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Politik | 06.06.2019

Aus IZ23/2019, S. 23

Von Alexander Heintze

In diesem Artikel:
  • Städte:
    München
  • Unternehmen:
    Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau (GWG)
  • Organisationen:
    VdW Bayern, Bayerische Architektenkammer, Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, Bayerische Ingenieurekammer-Bau
  • Personen:
    Hans Maier, Gerda Peter, Christine Degenhart, Hans Reichhart, Alexander Lyssoudis
  • Immobilienart:
    Wohnen

Billigeres Bauen wäre sofort möglich

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Heintze
Ein paar Vereinfachungen in der Bayerischen Bauordnung würden das Bauen sofort billiger machen, meinen verschiedene Verbände.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Heintze

München. Der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW), die bayerische Architektenkammer und die bayerische Ingenieurekammer-Bau haben Ideen, wie die Politik die Kosten im Wohnungsbau sofort reduzieren könnte.

Die Preisspirale bei den Baukosten muss dringend aufgehalten werden. "Ein Weiter so mit Kostensteigerungen von jährlich 5% darf es nicht geben", fordert Hans Maier, Direktor des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW). Eine Forderung, die bei der Politik auf offene Ohren stößt. Immerhin gibt es eine Baukostensenkungskommission. "Doch es passiert nichts", moniert Maier. Stattdessen wird analysiert, diskutiert, evaluiert und Verantwortung von Bayern nach Berlin und Brüssel geschoben. Dabei könnte Bayern ganz alleine für einen Stopp bei den Baukostensteigerungen sorgen, glauben die Verbände von VdW, bayerischer Architektenkammer und der Ingenieurekammer-Bau. Sie haben einen Forderungskatalog aufgestellt, der sich sofort umsetzen ließe. Ohne Kommission, ohne den Bund und ohne Brüssel. Auch müsse der Freistaat dafür keine langen Gesetzgebungsverfahren in Gang bringen, so Maier. Es genüge, die eine oder andere Verordnung zu ändern.

Am schnellsten ginge wohl die immer wieder geforderte Änderung der Stellplatzverordnung. Bislang fordert der Art. 47 der Bayerischen Bauordnung (BayBo) auch im geförderten Wohnungsbau einen Stellplatz pro Wohnung. Das Bündnis schlägt eine generelle Reduzierung auf 0,75 Stellplätze pro Wohneinheit vor, wenn ein Wohngebäude innerhalb von 500 m an den ÖPNV angebunden ist. Bei Nachverdichtungen sollte eine Reduzierung auf ein Drittel möglich sein. Carsharing-Stellplätze sollten als vollwertige Stellplätze angerechnet werden. Hier sind auch die Gemeinden gefragt. In München ist es bereits möglich, die geforderten Stellplätze durch verschiedene Maßnahmen auf bis zu 0,3 Plätze pro Wohnung herunterzuschrauben. "Durch einige kleine Maßnahmen ließen sich die Baukosten in diesem Bereich spürbar reduzieren", sagt Gerda Peter, Geschäftsführerin der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG München. Bei Baukosten von bis zu 35.000 Euro für einen Stellplatz, könne man für drei bis vier eingesparte Stellplätze eine Wohnung mehr bauen.

Den geförderten Wohnungsbau trifft insbesondere die vorgeschriebene Barrierefreiheit. Es sei zweifellos ein wichtiges Zukunftsthema, räumt Christine Degenhart, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, ein. Allerdings könne man darüber nachdenken, ob etwa Abstände in Treppenhausfluren reduziert und somit die Fläche effektiver genutzt werden könnte. "Hier wird ein Raum gefordert, der nicht nötig ist", so die Architektin.

Auch könne auf den automatischen Einbau einer bodengleichen Dusche verzichtet werden. Ihr Vorschlag lautet, die Nachrüstung erst vorzunehmen, wenn eine barrierefreie Dusche notwendig sei. Das erspare eine doppelte Ausstattung durch die teuren Abdichtungen für die Dusche und den Einbau der Badewanne. Der Wechsel werde ohnehin nur selten verlangt, so Peters Erfahrung.

Beim Brandschutz fordert das Bündnis, dass Notleitern als zweiter Rettungsweg zugelassen werden. Bisher ist das nur in Ausnahmen zulässig. Eine generelle Erlaubnis könnte in manchen Fällen ein zweites Treppenhaus überflüssig machen. Auch bei der Wohnraumlüftung gingen die Anforderungen derzeit über das notwendige Maß hinaus, findet Alexander Lyssoudis, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Eine Reduzierung der Kosten ließe sich seiner Ansicht nach schon dadurch erreichen, dass in der BayBO der Feuchteschutz nach DIN 1946 den anerkannten Regeln der Technik entspreche.

In einem Punkt wäre Bayern dann doch auf die Hilfe des Bundes angewiesen. Seit 2017 arbeitet der Bund an der Neufassung der Mantelverordnung für den Bodenschutz und die Altlasten. Die Verbände fordern eine Vergrößerung des Rasters für die Beprobungen. Außerdem müsse die Wiederverwendung des Bodens vor Ort oberste Priorität haben. Das würde unsinnig lange und teure Fahrten zu Deponien einsparen. Doch eine schnelle Lösung ist hier nicht in Sicht. Im Mai wechselte der zuständige Leiter des Bodenschutzreferats im Bundesumweltministerium, Michael Heugel, die Abteilung. Das Organigramm des Ministeriums weist für das Referat WR I 7 derzeit ein "N.N." aus. Nachfolger unbekannt.

Viele dieser Forderungen dürften auch die Unternehmen aus der freien Wohnungswirtschaft ohne Weiteres unterschreiben. Viele Vorschläge könnte man "theoretisch morgen umsetzen", resümiert Maier. Wirklich viel billiger werde das Bauen durch diese Maßnahmen nicht, gibt er zu. Doch: "Wenn wir es schaffen, dass die Baukosten nicht mehr exponenziell steigen, sondern auf dem jetzigen Niveau verharren, haben wie viel erreicht."

In einem weiteren Schritt werden die Initiatoren ihre Vorschläge dem bayerischen Bauminister Hans Reichhart (CSU) unterbreiten. Der Minister hatte bei seinem Amtsantritt versprochen, die Bauordnung und andere Vorschriften zu entrümpeln (siehe "Bayerns neuer Bauminister will viel dem Markt überlassen", IZ 48/18). Um das Vorhaben zu erleichtern, haben die Verbände die Änderungen in den Verordnungen sogar schon vorformuliert. In den kommenden Wochen zeigt sich, wie groß der politische Wille dafür ist.

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