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Märkte | 06.06.2019

Aus IZ23/2019, S. 13

Von Christoph von Schwanenflug

In diesem Artikel:

Baumarkt für "Wohnungsmieter im urbanen Raum"

Quelle: EHI/GCSC, Urheber: KD Busch
"Das Wachstum findet in den Städten statt", sagt Stefan Diers, Geschäftsführer von Möller & Förster, beim Deutschen Shopping-Center Forum.

Quelle: EHI/GCSC, Urheber: KD Busch

Nahversorgung ist für die Baumarktbranche ein Fremdwort. Keine der großen Ketten hat ein innerstädtisches Kleinflächenformat für Großstädte im Angebot. Mit "Horst" hat der hagebau-Gesellschafter Möller & Förster aus Hamburg diese Lücke jetzt möglicherweise gefüllt.

Hamburg ist eine wachsende Stadt, aber die Baumärkte profitieren nicht davon. Ihr Umsatz stagniert. Die Gründe liegen auf der Hand. "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in Hamburg ein 30.000 m2 großes Grundstück bekommen, auf das wir eingeschossig einen 10.000 m2 großen Baumarkt setzen können, ist gleich null", sagte Stefan Diers, Geschäftsführer von Möller & Förster, beim Deutschen Shopping-Center Forum. Möller & Förster ist Mitglied bei hagebau und betreibt in Hamburg vier Märkte. Auf der anderen Seite weiß Diers durch die Übernahme zweier rund 2.000 m2 großer Max-Bahr-Filialen, wie lukrativ innerstädtische Standorte sein können. "Die zwei Märkte sind hochprofitabel. Ihre Flächenproduktivität ist im Vergleich zu anderen hagebau-Märkten outstanding."

Stetig wachsendes Umsatzpotenzial, aber keine Flächen verfügbar, um dieses zu realisieren: Dieses Dilemma lösten Diers und sein Team, indem sie sich einmal grundsätzlich Gedanken machten. 2015 berief der Chef ein Strategiemeeting ein. "Unser Ziel: Entwicklung eines Kleinflächenformats für Großstädte." Denn in der Stadt, so seine Überzeugung, "findet das Wachstum statt". Es war die Geburtsstunde von Horst.

Die Branche kennt das Umsatzpotenzial der Großstädte. Schon 2005 empfahl eine Ernst-&-Young-Studie den Baumärkten eine "Differenzierung der Formate" und nannte als mögliches Wachstumsfeld die Nahversorgung. Doch bis auf die inzwischen vom Markt verschwundene Max-Bahr-Kette, die es in den Nullerjahren in Berlin mit "Max, der kleine Baumarkt" auf 15 Geschäfte brachte, nahm keine der Branchengrößen die Herausforderung an. Mit Werkers Welt existiert zwar ein etabliertes Kleinflächenformat, es ist allerdings eher etwas für Fahrstandorte oder Fachmarktlagen. Der 2014 verkündete Plan von Obi, in den Innenstädten sogenannte Contact Points zu eröffnen, die von großen Filialen am Stadtrand aus beliefert werden, ist bisher nicht umgesetzt worden. Hornbach Kompakt, ebenfalls ein Format für ländliche Gebiete, stagniert bei zwei Märkten, Screwfix aus England zieht sich gerade aus Deutschland zurück. Kleinflächige innerstädtische Baumärkte in Großstädten wie das 1.500 m2 große City-Bauhaus im Stuttgarter Gerberviertel bleiben somit Einzelfälle. Innenstadt-Bewohner sind, wenn sie einen Schraubenzieher kaufen und dafür nicht 15 km an den Stadtrand fahren wollen, auf die paar übrig gebliebenen Eisenwarengeschäfte oder das Internet angewiesen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug
Ein "Horst"-Vorläufer: Max der kleine Baumarkt, entwickelt von Max Bahr, brachte es in Berlin auf ein gutes Dutzend Filialen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug

Die Mitglieder der Strategierunde von Möller & Förster durften sich also durchaus als Pioniere fühlen. Ihre erste Entscheidung war wahrscheinlich die wichtigste und zugleich mutigste: Baumarktexperten blieben bei der Entwicklung des neuen Filialtyps erst einmal außen vor. Kein Fachidiot sollte den freien Fluss der Gedanken stören. Diers zog stattdessen den Rat einer Agentur hinzu, die noch nie für die Baumarktbranche gearbeitet hatte. Zusammen machten sie sich zunächst einmal an die Klärung der Frage, wer überhaupt die Kunden eines innerstädtischen Baumarkts wären. "Unsere größte Zielgruppe sind Wohnungsmieter im urbanen Raum", referiert Diers das Ergebnis.

Im zweiten Schritt wurden Art und Umfang des Sortiments definiert. In dieser Phase kristallisierte sich die Erkenntnis heraus, dass der künftige Markt eine starke Servicekomponente haben sollte. Handwerkliche Fertigkeiten, die dem Eigenheimbesitzer eine Selbstverständlichkeit sind, kann man bei Wohnungsmietern, die nur ab und zu mal ein Regal aufhängen wollen, nicht unbedingt voraussetzen. "Wir leiten den Kunden an, es selber zu tun", beschreibt Diers den Do-it-yourself-Ansatz von Horst. "Wenn Sie heute einen Baumarkt sehen, sehen Sie immer nur das Womit, d.h. eine Anhäufung von Waren. Es fehlt das Wie und das Wofür." Zum Horst-Konzept zählen darum zahlreiche Servicekomponenten wie Drucken, Lasern, Workshops, Werkzeugleihe, Holz- und Glaszuschnitt, Lastenfahrrad, Lieferservice und ein Service für leichte Handwerkerdienstleistungen. "Wir wollen der Partner im Quartier sein", beschreibt Diers den Horst-Ansatz.

Nachdem das Konzept stand, ging es an den Ladenbau. Dafür mietete Möller & Förster eine rund 1.000 m2 große Halle, in der ein rund 400 m2 großer Prototyp entstand. Auch in diesem Stadium waren Brancheninsider zunächst nicht mit von der Partie. Erst als der Laden fertig war, stießen diese dazu - und waren Diers zufolge "entsetzt". "Die Regale waren nicht hoch genug, es passte nicht genug Ware hinein, die Regalbreite stimmte nicht." Die Befüllung eines Baumarkts mit Ware, "die bei einem gewöhnlichen hagebau-Markt ratzfatz geht", erwies sich als unmöglich. Blieben zwei Möglichkeiten: Umstellung des Konzepts auf die Branchennorm oder die Entwicklung eigener Verpackungen und Gebinde für Horst zusammen mit den Lieferanten. Tatsächlich geschah Letzteres. "Wir haben mit 80 Lieferanten Gespräche geführt. Über Monate hinweg wurde jeder Regalmeter neu konfiguriert, ein extremer Aufwand", berichtet Diers.

Last but not least fehlte das Personal. Es wurde in einem eintägigen Casting mit 40 Personen rekrutiert. "Aus diesem Casting haben wir die gesamte Truppe rekrutiert, 15 bis 16 Leute", erzählt Diers. Am 29. Oktober 2018, etwa drei Jahre nach dem Strategiemeeting, öffnete Horst seine Türen. Der erste Markt in der Paul-Dessau-Straße 8 in Hamburg-Bahrenfeld hat 750 m2 Verkaufsfläche. "Wir hätten gerne mehr gehabt", verrät Diers. Bei der geplanten Expansion, die zunächst in Hamburg stattfinden soll, werden 1.000 m2 bis 1.300 m2 favorisiert. Bei Hamburg muss es nicht bleiben. "Dieses Konzept kann man nicht nur in Hamburg spielen, sondern in jeder größeren Stadt."

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