Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Projekte | 06.06.2019

Aus IZ23/2019, S. 25

Von Martina Vetter

In diesem Artikel:

Eine Seniorenresidenz mit allem Drum und Dran

Quelle: Wohnresidenz & Spa Branitz GmbH & Co. KG
Die Anlage des heutigen Guts Branitz von oben betrachtet während der Bauphase. Die Arbeiten sind inzwischen beendet. Nur auf der freien Fläche oben rechts wird noch gebaut.

Quelle: Wohnresidenz & Spa Branitz GmbH & Co. KG

Cottbus. Wer auf Gut Branitz lebt, hat vom Arzt über den Einkaufsladen bis zum Kultur- oder Fitnessangebot alles, was er braucht, gleich vor der Haustür. Kein Wunder, dass die Wohnungen in der Seniorenresidenz auf dem Areal der ehemaligen Parteischule und des zwischenzeitlichen Best-Western-Hotels im Nu vermietet waren. Drei Jahre nach dem Beginn des Umbaus ist die 3,6 ha große Liegenschaft kaum wiederzuerkennen.

Was hat sich Gerd Mielke nicht alles für Gedanken gemacht, bevor er vor drei Jahren begann, das seit 2011 brachliegende Areal zwischen Heinrich-Zille- und Wilhelm-Busch-Straße in eine Seniorenresidenz mit Spa und einem eigenen Gastronomie- und Veranstaltungsbereich zu verwandeln. Vor dem Erwerb der Liegenschaft klopfte Mielke, einer der beiden Geschäftsführer des Cottbuser Bauträgers Quattrohaus, den Markt gründlich ab, um sicherzugehen, dass es für sein Angebot überhaupt Bedarf geben würde. Damals rechnete er noch mit einem Einzugsgebiet in einem Radius von 90 km um Cottbus herum. Doch so weit hätte er gar nicht Ausschau nach potenziellen Mietern für die 151 Zwei- bis Vierzimmerwohnungen der Seniorenresidenz halten müssen, die hier entstehen sollten. Die meisten der heutigen Bewohner kommen nämlich aus der näheren Umgebung und aus Cottbus selbst.

Und die Nachfrage nach Wohnungen in der Gut Branitz getauften Residenz geht sogar weit über das Angebot hinaus. "190 Interessenten stehen im Moment auf der Warteliste für die 35 bis 120 m² großen Einheiten", erzählt Mielke bei der Führung durch die weitläufige Anlage. Dabei sind die Quartiere nicht eben preiswert. 13 bis 15 Euro/m² beträgt die Miete, obendrauf kommen noch Betriebskosten in Höhe von 3 Euro/m². Was also macht Gut Branitz so beliebt?

Um das zu verstehen, genügt es schon fast, einen Blick in die teils gut belichteten Kellerräume unter dem großen Gastronomie- und Veranstaltungsbereich zu werfen, der ebenso wie eine Spa-Landschaft zu Gut Branitz gehört. Im Keller gibt es jede Menge Platz, um unterschiedlichsten Hobbys nachzugehen. Abgesehen von der Profikegelbahn oder einem Billardraum stehen dort mehrere Räume zur Verfügung, die von den Bewohnern in eigener Regie gestaltet und genutzt werden können. Dazu gehört ein großzügiges Mal- und Handarbeitsatelier oder eine Bücherei, deren Bestand aus den gespendeten Büchern der 60 bis 100 Jahre alten Bewohner gespeist wird. "Wir brauchen unbedingt noch mehr Regale", ruft eine der Damen, die gerade mit dem Auspacken von Bücherkisten beschäftigt sind, Mielke zu. Der verspricht sich zu kümmern.

Jetzt geht es in einen Seitenflügel des Kellers, wo in langen Regalen im Flur jede Menge Miniaturhäuser und Modelleisenbahnen fein sortiert aufgereiht sind. Das ist das Vorzimmer vom Reich der Modelleisenbahner. Hier treffen wir an diesem Tag auf den Vater von Gerd Mielke. Rainer Mielke und seine Frau Jutta zählen zu den ersten Bewohnern der Residenz und Mielke Senior macht einen äußerst zufriedenen Eindruck. Er bastelt gerade an der Miniaturwelt vom Spreewald, die hier als raumfüllendes Gemeinschaftswerk entstehen wird. Eine Strecke ist schon befahrbar und führt durch liebevoll gestaltete Kulissen, an denen auch einige der Hobbykünstler mitgearbeitet haben. "Alles kann, nichts muss", sagt Mielke Junior, dem das Entstehen einer lebendigen Gemeinschaft von Anfang an am Herzen lag.

Das ist es auch, was die Seniorenresidenz von anderen Angeboten spürbar unterscheidet. Die Möglichkeit für gemeinsame Aktivitäten, aber auch dafür, selbst Dinge mitzugestalten oder Aktivitäten zu organisieren, ist groß. So kann jeder der Bewohner etwa die Hobbyküche nutzen, um mit Freunden oder der Familie schick zu kochen, auch wenn die eigene Wohnung klein ist. Sogar einen überdachten Grillplatz hat Mielke anlegen lassen, wo man sich zum gemeinsamen Barbecue verabreden kann. Für die Gärtnerinnen und Gärtner gibt es Flächen, auf denen sie sähen und ernten können, und auch sonst ist Mithilfe bei der Gartenarbeit willkommen. Zu tun gibt es reichlich in der abwechslungsreich gestalteten Anlage, die nicht nur die Alten, sondern auch ihre Kinder und Enkel zum Verweilen einlädt.

Fast wird einem schwindelig von den vielen Möglichkeiten, die sich den Bewohnern auf Gut Branitz bieten. Ob Großfeldschach spielen oder im Kaminzimmer klönen oder schmökern oder in der Werkstatt basteln oder töpfern, bei dieser Auswahl kommt so schnell keine Langeweile auf. Im Mietpreis inklusive ist außerdem die tägliche Nutzung der hauseigenen Wellnesslandschaft mit verschiedenen Saunen, einem Fitnessbereich und mit großem Schwimmbad. Mielkes Motto: Leben, wo andere Urlaub machen.

Das Spa und seine Einrichtungen werden aber nicht nur von Bewohnern, sondern auch von Besuchern genutzt. Auch das ist Teil von Mielkes Konzept. Die kleine Seniorenstadt soll nicht isoliert von der Nachbarschaft existieren, sondern das bestehende Wohngebiet drum herum bereichern und auch Cottbuser aus anderen Stadtteilen anlocken. Das gilt auch für weitere Angebote, die Mielke sich für den aus zwölf unterschiedlichen Gebäuden bestehenden Komplex einerseits als Rundum-sorglos-Paket für die Bewohner und andererseits für einen rentablen Betrieb ausgedacht hat.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter
Nicht nur die Außenanlagen, selbst die Flure auf Gut Branitz sind freundlich gestaltet. Die Wände dienen als Ausstellungsfläche für die kunstfertigen Bilder der Bewohner. Vor dem Minimarkt parken Einkaufswagen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter

Bis ins kleinste Detail ist alles auf Gut Branitz durchdacht und greift ineinander. Damit man aus einem der sechs Wohnhäuser zum Beispiel auch in der kühleren Jahreszeit oder bei schlechtem Wetter trockenen Fußes und ohne sich dick anziehen zu müssen in die öffentlichen Bereiche der Anlage kommen kann, ließ Mielke Laubengänge aus Holz und Glas bauen, die alle Bauteile verbinden. Im öffentlichen Bereich befindet sich eine Rezeption, die rund um die Uhr besetzt ist. Von hier aus gelangen Bewohner und Gäste zum Kulinarium und zu dem Trakt mit Läden, Tagesspflege, einem Dienst für häusliche Pflege oder der Hausarztpraxis. Einen Frisör gibt es dort ebenso wie eine Praxis für Physiotherapie oder einen Gesundheitsshop. Und damit es den Bewohnern wirklich an nichts fehlt, hat Mielke sogar mietfrei die Fläche für einen Minimarkt der Edeka-Marke Nah und Gut zur Verfügung gestellt, dessen Betrieb sich sonst nicht rechnen würde. Vor dessen Tür parken einige kombinierte Rollator-Einkaufswagen, mit denen man seine Einkäufe bis zur Wohnung schieben und dabei ein kleines Päuschen einlegen kann, wenn nötig.

Das war es natürlich noch nicht: Zum Gut gehört auch das bereits erwähnte Kulinarium mit Restaurant, Café, Bar, Kaminstube und Veranstaltungsräumen, darunter ein großer Saal für Hochzeiten, Bälle oder Konzerte. Die Küche ist exzellent und für Bewohner oder die Dienstleister vor Ort gibt es einen Mittagstisch für 5 bis 10 Euro. Aus dem Speisesaal duftet es köstlich und die Gäste bestätigen die gute Qualität des Essens. Nebenan wird schon für eine Abendveranstaltung umgebaut, denn auch Talkrunden, Lesungen, Tanztees oder Diskoabende gehören zum Konzept und locken nicht nur Anwohner aus der Nachbarschaft in die kleine Seniorenstadt.

Was Mielke und sein Team aufgebaut haben, ist beeindruckend. Und es verwundert nicht, wenn Mielke sagt, ein Betreiber für die gesamte Anlage oder wenigstens für den Restaurant- und Veranstaltungsbereich wäre eine feine Sache, denn eigentlich sei er ja Bauträger, und was das angeht, habe er das Projekt beinahe abgeschlossen. Nur eine Baustelle gibt es noch und zwar gleich neben dem Festsaal, wo früher ein Parkplatz war. Dort entsteht gerade ein Hotel mit 39 Zimmern, das zunächst nicht geplant war. Doch angesichts der neu geschaffenen Infrastruktur und der Lage unweit vom Fürst-Pückler-Park mit Schloss Branitz fehlte eigentlich nur noch ein Hotel, um das Ensemble abzurunden. Für Mielke, der ursprünglich einmal Koch und dann Hotelfachmann gelernt hatte, bevor er sich zum Immobilienfachwirt ausbilden ließ, schließt sich damit ein Kreis: Als Praktikant hatte er einst im früheren Best Western auf dem Areal die Koffer der Gäste geschleppt, nun errichtet er selbst ein Hotel, das als Best Western Plus Parkhotel & Spa geführt werden soll. Im Februar 2020 will Mielke die Eröffnung der Herberge feiern. 24 Mio. Euro statt der ursprünglich geplanten 15 Mio. Euro sind dann in das Gesamtprojekt geflossen, das am Ende weit mehr als eine Seniorenresidenz geworden ist.

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!