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Politik | 06.06.2019

Aus IZ23/2019, S. 2

Von Jürgen Michael Schick

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Immobilienverband Deutschland (IVD), SPD, Die Linke
  • Personen:
    Jürgen Michael Schick
  • Immobilienart:
    Wohnen

Debattieren statt beschimpfen

Jürgen Michael Schick, Präsident des Maklerverbands IVD, ist die Sündenbockrolle der Immobilienwirtschaft leid. Die Politik drücke sich vor substanziellen Antworten auf langfristige gesellschaftliche Entwicklungen.

Quelle: Jürgen Michael Schick
Jürgen M. Schick.

Quelle: Jürgen Michael Schick

Kein Tag vergeht ohne Karikatur, keine Woche ohne Übergriffe auf Vermieter: Autos werden angezündet, Mitarbeiter in Hausverwaltungen beleidigt, Unternehmen diffamiert. Wer ist schuld an dem mangelnden Wohnungsangebot in den Großstädten? Die Immobilienwirtschaft. Wer ist schuld an den steigenden Baukosten und den strengeren Auflagen? Die Immobilienwirtschaft. Als ob sie tatsächlich verantwortlich dafür wäre, dass mehr Menschen in die Städte ziehen und die Städte ihren bauplanerischen Pflichten nicht nachkommen.

Der Tonfall in der Debatte hat 2019 seinen bisherigen Tiefpunkt erreicht. Nicht Argumente zählen, sondern die Lautstärke und Überheblichkeit der Schreienden. Das abschreckendste unter den vielen aktuellen Beispielen: Eine Karikatur aus der Zeitschrift Stern, auf der zwei Damen in einem Café zu sehen sind. Die eine sagt stolz zur anderen: "Mein Sohn ist im Vorstand eines Berliner Wohnkonzerns." Erwidert die andere: "Schade, dass es damals noch keine Fruchtwasseruntersuchungen gab." Geht's noch?!

Ich wünsche mir eine Debatte mit Argumenten, nicht mit Populismen. Ja, Wohnen ist "die soziale Frage unserer Zeit", das ist parteiübergreifend konstatiert worden. Aber es wird den Menschen, die ein Eigenheim suchen, nicht helfen, wenn die Politik auf diese soziale Frage mit sozialistischen Antworten reagiert. Ich kann nur davor warnen, auf der Suche nach einem gefälligen Thema Forderungen des linken Spektrums zu vereinnahmen. Mit der Mietpreisbremse ist schon einmal ein Gesetz verabschiedet worden, weil der Begriff "Preisbremse" verlockend klang. Auch ein "Mietendeckel" klingt vielversprechend, wird aber die Ursache steigender Preise nicht bekämpfen. Gerade das aber versuchen SPD auf Bundes- und die Linke in Berlin auf Landesebene derzeit durchzubringen - die Folge werden noch weniger Wohnungsangebote und noch höhere Mieten und Kaufpreise sein.

Dabei gäbe es genug Baustellen. Wie lösen wir als Gesellschaft den Zielkonflikt zwischen Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit? Wie stellen wir sicher, dass wir bedarfsgerechten Wohnraum haben für immer mehr Singles und immer mehr Senioren? Wie schaffen wir es, Wohnraum, Mobilität und neue Formen des Arbeitsalltags in Einklang zu bringen? Diese wirklich großen Fragen sollten die Wirtschaft und die Politik weitaus mehr beschäftigen. Dann wird auch deutlich, dass der derzeitige Nachfrageüberhang in den Ballungsgebieten nicht für sich allein steht, sondern dass es sich um die Begleiterscheinung eines größeren und strukturellen gesellschaftlichen Wandels handelt.

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