu zählt der BTE auch die benachbarten Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz. Die Umsatzverlagerungen im Naheinzugsgebiet von berechneten 29% würden vor allem zulasten der Pforzheimer Innenstadt gehen. Und letztlich widerspreche das FOC in der jetzigen Plan- und Standortvariante "sowohl übergeordnet als auch regionalspezifisch nahezu sämtlichen Planungsvorschriften", so Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels. Er geht von mittleren bis hohen negativen städtebaulichen Auswirkungen für die Stadt, aber auch für einige Mittelzentren im Kern- und Naheinzugsbereich aus.

Joachim Will, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens ecostra und FOC-Fachmann, sieht aufgrund der vier Geschosse Probleme bei der Vermietung an Markenhersteller, denn dafür gebe es keine Nachfrage. Es könne "bestenfalls ein Off-Price-Center mit nur regionaler Ausstrahlung" werden. Dieses würde Umsätze vor allem mit Kunden tätigen, die bereits bisher in Pforzheim eingekauft haben, nicht aber Kunden aus Karlsruhe oder Stuttgart anlocken. Diese Option wäre in der Tat für Pforzheim gefährlich.

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