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Projekte | 30.05.2019

Aus IZ22/2019, S. 22

Von Lars Wiederhold

In diesem Artikel:

Wiesbadener Quartiere stellen sich dem Gestaltungsbeirat

Urheber: Lyson, schneider + schumacher, dreissigacker
Zum Projekt Helling-Höfe zählen mehrere kleinere Wohntürme. Das Grundstück wird nur durch eine Wiese des Regionalparks RheinMain vom Rheinufer getrennt.

Urheber: Lyson, schneider + schumacher, dreissigacker

Wiesbaden. Mehrere Vorhaben mussten sich der Kritik des Wiesbadener Gestaltungsbeirats stellen. Dazu zählen die Helling-Höfe im Stadtteil Mainz-Kastel und das Wohnhochhaus des Kurecks in der Innenstadt.

Der Frankfurter Projektentwickler Andrzej Lyson plant gemeinsam mit J. Molitor Immobilien, Ingelheim, im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel ein Quartier mit 177 Mietwohnungen sowie Büro-, Praxis- und Ladenflächen. Das Vorhaben Helling-Höfe nach dem Entwurf von schneider + schumacher, Frankfurt, wurde dem Wiesbadener Gestaltungsbeirat präsentiert. Insgesamt soll auf einem 1,1 ha großen Grundstück an der Ecke Wiesbadener Straße/Eleonorenstraße knapp 34.000 m² Bruttogrundfläche entstehen, die sich auf einen aus zwei leicht voneinander abgesetzten Teilen bestehenden Riegel und mehrere kleinere Wohntürme verteilt. Unter dem Quartier wird sich eine Tiefgarage erstrecken. Künftig wird der Großteil des Grundstücks überbaut sein.

Derzeit nutzen das Areal, das sich zuvor in privater Hand befand, überwiegend Gebrauchtwagenhändler. In der Nachbarschaft befindet sich das ehemalige Kasernengelände Kastel Housing, das von den städtischen Gesellschaften SEG und GWW entwickelt wird (siehe "Viel Fläche in der Pipeline, wenig auf dem Markt", IZ 50/18). Die SEG hat in der näheren Umgebung zudem das Geschäftshaus Fox samt einer Tankstelle erworben und die GWW will sich die Fläche der ehemaligen Papierfabrik Clemens vornehmen. Mehrere Wohnblöcke und eine Reihenhaussiedlung komplettieren das sehr heterogene Viertel. "Die Umgebung ist dort kein Ideengeber", fasste es Amandus Sattler, stellvertretender Vorsitzender des Gestaltungsbeirats, zusammen. Deshalb müsse die Bebauung von Lyson und J. Molitor einen "adäquaten Auftakt" für die Entwicklung eines ganz neuen Gebiets bilden. Sattler vermisste in dieser Hinsicht bei dem geplanten Riegel eine identitätsstiftende Wirkung. Er erinnere ihn an eine Blockrandbebauung. Beiratsmitglied Ulrike Wendland befürchtete zudem mit Blick auf den Klimawandel eine Einschränkung der Frischluftzufuhr durch den "großen Baublock", der planerisch eher in die 1990er Jahre passe. Auch die vorgesehenen Laubengänge kamen beim Gremium weniger gut an. Nach Erfahrung der Architekten dienen diese in der Praxis allenfalls als Abstellfläche für Kinderwagen oder Hausmüll.

Zudem erfordere das Grundstück mit seinen verschiedenen Geländeabstufungen insgesamt ein besonderes Augenmerk auf die Landschaftsplanung. Das Zusammenspiel von vielen Wegen, Rampen oder Treppen müsse funktionsfähig sein. Gesine Weinmiller, die Vorsitzende des Gestaltungbeirats, warnte schließlich davor, durch eine zu hohe Rückwand des Supermarkts eine unvorteilhafte Hofsituation zu schaffen. Sie würde an dieser Stelle lieber eine Wohnnutzung sehen.

Michael Schumacher, Mitinhaber von schneider + schumacher, betonte in Hinsicht auf die Kritik, dass das Gebäude an der Wiesbadener Straße bereits aus zwei Elementen bestehe. Er könne sich aber vorstellen, die Trennung noch etwas zu verstärken. Ihm sei bewusst, dass Laubengänge oft schwierig seien, es handele sich aber nur um kurze Gänge. Entwickler Lyson ergänzte, dass er bei dem von ihm 2015 in Offenbach eröffneten Hafenzentrum positive Erfahrungen mit Laubengängen gesammelt habe. "Sie werden sehr gut genutzt und bieten Aufenthaltsqualität." Schumacher wendete sich zudem gegen ökologische Bedenken. Die hohe Dichte des Projekts sei gerade eine Antwort auf den Klimawandel. Das Quartier werde zudem nur über einen geringen Glasflächenanteil und über einen attraktiven Garten auf der erhöhten Terrasse des Riegelbaus verfügen. Die Höhe der Supermarktrückwand werde durch eine Erdaufschüttung reduziert.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Lars Wiederhold
Auf der Kureck-Baustelle fehlt noch der 20-geschossige Wohnturm, der größte Baustein des Projekts in der Wiesbadener Innenstadt.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Lars Wiederhold

Ein weiteres in der Sitzung behandeltes Vorhaben war das Wohnhochhaus an der Kreuzung Wilhelmstraße/Sonnenberger Straße. Der Schweizer Architekt Max Dudler präsentierte die geänderte Fassadenplanung für das 20-geschossige Gebäude, das am Standort des mittlerweile abgerissenen früheren R+V-Bürohochhauses als Teil des Projekts Kureck entsteht. Während das frühere Hochhaus mit seiner Aluminiumfassade ein klassischer Solitär war, will Dudler nun über die Auswahl von leicht rötlichen Steinen als Fassadenmaterial eine Ensemblewirkung im Quartier erzeugen. Ursprünglich hatte der Neubau wieder eine Metallfassade, diesmal bronzefarben, erhalten sollen. Beiratsmitglied Sattler war dennoch "hin und her gerissen, ob eine stärkere Abgrenzung der Fassade von den benachbarten Gebäuden der "alten Stadt" nicht doch die bessere Wahl gewesen wäre. "Der Turm gehört nicht zur alten Stadt." Dudler verwies jedoch darauf, dass in vielen Städten inzwischen "alles verboten sei, was glänzt".

IFM Immobilien hat die Entwicklung des Kurecks mit 20.500 m² Geschossfläche für Wohnen und ebenso viel Geschossfläche für Gewerbe auf das Unternehmen Norsk Deutschland übertragen. Dieses wird von Thomas Schulze Wischeler als CEO geleitet, der zuvor den Vorstandsvorsitz von IFM bekleidete. Zuletzt hat Norsk Deutschland auf dem Areal die Sanierung des 1907 errichteten Büro- und Geschäftshauses Wiesbadener Palais an der Taunusstraße 3 mit insgesamt rund 4.700 m² Bruttogrundfläche abgeschlossen.

Schließlich stellte noch die SEG ihr Projekt am Platz der Deutschen Einheit vor. Dort ist der Abbruch des Alten Arbeitsamts geplant. Dieses soll einem Erweiterungsbau der Elly-Heuss-Schule samt Flächen für den Einzelhandel, für ein Internat und eine Kindertagesstätte weichen. Letztere wird in der obersten Etage des Neubaus untergebracht und über eine Dachterrasse verfügen. Für das Internat ist eine Split-Level-Bauweise vorgesehen. Insgesamt soll das Areal offener gestaltet werden als bisher. Der Entwurf stammt vom Wiesbadener Architekturbüro Zaeske und Partner, der Bebauungsplan basiert auf den Ergebnissen eines städtebaulichen Wettbewerbs.

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