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Projekte | 30.05.2019

Aus IZ22/2019, S. 26

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

Kaufen und parken statt "Schiffshebewerk"

Quelle: OFB Projektentwicklung, Urheber: Architekturbüro Stadermann
Blick von Norden auf die geplante Bebauung.

Quelle: OFB Projektentwicklung, Urheber: Architekturbüro Stadermann

Erfurt. Wer glaubt, Wutbürgerei sei ein eher neues Phänomen, kennt Erfurt nicht. Vor mehr als zehn Jahren verhinderten Bürger die Bebauung des Hirschgartens und setzten einen grünen Platz durch. Kurze Zeit später wehrten sie sich gegen einen Parhausklotz gleich daneben. Doch jetzt sind die Weichen für einen Kompromiss gestellt.

Nein, die Erfurter wollten an ihrem Löbertor mitten in der Innenstadt kein Betonungetüm für 700 Autos haben, und nein, auch eine Kombination mit einem Nahversorger und immer noch 700 Stellplätzen sorgte für Empörung. "Unser neues Schiffshebewerk", ätzten die Zeitungen. Die Folge: Der "Parkhaus-Koloss" (Erfurter Allgemeine) fiel in der Stadt krachend durch. Zu dieser Zeit notierte man den Monat März und das Jahr 2014 und guter Rat begann in der Stadt teuer zu werden.

2016 schrieb die Stadt ihr 4.768 m² großes Grundstück dann aus. Das Areal am Juri-Gagarin-Ring bildet das westliche Ende der Haupteinkaufsmeile Anger. Nicht der Bieter mit dem dicksten Portemonnaie, sondern der mit der besten Idee sollte den Zuschlag erhalten. "Konzeptvergabe" nennt das die Branche, auch wenn in diesem Fall die "Höhe des Kaufpreises mit Finanzierungsnachweis" zu 45% in die Wertung einfloss und beispielsweise die "hohe architektonische Qualität" nur zu 10%.

Das Mindestgebot für das gut besuchte zentrale Stück Stadt lag bei 2,95 Mio. Euro oder 618,77 Euro/m². Ende 2017 gewann die Erfurter Niederlassung der OFB Projektentwicklung die Ausschreibung. Nicht nur, weil an der Zahlungsfähigkeit der Thüringer als Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale, kurz Helaba, vermutlich nicht zu zweifeln ist. Auch die Idee, statt eines Betongebirges zwei Gebäude zu errichten, die weniger massiv wirken und den umliegenden Bewohnern keinen Riegel vor die Nase klatschen, überzeugte. Als Architekten gewann Ralph Holeschovsky, Erfurter Niederlassungsleiter der OFB, das Büro Stadermann aus dem thüringischen Hausen.

Quelle: W&R Immocom, Urheber: Jörg Singer
Der Erfurter Niederlassungsleiter der OFB, Ralph Holeschovky, präsentiert das Vorhaben am Hirschgarten auf der Real Estate Mitteldeutschland in Leipzig.

Quelle: W&R Immocom, Urheber: Jörg Singer

Einziehen könnte neben dem Parkhaus, diesmal mit 550 Plätzen, auf 1.600 m² Verkaufsfläche ein Vollsortimenter, oben drüber ein Hotel mit 150 Zimmern oder eventuell Arztpraxen und ein Boardinghaus. Das Parkhaus muss sein, erläutert Holeschovsky, "es wird von der Stadt gefordert". Außerdem prognostizieren Experten eine sehr gute Auslastung mitten in der Innenstadt. Und da Deutschlands Autofahrer älter werden, sorgt der Entwickler mit etwa 50% Komfortstellplätzen vor. Damit ist gemeint, dass die Rechtecke nicht 2,40 m breit sind, wie nach Landesrecht normal, sondern zur besonderen Bequemlichkeit 2,70 m.

Auch den Lebensmittelladen will das Rathaus, da es drum herum nichts Entsprechendes gibt. "Das passt sehr gut", freut sich der Entwickler, da die üblichen Verdächtigen wie Rewe, Edeka, Tegut und Aldi beim potenziellen Bauherrn schon angeklopft hätten. Für ein Hotel spricht, dass die Übernachtungszahlen in der thüringischen Landeshauptstadt stetig steigen, die Nachfrage von Hotelbetreibern hoch und die Pipeline von Hotelprojekten "begrenzt" sei. Um die Erfurter mitzunehmen, wird es auf jeden Fall transparente Schaufenster, mit Platz für Kunst und Stadtmarketing, geben.

Den Kaufvertrag für das Filetstück unterzeichnen kann Holeschovsky, wenn der vorhabenbezogene Bebauungsplan durch ist. "Das kann nicht mehr lange dauern", hofft der Entwickler. Ende dieses Jahres will die OFB dann Baurecht für das rund 50 Mio. Euro teure Vorhaben in der Tasche haben, im zweiten Quartal 2020 die Grube ausheben und Ende 2021 bis Anfang 2022 fertig sein.

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