Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Märkte | 30.05.2019

Aus IZ22/2019, S. 2

Von Nicolas Katzung

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Wien
  • Organisationen:
    Stadt Wien
  • Immobilienart:
    Wohnen

Wien bleibt Wien

Alle schwärmen von Wien. Doch so sehr der soziale Wohnungsbau Wiener Art auch reüssiert, das Bestreben, eine Kopie anzufertigen und damit die Wohnungsprobleme allerorten zu lösen, wird nicht funktionieren, ist IZ-Redakteur Nicolas Katzung überzeugt.

Urheber: Christof Mattes
Nicolas Katzung.

Urheber: Christof Mattes

Wien, Wien, nur Du allein, sollst stets die Stadt meiner Träume sein. Der Refrain aus der 1912 von Rudolf Sieczynski komponierten Ode an seine Heimatstadt, die nach dem Ersten Weltkrieg in viele Sprachen übersetzt und weltberühmt wurde, liegt ein Jahrhundert später voll im Trend. Von Wien träumen zurzeit vor allem Wohnungspolitiker. Sie suchen nach Lösungen für ein Problem, das sie alle eint: der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. In Wien gibt es davon jede Menge. Aus aller Herren Länder strömen Delegationen in die österreichische Hauptstadt. Sogar aus Australien, Südkorea und Hawaii haben die Wiener Stadtvertreter Besucher empfangen, durch die Stadt gelotst und ihr Wohnmodell erläutert. Hinfahren, anschauen, zuhören und anschließend das Modell eins zu eins kopieren - ein simpler Plan. Der so aber nicht gelingen wird.

Der soziale Wohnungsbau in Wien ist fast so alt wie Sieczynskis Ode, in diesem Jahr feiert das Rathaus 100 Jahre Rotes Wien. 1919 wählten die Wiener in den ersten freien Gemeindewahlen nach dem Zerfall des Habsburgerreichs eine sozialdemokratische Regierung. Die "Roten" beschlossen ein riesiges Wohnbauprogramm, mit dem die grassierende Wohnungsnot erfolgreich bekämpft wurde. Und sie bauten weiter und weiter, bewahrten ihre strengen Mieterschutzgesetze und machten nicht den Fehler, ihre Sozialwohnungsbestände zu verkaufen. Heute sind mehr als die Hälfte der Mietwohnungen in Wien öffentlich gefördert und damit mietpreisreduziert. Partner der Gemeinde sind die gemeinnützigen Bauträger. Anders als in Deutschland hielt Österreich an der Gemeinnützigkeit fest - in Wien ist das Ergebnis sichtbar. Darüber hinaus kauft die Stadt Jahr für Jahr Ackerflächen, widmet sie um und übergibt sie im Konzeptverfahren an Bauträger. Das, was in Berlin Spekulanten machen, macht in Wien die Stadt.

Das Wiener System ist über 100 Jahre gereift, das lässt sich nicht mal so eben nachbauen. Zumal mit einer kurzen Auszeit während des Ständestaats und der Nazi-Herrschaft stets die Sozialdemokraten das Sagen hatten. Es bedarf also vor allem eines klaren und langwierigen politischen Willens. Der ist in Deutschland nicht erkennbar. Und dennoch können sich deutsche Politiker eine oder mehrere Scheiben von ihren Wiener Kollegen abschneiden. Ortsansässige Immobilienunternehmer berichten trotz aller "sozialistischen Knüppel" von einer guten Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Und die Stadt betont, wie wichtig die Kooperation mit den Privaten ist. Das klingt konstruktiver, als gleich die große Enteignungskeule zu schwingen.

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!