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Märkte | 13.06.2019

Aus IZ24/2019, S. 22

Von Volker Thies

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Frankfurt am Main
  • Organisationen:
    Stadt Frankfurt am Main, Universität Stuttgart, Mieter helfen Mietern
  • Personen:
    Marcus Gwechenberger, Gerd Kuhn, Conny Petzold
  • Immobilienart:
    Wohnen

"Wohnungsinvestoren versagen seit 120 Jahren"

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Volker Thies
Eine Dominanz privater Investoren und mutlose Architektur prägen nach Ansicht der Diskussionsteilnehmer den heutigen Wohnungsbau in Frankfurt.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Volker Thies

Frankfurt. Falls sich Wohnungsinvestoren inkognito unter die Gäste eines Diskussionsabends im Historischen Museum gemischt haben sollten, bekamen sie wenig Angenehmes über ihren Berufsstand zu hören.

Das Historische Museum und das Deutsche Architekturmuseum hatten unter dem Titel "Bezahlbares Wohnen" zu einem Meinungsaustausch geladen. Die Veranstaltung gehörte zum Rahmenprogramm einer Ausstellung über das Neue Frankfurt, das Stadtbauprogramm, das von 1925 bis 1930 den Bau von rund 12.000 Wohnungen ermöglichte. Aus den historischen Erfahrungen heraus sollten Strategien gegen den heutigen Wohnungsmangel in der Stadt diskutiert werden.

Bis auf Marcus Gwechenberger, der das Planungsdezernat der Stadt vertrat, waren sich die Podiumsteilnehmer einig, dass derzeit deutlich zu wenig für die Versorgung mit Wohnraum geschieht. Gerd Kuhn, der an der Universität Stuttgart zu Stadtplanung und Wohnungspolitik forscht, formulierte eine scharfe Kritik: "Der Markt versagt seit 120 Jahren regelmäßig bei der Schaffung von Wohnraum." Das gelte insbesondere für die Wohnungsversorgung ärmerer Bevölkerungsgruppen. "Es ist beschämend, dass eine so große Stadt wie Frankfurt ihren Städtebau viel zu stark auf private Investoren ausrichtet. Das muss man aufbrechen", forderte Kuhn. Auch öffentliche Wohnungsbaugesellschaften, wie die Frankfurter ABG, müsse man erst einmal wieder "zivilisieren", denn auch bei ihnen habe sich Profitstreben breit gemacht.

Aus Sicht von Conny Petzold, Vertreterin des Vereins Mieter helfen Mietern, hat die Stadt Frankfurt ihre Wohnungspolitik nicht nur verschlafen. Vielmehr habe sie die Bedingungen auf dem Wohnungsmarkt aktiv verschlechtert, indem sie seit Jahrzehnten um neue Einwohner mit hohem Einkommen werbe. Sie erinnerte daran, dass das Neue Frankfurt durch die Enteignung von Boden und durch eine Sondersteuer auf Immobilienbesitz ermöglicht worden sei. "Enteignungen und eine Vermögensteuer geben die heutigen politischen Kräfteverhältnisse allerdings nicht her", bedauerte Petzold. Das derzeit Machbare hatte der städtische Vertreter im Blick: "Geeignete Partner für bezahlbaren Wohnungsbau sind öffentliche Wohnungsbaugesellschaften, gekoppelt mit Flächen in städtischem Eigentum", sagte Gwechenberger.

Kuhn forderte, dass öffentliches Bauland nicht mehr zum höchsten Preis verkauft werden dürfe, sondern ausschließlich nach dem Kriterium des größten Nutzens der geplanten Projekte für die Allgemeinheit. An private Investoren dürfe die Stadt überhaupt keinen Boden mehr verkaufen, es sei denn, wenn diese sich zum Bau ausschließlich von Sozialwohnungen darauf verpflichten. Die Architekten rief er dazu auf, nicht mehr nur "blöde, reduzierte Kästen", wie man sie überall sehe, für den Wohnungsbau zu entwerfen.

Gwechenberger erinnerte daran, dass die ABG seit einigen Jahren nur noch Mietwohnungen neu baue und dass Frankfurt inzwischen eigenes Wohnbauland grundsätzlich nicht mehr verkaufe, sondern in Erbbaurecht vergebe. Er warnte davor, unüberlegt auf die derzeit populären Baugruppen zu setzen. "Was dann passieren kann, hat man in Berlin gesehen: Die Baugruppen bauen mit öffentlicher Förderung, wandeln ihre Projekte dann in Eigentumswohnungen um und verscherbeln sie teuer", sagte Gwechenberger. Deshalb achte die Stadt Frankfurt darauf, dass Baugruppen, mit denen sie zusammenarbeitet, als Genossenschaften organisiert sind.

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