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Projekte | 30.05.2019

Aus IZ22/2019, S. 27

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

Richtfest für 60 m hohen Büroturm

Quelle: Barings Real Estate, Urheber: Grüntuch Ernst Architekten
Ein weiterer Glas"palast" in der City West.

Quelle: Barings Real Estate, Urheber: Grüntuch Ernst Architekten

Berlin. Wo einst das nur 34 Jahre alt gewordene, rote, runde Gebäude der ehemaligen Grundkreditbank stand, feierte Entwickler Barings Real Estate Advisers nun Richtfest für einen 60 m hohen Turm mit 15 Stockwerken und 19.500 m² Gewerbefläche. Derzeit ist der Bau zu gut einem Drittel vermietet - und mit dem Coworkinganbieter WeWork wird, wie es auf dem Richtfest hinter vorgehaltener Hand hieß, intensiv über die Anmietung einer ähnlich großen Fläche verhandelt.

Statt rund und rot in Sandsteinoptik wie der neungeschossige postmoderne Vorgängerbau setzen die jetzigen Eigentümer beim Westlight getauften Gebäude auf eine "markante, kristalline Architektur". Entworfen hat das unregelmäßige Achteck am Olof-Palme-Platz Armand Grüntuch von Grüntuch Ernst Architekten.

Hochgezogen wird der zuletzt mit 100 Mio. Euro Investitionsvolumen gehandelte Bau an der Budapester Straße 35, Ecke Kurfürstenstraße auf einem 1.915 m² großen Grundstück. Damit hat sich Barings, das das Areal für einen institutionellen US-amerikanischen Investor gekauft hat, ein exponiertes Stück Stadt gesichert - am östlichen Eingangstor zur City West, vis-à-vis vom Eingang des Zoologischen Gartens und in Sichtweite der im Zweiten Weltkrieg zerstörten und als Mahnmal stehen gelassenen Ruine der Gedächtniskirche sowie des Waldorf-Astoria und des Upper West. Den beiden Hotelbauten mit knapp 120 m Höhe kann der gerade einmal halb so hohe Turm aber nicht das Wasser reichen, auch wenn er, das glauben jedenfalls die Initiatoren, vom Potsdamer Platz aus zu sehen sein soll.

Für den Abriss des 1985 gebauten Bankhauses ausschlaggebend waren der ungünstige Zuschnitt, die hoffnungslos veraltete Technik, aber vor allen Dingen, dass im Neubau mehr Platz ist. Barings hat das alte Geldhaus mit Bauvorbescheid gekauft. Und das kam so: Die Berliner Volksbank, die die Grundkreditbank vor Jahren übernommen hatte, verkaufte im Januar 2015 ein Immobilienpaket, darunter ihren Hauptsitz. Erwerber war ein Konsortium aus Benson Elliot Capital Management, London, der Unternehmensgruppe Klingsöhr, Berlin, Rockstone Real Estate, Hamburg, und Wertgrund Immobilien mit Sitz in Starnberg. Die Zeit zwischen An- und Verkauf des Gebäudes im September 2016 nutzten die Zwischenerwerber, um Baurecht für einen kleinen Turm zu erwirken. Das hat Barings mitbezahlt. Und will es darum auch nutzen.

Das Problem dabei: Der Vorgängerbau war geschnitten "wie ein halber Donut", erläutert Grüntuch. Die Zellenbüros ordneten sich um einen Lichthof an. Das, so der Baukünstler, war nicht mehr zeitgemäß. Allerdings fand der Westlight-Architekt genau wie sein Vorgänger das gleiche tiefe Grundstück vor, eingeklemmt zwischen zwei großen Wohnhäusern. Das Ende vom Lied: Während in den oberen Etagen, die die Nachbargebäude überragen, der vom Bauherrn gepriesene herrliche Panoramablick über die City West zu genießen ist, herrscht unten drunter in der hinteren Hälfte der Fläche eher Düsternis. Unterschrieben hat für sechs Etagen und 6.700 m² Weitblick die Wirtschaftskanzlei Greenberg Traurig. In den unteren Weiten könnten sich der US-amerikanische Branchenprimus WeWork und andere breitmachen. "Derzeit finden Gespräche und Verhandlungen statt, die teilweise weit fortgeschritten sind", so Barings-Manager Christoph Wittkop. Jede Etage bietet rund 1.000 m² Fläche und ist bis zu viermal teilbar.

Angeboten werden die Kontore für 35 bis 40 Euro/m² im Monat. Der Wert bewegt sich am oberen Rand der Berliner Spitzenmiete und ist nach Meinung der führenden Maklerhäuser dieser Stadt bei einem Neubau in dieser Lage aber vernünftig und durchsetzbar. Ins Erdgeschoss des Westlight kommen Flächen für den Einzelhandel.

Die Bauarbeiten begannen im Februar 2018. Bis dahin wurde der Bau aus der Vorwendezeit abgerissen. Die Fertigstellung ist für das zweite Quartal 2020 geplant.

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