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Politik | 13.06.2019

Aus IZ24/2019, S. 23

Von Volker Thies

In diesem Artikel:

So stellt sich die Stadt Frankfurt ihr Wachstum bis 2030 vor

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Volker Thies
Platz zum Wohnen und Arbeiten, eine vernünftige Verkehrserschließung, Grünflächen und frische Luft: Das alles und noch viel mehr versucht die Stadt Frankfurt unter einen Hut zu bringen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Volker Thies

Frankfurt. Mit ihrem Integrierten Stadtentwicklungskonzept will die Stadtverwaltung die Wachstumschancen für Frankfurt bis zum Jahr 2030 skizzieren. Die sind angesichts einer dichten Bebauung und geschützter Naturräume knapp. Für 70.000 Wohnungen und etwas mehr Gewerbe wird es aber wohl noch reichen.

Mal eben ein Projekt entwerfen, Baurecht bekommen und dann realisieren: Das können sich Projektentwickler in Frankfurt abschminken. "Einfach zu entwickelnde Flächen wird es in Frankfurt überhaupt nicht mehr geben", sagte Planungsdezernent und Stadtrat Mike Josef (SPD) bei der Präsentation des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (Istek), mit der die Stadtverwaltung die Leitlinien für das weitere Wachstum bis über das Jahr 2030 hinaus vorgeben will. Dazu wurden in den vergangenen Jahren mehr als 220 Flächen intensiv daraufhin begutachtet, was mit ihnen anzufangen ist.

Wenig verwunderlich im stark verdichteten Frankfurt: Praktisch jedes dieser Areale weist planerische Hürden auf. Mal ist die Verkehrserschließung schwierig, mal die Nähe zu störenden Nachbarnutzungen, mal droht die Kappung der Frischluftzufuhr für das überhitzte Stadtzentrum, mal gibt es möglicherweise Verunreinigungen im Boden und mal soll wertvoller Naturraum erhalten bleiben.

Diese und viele weitere Aspekte haben die Stadtplaner in den vergangenen fünf Jahren gegeneinander abgewogen. Grüngürtel, Stadtwald und Kleingärten waren für die Überplanung von vornherein tabu. "Dennoch haben wir Platz für rund 70.000 Wohnungen", bilanzierte Josef. Diese sollen zu 60% durch die Innenverdichtung entstehen und zu 40% durch Wachstum an den Rändern des Stadtgebiets. Der geplante Stadtteil im Nordwesten macht rund ein Drittel der Außenentwicklung aus. Die Planung geht davon aus, dass Frankfurt im Jahr 2030 rund 840.000 Einwohner haben wird.

Priorität werden acht sogenannte Schwerpunkträume haben, die zum Teil bereits jetzt entwickelt werden. Dabei hat die Stadt neben den reinen Wohn- oder Gewerbeflächen vor allem Infrastruktur wie Straßen, U-Bahnen, Schulen, Kindergärten, Grünflächen und Freizeiteinrichtungen im Blick. Zu den Schwerpunkträumen gehört der umstrittene neue Wohnstadtteil im Nordwesten beiderseits der Autobahn 5 mit bis zu 550 ha Fläche, 3.000 bis 5.000 Wohnungen im Nordosten, die durch die Einhausung der Autobahn 661 möglich werden sollen, und die Verdichtung von Siedlungen aus den 1950er und 1960er Jahren in den Stadtteilen Ginnheim, Dornbusch, Eckenheim und Preungesheim, die zudem durch eine neue U-Bahn-Linie besser erschlossen werden sollen. In der Innenstadt sind Aufwertungen verschiedener Straßenzüge und ein zusätzlicher Baukörper an der Konstablerwache geplant. Darüber hinaus werden dort weitere Hochhäuser hinzukommen. Der Hochhausrahmenplan wird derzeit weiterentwickelt.

Mit einem Wohnquartier am Römerhof will die Stadtverwaltung das Europaviertel im Westen weiterbauen. Besonderes Augenmerk soll zudem auf den ebenfalls westlichen Stadtteilen Griesheim und Nied liegen, die zusammen einen weiteren Schwerpunktraum bilden. Beide werden unter Frankfurter Immobilienleuten gerne als nächstes Zielgebiet für innerstädtische Projektentwicklungen genannt, nachdem dieser Trend im Gallus im vollen Lauf ist. Dabei wird das abzusehende Ende des Industrieparks Griesheim als Chemiestandort ebenso eine Rolle spielen wie eine Verbesserung des schwachen Einzelhandelsangebots.

Weitere größere Schwerpunkte für Nachverdichtung oder auch neue Quartiere identifiziert das Istek im Westen von Zeilsheim und Sindlingen, am Westrand von Unterliederbach, in weiten Teilen Sossenheims, im Süden Niederrads, im Norden von Bonames und im Norden von Bergen-Enkheim. Zur Umwandlung in ein urbanes Mischgebiet mit höherem Wohnanteil neben dem bestehenden Gewerbe kommt neben dem Gutleuthafen auch der Osten des Gewerbegebiets an der Borsigallee in Bergen-Enkheim infrage. Der nördlichste Zipfel des Stadtgebiets rund um Nieder-Erlenbach ist für eine langfristige Untersuchung auf weitere Wohnbauflächen vorgesehen. Dabei handelt es sich um den sogenannten Pfingstberg, dessen Überplanung als Wohngebiet ein anhaltendes Streitthema in der Stadtpolitik ist.

Josef betonte, dass trotz des hohen Stellenwerts der Wohnungsversorgung das Gewerbe keinesfalls vergessen werde. "Nicht jede Gewerbefläche, die etwas untergenutzt ist, muss sofort in Wohnraum umgewandelt werden", sagte Josef. Vielmehr gelte es, Lösungen zur Reaktivierung zu finden. In dieser Hinsicht will sich die Stadtverwaltung zunächst auf Sossenheim und Rödelheim konzentrieren, wo die Verkehrsanbindung im Argen liegt und eine kompaktere Struktur möglich erscheint. Verdichtungspotenzial für Gewerbe sollen aber auch die Industrieparks Höchst und Griesheim sowie die Gewerbegebiete bei Fechenheim und Bergen-Enkheim bieten. Auf der grünen Wiese könnten Gewerbeflächen nordwestlich von Zeilsheim, westlich von Niederursel jenseits der Autobahn 5, westlich von Nieder-Eschbach und ganz im Osten an der Grenze zu Bischofsheim entstehen.

Ob und wie das Istek umgesetzt wird, ist jedoch fraglich. In der Koalition aus CDU, SPD und Grünen, die die Stadtregierung trägt, gibt es keine Mehrheit für das Papier. Grund dafür ist die Tatsache, dass jeder Partner seine Klientel in verschiedenen Stadtteilen geballt sieht und seinen Wählern möglichst wenig Neubauten vor die Nase setzen will. Josef betonte, dass in der Ausarbeitung des Istek auf solche Befindlichkeiten keine Rücksicht genommen worden sei. Man habe sich bemüht, alle Interessengruppen und alle Stadtteile gleichermaßen mit möglicher Verdichtung zu belasten. Welche Entwicklung wann angegangen werde, sei ohnehin Sache von einzelnen Entscheidungen. "Wir sind in konstruktiven Gesprächen, damit das Istek von der Politik getragen und beschlossen wird", fasste Josef zusammen.

Auch in Verhandlungen mit dem Regionalverband FrankfurtRheinMain und den Nachbarkommunen wird der Frankfurter Entwurf eine Rolle spielen. Schließlich kommt es immer wieder zu Konflikten, wenn die Großstadt ihren kleineren Nachbarn mit neuen Bauprojekten an den Grenzen zu Leibe rückt. Mit dem Istek als Planungsgrundlage will Frankfurt in die Verhandlungen über einen neuen regionalen Flächennutzungsplan starten, die in Kürze beginnen und Entwicklungsflächen in der Region erschließen sollen. Josef betonte, dass Frankfurt und die Region sich nur gemeinsam fortentwickeln können. Frankfurt habe mit dem Istek vorgelegt. "Es kann nicht sein, dass wir uns hier abmühen, und die anderen schauen zu und verteilen Haltungsnoten", sagte er.

Jetzt seien die Nachbarkommunen, der Regionalverband und das Land Hessen an der Reihe. "Und das nicht alleine, indem man rote Punkte auf den Flächennutzungsplan zeichnet, sondern mit der konkreten Unterstützung von Projekten in der Region", forderte der Stadtrat. Beispielsweise müsse das Land Kommunen beim Ausweisen von Bauland finanziell unterstützen, die dies nicht alleine schaffen.

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