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Digitales | 13.06.2019

Aus IZ24/2019, S. 15

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:

GdW-Präsident fordert Digitalschub fürs Bauwesen

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Axel Gedaschko sieht digitale Lösungen für den Bau als Schlüssel zu günstigem Wohnraum.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Auf dem Aareon-Kongress in Garmisch-Partenkirchen ging GdW-Präsident Axel Gedaschko hart mit der deutschen Bauindustrie ins Gericht. Deren seit Jahren schwache Produktivitätsentwicklung sieht er als entscheidenden Hemmschuh für mehr bezahlbaren Wohnraum. Seine Lösung lautet, sich mehr Innovationen bei unseren Nachbarn abzugucken und mehr in Digitalisierung zu investieren.

Als Verbandspräsident des GdW ist Axel Gedaschko prädestiniert, die Schmerzpunkte der Wohnungswirtschaft aufzuzeigen. Doch statt eines Appells an Politik und Verwaltung setzte er sich in seinem diesjährigen Vortrag auf dem Aareon-Kongress vor allem mit der Bauindustrie auseinander. In deren technologischer Rückständigkeit sieht er ein massives Hindernis für kostengünstige Neubauten. Wenig Technik führt zu viel Personalbedarf, und so verteuerten sich im aktuellen Boom stetig die Preise. "Seit 2009 nimmt die Auslastung für das gesamte Baugewerbe kontinuierlich zu", sagte Gedaschko, "mittlerweile haben wir einen Wert erreicht, der höher ist als nach der Wiedervereinigung."

Doch sich mit dem Verweis auf den Fachkräftemangel zurückzulehnen, könne nicht die Lösung sein, führte der GdW-Präsident weiter aus. Denn anstatt mehr Leute einzustellen, lasse sich die Gesamtleistung der Baubranche über technische Mittel erhöhen. "Die Produktivität wird normalerweise vom technischen Fortschritt gespeist, und das bedeutet heute: durch die Digitalisierung." Hier aber passiere auf dem Bau seit Jahren zu wenig. "Der Rückstand der Baubranche gegenüber den anderen Industrien ist mittlerweile als dramatisch zu bezeichnen", erklärte Gedaschko. So habe die Produktivität der gesamten deutschen Volkswirtschaft zwischen 1991 und 2016 um rund 42% zugelegt. Die Baubranche schaffte innerhalb dieses Zeitraums gerade mal 1%. "Nicht etwa 1% pro Jahr, sondern 1% in 25 Jahren", unterstrich Gedaschko. "Ich glaube, diese Zahl macht alles deutlich."

Zwar ließe sich mit organisatorischen und rechtlichen Änderungen durchaus eine Linderung erzielen, meint der GdW-Chef: "Wenn wir deregulieren, Bauanträge vereinfachen, Design und Logistik auf den neusten Stand bringen, die Baustellen optimieren, die Mitarbeiter fortbilden und neue Werkstoffe einführen, ließe sich die Produktivität um 50% bis 60% erhöhen." Eine solche Baustelle 4.0 setze allerdings voraus, dass bei allen genannten Punkten Fortschritte erzielt werden. "Seien wir realistisch", fügte Gedaschko hinzu, "wenn wir durch diese Maßnahmen 30% Produktivitätsverbesserung erreichen würden, wäre das schon großartig." Der große Wurf gelinge nur mit mehr Technik.

Im momentanen Bauboom könnten sich jedoch selbst die wenig produktiven Marktteilnehmer Zeit lassen und würden dennoch nicht Gefahr laufen, Aufträge zu verlieren. Der Handlungsdruck seitens der Baubranche sei daher gering, Forschung und Entwicklung sind kaum ausgeprägt. Außerdem fehle es der mittelständisch geprägten Bauindustrie häufig an Mitteln, um eigene Forschungsprojekte anzustoßen. In puncto Innovation hinkt nur noch das Jagd- und Fischereiwesen dem Bau hinterher. "Die Pionierarbeit bleibt häufig unerledigt", resümierte Gedaschko, "das ist eine große Hürde für die Digitalisierung."

Durch eine Verknüpfung von Techniken wie 3D-Druck, künstlicher Intelligenz (KI) und BIM ließe sich die Produktivität am Bau laut Gedaschko verfünffachen. Die Ansätze dazu sieht er längst gegeben. So forschen die Fraunhofer-Institute bereits zum Einsatz von KI auf der Baustelle, in den USA ist bereits der halbautomatische Maurer SAM (semi-automated mason) im Einsatz, der dem Bauarbeiter die Steine zureicht, und in den Niederlanden seien zuletzt Durchbrüche beim 3D-Betondruck erzielt worden. "Wenn wir nicht von den Nachbarn abkupfern, werden wir es nicht schaffen", befürchtet Gedaschko. Langfristig müsse die Zukunft des Bauens seriell sein, fügte er hinzu. Frühere Versuche in diese Richtung seien oft unbefriedigend gewesen, aber durch die Digitalisierung komme das Thema mit Vehemenz zurück: "Das Ziel ist eine individualisierte Massenproduktion mit mehr Transparenz, weniger Kosten und weniger Wetterabhängigkeit."

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